Volltext: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Ein großer Uebelstand ist das vollständig unzureichende Bibliothek 
zimmer. Die Neueinverleibungen können größtenteils in den Kästen 
nicht mehr untergebracht werden, trotzdem ein neuer Kasten angeschafft 
wurde. Ein weiterer Kasten läßt sich nicht mehr aufstellen. 
Die Beschaffung eines andern Lokals wird in Bälde notwendig 
werden. 
Kölle wünscht, daß bei Schenkungen auch die Namen der 
Schenker genannt werden. 
Schließlich berichtet Stadtbaurat Mayer als Verwalter des 
Hilfsfonds für Unterstützung von im Kriege verwundeten oder er 
krankten Architekten und Ingenieuren, daß der Anwachs durch Zinsen 
im letzten Jahr JL 122.98 betragen habe. 
Neu angelegt wurden ^ 404.55 in 20 £ 5°/ 0 1899 er cons. 
äußer. Mexic. Anleihe zum Kurs v. 98*/r. 
Der Fonds besteht nun aus: 
200 JL 3V/o Württ. Staatsobl. von 1894, 
40 £ 5°/o 99 er Mexic. Staatsanleihe, 
200 JL Franks. Eisenbahnrentenbank-Oblig., 
500 Jl 4°/o Northern Pacific Prior Lien Bond 
und hat einschließlich eines Bankguthabens von Jl 19 05 ^ einen 
Wert von ca. JL. 3240.—. 
Die Rechnung wurde geprüft durch die Herren Architekt Schmid 
und Hofbauinspektor Link und in Ordnung gefunden. 
Den letzten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Neuwahl 
des Vorstandes für die Vereinsjahre 1900/1902. 
Zum Vorsitzenden wird mit 23 Stimmen von Euting 
gewählt, welcher die Wahl annimmt. 
Der seitherige Vorsitzende dankt dem Gewählten dafür, daß er 
sich bereit erklärt hat, den Vorsitz zu übernehmen, und beglückwünscht 
den Verein zu der sehr glücklichen Wahl. 
von Euting bittet die Versammlung, Kölle den Dank des 
Vereins für seine Thätigkeit, sowie den Wünschen für sein ferneres 
Wohlergehen und dem Bedauern über seinen Weggang von Stuttgart 
durch Erheben von den Sitzen Ausdruck zu verleihen. Dies geschieht; 
Kölle spricht seinen Dank hiefür aus. 
Als weitere Vorstandsmitglieder werden gewählt: 
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mit 
21 
Stimmen 
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17 
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13 
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Gebhardt erhält 12, Jassoy 5 Stimmen. 
Schluß der Sitzung um 12 Uhr. 
Die Wmer Äadterweiterung. 
Aus dem Bortrag des Bauinspektors Braun in Ulm, gehalten in der 10. ordentlichen Versammlung. 
Aus dem Vortrag des Vorstandes des städtischen Tiefbauamtes 
Ulm, Bauinspektor Braun, über die Ulmer Stadterweiterung, holen 
wir auszugsweise folgendes nach: 
Der Redner erinnerte zunächst an den bedeutenden Schritt, den 
die Gemeindevertreter für die Erweiterung der Stadt Ulm unter 
nahmen, indem sie die Niederlegung der inneren Umwallung veranlaßt 
und diese von dem Reiche zum Preise von 4V2 Mill. JL eigentümlich 
erworben haben, sowie an das Abkommen der Stadt mit der Eisen 
bahnverwaltung, nach welchem letzterer um den Preis von 600000 Jl 
dasjenige Areal von dem früheren Festungsgelände abgetreten wurde, 
das für die Erweiterung des Bahnhofs notwendig wird. Außer 
dem Areal der inneren Umwallung wird noch ein Gebiet von etwa 
480 Hektar frei, das bisher infolge der Rayonbestimmungen mit 
Bauverbot oder mit schweren Baubeschränkungen belegt war, so daß 
das Gesamtstadrgebiet ca. 830 Hektar mißt. 
Wegen der außerordentlichen Schwierigkeiten, mit denen die 
Aufstellung des Stadterweiterungsprojekls von Ulm durch die Festung, 
namentlich aber durch die Lage des Bahnhofs verknüpft ist, erschien 
es zweckmäßig, hervorragende Sachverständige heranzuziehen, die ihre 
Erfahrungen mit den lokalen Kenntnissen der einheimischen Techniker 
vereinigen und die Grundzüge für den künftigen Ansbau der Stadt 
geben sollten. Es waren dies: Geh Rat Stüb ben-Köln, Ober 
baurat Prof. Baumeister-Karlsruhe, Stadtbaurat Kölle-Stuttgart. 
