Volltext: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Verschiedenes 
Professor Teichman» +. Am 16. März b. I. ist unser Mit 
glied Carl Teichmann, Professor des Maschineningenieurwesens 
an der Technischen Hochschule in Stuttgart, nach längerem Leiden 
verschieden. Einem Nachruf in der Zeitschrift des Vereins deutscher 
Ingenieure entnehmen !vir folgendes: 
Der Dahingegangene wurde am 17. März 1838 in Stuttgart 
geboren und wuchs unter einfachen Verhältnissen auf. Er besuchte 
das Gymnasium, die Oberrealschule und die polytechnische Schule 
seiner Vaterstadt mit Auszeichnung und arbeitete sodann in den Werk 
stätten der Maschinenfabrik Grafenstaden bei Straßburg, wo er sich, 
wie sein kürzlich verstorbener Freund, Kommerzienrat Daimler, der 
besonderen Gunst und Förderung des damaligen, um die Ausbildung 
junger Techniker hochverdienten Direktors Meßmer erfreute. 
Nach längerer Beschäftigung in dem Konstruktionsbureau der 
Maschinenfabrik Geislingen wurde der erst 21 jährige durch deu be 
kannten Ingenieur Gustav Bernoulli in Basel als Hanptlehrer 
an die Zeichen- und Modellierschule der gemeinnützigen Gesellschaft 
der Stadt Basel berufen; der ihm übertragene Unterricht in Mechanik 
und Maschinenzeichnen gestattete ihm, auch als Zivilingenieur thätig 
zu sein und nebenher Vorlesungen an der Baseler Universität zu 
hören. Mit seinem Vaierlande in stetem Verkehr, löste er eine von 
dem Vereine zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen gestellte 
Preisaufgabe über einen Mechanismus für Eisenhobelniaschinen, die 
ihm von Preußen und sodann auch von seiner engeren Heimat 
Württemberg je die goldene Medaille für Fortschritt im Gewerbe 
einbrachte. 
An der seit 1840 in Stuttgart bestehenden Kgl. Baugewcrke- 
schule hatte sich Mitte der 60er Jahre das Bedürfnis nach An 
gliederung einer Abteilung für Maschinenbau geltend gemacht; hiefür 
wurde Teichmann als erster Hauptlehrer berufen, und er entledigte 
sich seiner Aufgabe durch 21 Jahre mit dem besten Erfolge. Im 
Jahre 1886 erfolgte sein Uebertritt an die Maschineningenienrab- 
teilung der Technischen Hochschule in Stuttgart, an der er bereits 
in den 70 er Jahren als Dozent thätig war. 
Teichmann war nicht nur ein wissenschaftlich hervorragender 
Ingenieur, sondern auch ein trefflicher Lehrer, der seine Schüler für 
ihr Fach zu begeistern wußte und von ihnen hoch verehrt wurde. 
Er veröffentlichte wertvolle wissenschaftliche Arbeiten und war vielfach 
als beratender Ingenieur, als geschätzter Gutachter in technischen 
Streitfragen, hauptsächlich im Gebiete von Wasser- und Gas 
motoren, thätig. 
Eine große Zahl von Leidtragenden, insbesondere aus tech 
nischen Kreisen, erwies dem Dahingegangenen die letzte Ehre; in den 
Grabreden rühmte man seine ausgeprägte Selbständigkeit, die ihn 
aber nicht hinderte, der abweichenden Auffassung Anderer Rechnung 
zu tragen, sein Rechtsgefühl, sein gründliches Wissen und das Be 
streben, bei den ihm entgegentretenden Aufgaben in die Tiefe zu 
dringen, sowie seine Uneigcnnützigkeit als Hauptzüge dieses treff 
lichen Mannes. 
Die Preisanfgabn, welche die Technische Hochschule gestellt 
hat, lauten 
für 1900: 
Abteilung für Architektur: Die Festräume eines Künstler 
hauses sollen im deutschen Charakter dekoriert werden. Dabei ist 
vorausgesetzt, daß alle Räume mit direktem Seitenlicht beleuchtet und 
die Fußböden in gleicher Höhe gelegen sind. Als Heizung ist 
Warmwasserheizung vorgesehen und sind die Heizkörper in zweck 
mäßiger Weise zu verstecken. Die Wahl der Materialien soll so ge 
troffen werden, daß nirgends Surrogate Verwendung finden und daß 
besonders dekorativ wirkende Baustoffe den Vorzug erhalten. Die 
Beleuchtung ist elektrisch durch kleine Glühlampen zu erstellen und 
der Ausbildung dieses Teils der Aufgabe besondere Sorgfalt zuzu 
wenden. 
Abteilung für Bauingenieurwesen: Für den in einer 
Skizze im Längenprofil dargestellten Thalübergang ist ein Viadukt 
zu entwerfen, welcher für eine normalspurige eingleisige Hauptbahn 
zu dienen hat. Träger und Mittelpfeiler sollen aus Flußeisen kon 
struiert sein, die letzteren sind auf Stein- und Betonsockel zu stellen. 
Als Brückensystem ist eine einfache Jochbrücke (treotle-vorst) an 
zunehmen. 
Abteilung für Maschineningenierwesen einschl. Elek 
trotechnik: Eine eingehende Abhandlung mit Zeichnungen über das 
Einformen 1. von Dampfmaschinen und 2. von Turbinen wird 
verlangt. 
Abteilung für allgemein bildende Fächer: Alfred 
Tennyson als dramatischer Dichter. 
für 1901: 
Abteilung für Chemie, einschl. Hüttenwesen und 
Pharmazie: Das von Mond und Langer entdeckte Nickelkohlenoxyd 
ist, wie auch das Eisenkohlenoxyd bis jetzt nur in Hinsicht auf seine 
Bildungsweise und sein Verhalten gegen einzelne Agentien näher 
untersucht worden. Im Hinblick auf das große Interesse, welches 
diese eigenartigen Verbindungen vom wissenschaftlichen und technischen 
Standpunkte aus besitzen, erscheint ein eingehendes Studium derselben 
erwünscht. Insbesondere soll ermittelt werden, ob eine weitergehende 
Analogie zwischen den Kohlcnoxydverbindnngeu des Nickels oder 
Eisens und dem Kohlenoxydkalium besteht. 
Abteilung für Mathematik und Naturwissenschaften: 
Die Hysteresis von Eisen bei Magnetisierung durch einfaches Wechsel 
feld und durch Drehfeld soll mit verschiedenen Periodenzahlen ein 
gehend experimentell untersucht und mit den nach der ballistischen 
Methode gewonnenen Ergebnissen verglichen werden. 
Äernvoargeden vom ivürNemb. hierein für fJtiuhHiiöf. r ti r denselben; VS '.l ll i n sp c k * J T fl c 11} 1 i H ij. VI v it ili von Alfred lftüflrr Ä Äo. —~ fftrlßfi non 5. 10 f i sf » 
Hosbnchhandfimg, sämtlich in Stuttgart.
	        

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