Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Firma näher eingehen zu können, welche seit über 30 Jahren der 
artige Apparate und Anlagen in kleinem und großem Umfange 
herstellt. 
Ich will Ihnen nun die Grundsätze, nach welchen zweck 
entsprechende Feuertelegraphcn-Anlagen für große, mittlere und kleine 
Städte, sowie für das Land ausgeführt werden, in Kürze 
zusammenfassen und dann deren einzelne Teile näher 
erklären. 
Die Hauptaufgabe einer derartigen Einrichtung be 
steht naturgemäß darin, die Zeit zwischen dem Ausbruch, 
bezw. der Entdeckung eines Brandes bis zum Eintreffen 
der Löschmannschaften möglichst abzukürzen, um die Ge 
fahr schon im Entstehen zu unterdrücken, und ist diese 
Forderung umso schwerwiegender, als es sich hiebei nicht 
allein um den Schutz des Eigentums, sondern auch um 
die Rettung von Menschenleben handelt. 
Unter diesen Gesichtspunkten hängt die Anordnung 
einer Feuertelegraphen-Anlage hauptsächlich von der Größe 
des Ortes und von der Organisation der zur Verfügung 
stehenden Feuerwehr ab. 
Für Großstädte, die ununterbrochen bei Tag und 
Nacht über eine gut ausgerüstete und hinlänglich große 
Berufsfeuerwchr verfügen, genügt in der Hauptsache schon 
die Aufstellung einer entsprechend großen Anzahl von 
Feuermeldern, welche in angemessenen Entfernungen von 
einander verteilt und an leicht zugänglichen Orten ange 
bracht sind. Diese Apparate 
stehen mit einer Hauptwache 
in Verbindung, von welchen 
aus die Bernfsfeuerwehr, so 
wie eine etwaige Reserve 
feuerwehr auf telegraphischem 
oder telephonischem Weg alar 
miert werden kann, so daß die 
Mannschaften derselben gleich 
nach dem Eintreffen der Feuer 
meldung zum Brandplatz ab 
fahren können und die Reserve 
feuerwehr sofort den Dienst 
auf der Feuerwache übernimmt. 
Etwas anders verhält sich 
die Sache bei mittleren und 
kleinen Städten, welche keine 
Berufsfeuerwehr besitzen, son 
dern auf eine frei 
willige Feuerwehr an 
gewiesen sind, die erst 
durch eine besondere 
Alarmierung herbei- 
Fig.1. Jnduktionswecker mit Zeichenscheibe. gerufen werden muß. 
Für diese Verhält 
nisse besteht die Einrichtung aus zwei Hauptteilen und zwar: 
Aus einer Feuermelde-Einrichtung, ganz ähnlich wie bei 
den Großstädten und 
aus den zum Herbeirufen der Mannschaften erforder 
lichen Alarm-Einrichtungen. 
Die Leitungen dieser beiden Teile lausen auf einer 
gemeinschaftlichen Zentralstation zusammen, welche sich zweck 
entsprechenderweise auf der Rathauswache im Mittelpunkt der 
Stadt oder auf einer sonstigen günstig gelegenen Polizei 
station befindet, da diese Orte gewöhnlich Tag und Nacht 
mit dienstthuenden Persönlichkeiten besetzt sind. 
Die Alarm-Einrichtung funktioniert in der Weise, daß 
in den Wohnungen einer größeren oder kleineren Anzahl 
von Feuerwehrleuten Wecker angebracht sind (Fig. 1), welche distrikt 
weise oder alle zusammen mittels eines Stromerzeugers von der 
Zentralstation aus in Thätigkeit gesetzt werden. Bei kleineren Städten 
werden diese Wecker vorzugsweise in den Wohnungen der Hornisten 
Fig. 3. Alarmkanone. 
Es empfiehlt sich, zwischen den einzelnen Dörfern eines Bezirkes 
telephonische oder telegraphische Verbindung herzustellen, wodurch die 
selben untereinander leicht verkehren können und der langsame und 
unsichere Dienst der Feuerboten oder Feuerleiter wegfällt. 
untergebracht, welche nach dem Ertönen derselben zur weiteren Alar 
mierung ihre Signale abgeben. 
Aber auch für das Land lassen sich Feuertelegraphen-Einrich- 
tungen in einer ähnlichen Anordnung wie die zuletzt angegebenen 
verwenden: nur ist hiebei auf eine Alarmvorrichtung mit möglichst 
Fig. 2. Anschlagwcrk mit Elektromotoren-Betrieb. 
großer Schallwirkung Wert zu legen, da in den Dörfern die Feuer 
wehrmannschaften nicht durch gewerbliche Beschäftigung am Orte 
selbst zurückgehalten werden, sondern zum großen Teil auf den um 
liegenden Feldern ihrem Berufe nachgehen. Zu solchen Alarmierungen 
lassen sich die vorhandenen Turmglocken mit elektrischer Auslösung 
oder beim Vorhandensein einer entsprechenden Stromquelle mit elektro- 
motorischem Antrieb verwenden (Fig. 2). In Fällen, wo die 
Turmglocke nicht ausreicht, empfiehlt sich die Verwendnng einer 
Alarmkanone von entsprechender Größe (Fig. 3), die sich auch auf 
elektrischem und dadurch kürzestem Wege entladen läßt. Alle diese 
Vorrichtungen laufen zweckmäßigerweise in der Wohnung des Ge 
meindevorstehers zusammen. Die Feuermelder arbeiten unter diesen 
Verhältnissen nur auf ein Läutwerk, welches zum Ertönen gebracht 
wird und dadurch anzeigt, daß es irgendwo brennt. Wegen der 
geringen Größe des Dorfes und der länger dauernden Alarmierung 
sind nähere Angaben über den Ort des Brandes nicht erforderlich, 
da der Betreffende, welcher Feuer gemeldet hat, ganz rasch dem Ge 
meindevorsteher mündlich die Nachricht zukommen lassen kann.
	        

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