Das Programm für den Bebauungsplan wurde von ihnen unter 
2 verschiedenen Annahmen festgestellt: 1) Der Personenbahnhof 
bleibt, wie in den Grundlagen des städtischen Tiefbauamts ange 
nommen, in seiner gegenwärtigen Höhenlage erhalten und es 
werden nur diejenigen Aenderungen an demselben vorgenommen, 
welche durch das Anwachsen des Personenverkehrs und durch die 
Herstellung von Straßenüberführungen notwendig werden. 2) Der 
Personenbahnhof wird so weit gehoben, daß mit sämtlichen Straßen 
in der Richtung gegen den neuen westlichen Stadtteil und mit der 
Uferstraße gegen den Galgenberg unter den Gleisen der Bahn durch 
gefahren werden kann. 
Bei beiden Plänen ist vorausgesetzt, daß der Personenbahnhof 
an seiner gegenwärtigen Stelle verbleibt und vom Güierbahnhof 
vollständig getrennt wird, so daß auch der sogenannte Ostbahnhof und 
die seither neben dem Empfangsgebäude angereihten Güterschuppen 
mit der Zeit beseitigt und an den neuen Güterbahnhof verlegt werden. 
Von den Sachverständigen wurde der zweite Plan als der in erster 
Linie für die Stadtgemeinde in Betracht kommende bezeichnet. 
Der Redner entwickelte nun ein Bild von der zukünftigen Ge 
staltung der Stadt nach diesen Projekten und beschrieb eingehend die 
Anschlüsse der verschiedenen einmündenden Bahnen, die beabsichtigte 
Anlegung einer besonderen Industrie- und Hafenbahn entlang der 
Brenzbahn, sowie die Erweiterung der Stadt bis zu den Grenzen, 
welche durch die neue Gestaltung der Festungswerke gegeben sind, 
und die Anlegung eines Hafens für die Donauschiffahrt. Es zeigte 
sich jedoch, daß behufs ungehinderter Verbindung der beiderseits 
liegenden Stadtteile auch noch als 3. Plan die Möglichkeit der voll 
ständigen Verlegung des Personenbahnhofs mit dem Güterbahnhof 
gegen Nordwesten in den sog. Bleicher-Haag in Berechnung gezogen 
werden müsse und vor allem eine vergleichende Kostenberechnung für 
die verschiedenen Möglichkeiten der Abänderung der Bahnhofverhältnisse 
auszufertigen sei. 
Der Vortragende legte dar, daß mit der Höherlegung des Bahn 
hofs an der alten Stelle nicht nur große Kosten, sondern auch be 
deutende Schwierigkeiten verbunden wären, und daß die Belassung 
des Bahnhofs an seiner gegenwärtigen Stelle auf der bisherigen 
Höhe mit Rücksicht auf die große Entfernung der Ueberfahrten am 
Ehinger und Blaubeurer Thor und im Hinblick auf die Notwendig 
keit einer späteren Vergrößerung des Bahnhofs unzulässig erscheine, 
während bei der Verlegung des Bahnhofs sich nicht nur der Eisen 
bahnumbau, sondern der Eisenbahnbetrieb und die Ausgestaltung des 
Straßennetzes der Stadt wesentlich günstiger gestalten würden. Nach 
den Berechnungen des städtischen Tiefbauamtes stellen sich die Kosten 
für die Höherlegung des Bahnhofs um 4 m auf 10 Mill. Jl, um 
5,2 m auf 11 Mill. JL, für Verlegung an der jetzigen Stelle auf 
13 Mill., für Belassung und Erweiterung desselben auf 4 Mill. JL. 
Die Eisenbahnverwaltung konnte sich nicht davon überzeugen, daß 
die Gesamtverlegung des ganzen Bahnhofs in den Bleicher-Haag sich 
zweckentsprechend gestalten könne, es erschienen ihr die Kosten hiefür 
zu hoch, auch hatte sie Bedenken gegen die Zusammenlegung (Neben 
einanderlegung) von Güter- und Personenbahnhof. Es wurde von
	        

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