Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

Elektrische Feuertelegraphie. 
Vortrag, gehalten in der 5. ordentlichen Versammlung, von Ingenieur Emil Fein in Stuttgart. 
(Schluß.) 
In solchen Fällen, wo keine städtische oder private Elektrizitäts 
quelle zur Verfügung steht, wird der Strom einer eigenen Dynamo 
maschine entnommen, die entweder durch einen Gas- oder Benzinmotor 
betrieben oder durch eine Hochdruckturbine bethätigt wird. Die letztere 
Anordnung hat beispielsweise zum Betrieb großer Anschlagwerke in 
Kaiserslautern Verwendung gefunden und hat den Vorzug, daß sie 
jederzeit nach Oeffnen eines Zuflußventils sofort in Betrieb gesetzt 
werden kann. 
Beim Vorhandensein einer Zentrale werden Umformer ver 
wendet und zwar besteht ein solcher bei Gleichstrom aus einem Elektro- 
Fig. 12. Großer Magnet-Induktor. 
motor, auf dessen Axe sich ein Anker mit zwei getrennten Wicklungen 
und Kollektoren befindet. Die Regulierung des Stromes erfolgt bei 
gleichzeitiger Ladung mehrerer Batterien durch Hauptstromregulatoren, 
die einerseits in den Hauptstrom andererseits in den Leitungsstrom 
eingeschaltet sind. Beim Vorhandensein einer Wechselstrom- oder 
Drehstrom-Zentrale ist ein Umformer, aus einem Dreh- oder Wechsel 
strommotor mit einer direkt damit gekuppelten Gleichstrom-Dynamo 
maschine bestehend, erforderlich. (Fig. 1l.) 
Bei dem letzteren Umformer trägt die Gleichstrom-Dynamoma 
schine noch zwei Schleifringe, welche einen Wechsel 
strom von geringerer Wechsclzahl als denjenigen 
des Elektrizitätswerkes abzugeben im stände ist; 
der Drehstrom-Motor ist vicrpolig und macht dem 
zufolge bei 100 Wechseln ca. 1500 Touren pro 
Minute, während die damit gekuppelte zweipolige 
Dynamomaschine einen Wechselstrom von 50 Wechseln 
pro Sekunde bezw. 3000 pro Minute abgiebt. 
Diese Wechselzahl eignet sich zum Betrieb von 
Wechselstromweckern, wie dieselben zum Alarmieren 
der Feuerwehr Verwendung finden. Der so er 
haltene Wechselstrom wird in einen Transformator 
geleitet, von dessen sekundärer Wicklung eine größere 
oder kleinere Anzahl von Windungen sich abschalten, 
lassen, je nachdem mehr oder weniger Wecker an. 
die einzelnen Linien angeschlossen sind. 
Wenn natürlich kein Starkstrom eines Elek 
trizitätswerkes zur Verfügung steht, so muß zum 
Betrieb der Wecker eben ein großer Magnet- 
induktor zu Hilfe genommen werden (Fig. 12). 
Durch einen solchen mit 24 Lamellen lassen sich ungefähr 100 mittlere 
Wecker gleichzeitig in Betrieb setzen; diese Anordnung hat jedoch den 
Nachteil, daß ein Mann zur Bedienung erforderlich ist, während die ! 
Alarmierung durch den vorher erwähnten Transformator nicht allein i 
von unbegrenzter Dauer ist, sondern den Anruf einer noch viel 
größeren Anzahl von Weckern gestattet. 
Um auch hier nach Bedarf eine Anzahl von Linien gleichzeitig 
wecken zu können, ist es zur Erreichung eines gleichmäßigen Stromes 
in denselben notwendig, vor die Linien, in welchen sich die kleinere 
Zahl Wecker befindet, sogenannte Ausgleichwiderstände zu schalten, 
so daß der Gesamtwiderstand in jeder Linie derselbe ist. 
Was die Wecker selbst betrifft, so bauen wir diese in ver 
schiedenen Größen und zwar mit einer oder zwei Glockenschalen in 
Durchmessern von 7—25 cm. Die gewöhnliche Ausführung ist der 
dort als Muster sich befindende Jnduktionswecker mit 2 Glockenschalen 
von 12 cm Durchmesser samt Zeichenscheibe. Diese Apparate bestehen 
aus zwei Spulen, welche auf dem einen Ende eines kräftigen Stahl- 
magneten sitzen, während der Anker mit Klöppel auf dem andern 
Ende drehbar angebracht ist 
und sich zwischen den Kernen 
der oben erwähnten Spulen 
hin-und herbewegt. Die ganze 
Vorrichtung ist in einem Ge 
häuse untergebracht; der Appa 
rat mit Zeichenicheibe besitzt 
noch eine ovale Oeffnung, die 
mit einer Glimmerscheibe ab 
geschlossen ist. Die Zeichen 
scheibe selbst ist ans einem aus 
Aluminium hergestellten Rähm 
chen befestigt; in letzier Zeit gjg. 13. Kleiner Jnduktionswecker. 
haben wir auch der Billigkeit 
halber vielfach die kleinen Wecker nach Fig. 13 verwendet. 
Zur allgemeinen Alarmierung werden vielfach große Läutwerke 
mit Gewichtsaufzug und elektrischer Auslösung angewendet, die sich 
am Aeußern der Gebäude anbringen lassen. Eine besondere An 
ordnung bildet das Anschlagwerk für Turmglocken (Fig. 14), 
welches für Hämmer bis zu einem Gewicht von 15 kg genügt. Diese 
Vorrichtung besteht aus einer großen Trommel, auf welcher das
	        

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