Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

12 Monatsschrift des Württembg. Vereins für Badkünde in Stuttgart. Nr. 2 
entsprechenden Mietzins abwirft. Mit den Grabarbeiten wurde 
im Monat April 1899 begonnen. Trotz der Schwierigkeiten, 
die sich ergaben, — denn es fand sich zum Teil erst in der 
Tiefe von 9 — 12 m tragfähiger Baugrund — waren die Fun 
damente anfangs Juli gelegt. Im Oktober wurde das Richtfest 
gefeiert und nun nach der kurzen Zeit eines Jahres steht der 
Bau vollendet da. 
Die Räumlichkeiten der einzelnen Stockwerke haben folgende 
Bestimmung: 
Im Untergeschoss, welches eine lichte Höhe von 2,8 m 
hat und in zwei Teile 
getrennt ist, befinden 
sich in der einen Ab 
teilung ein Buchhalt 
ungszimmer, die Regi 
stratur, ein Magazin für 
Buchhaltungsmaterial, 
zugleich Buchbinder 
raum , die Garderobe 
und Toilette für die 
Beamten, die Heizungs 
anlage mit Kohlenmaga 
zin. In der anderen Ab 
teilung des Unterge 
schosses sind Holzställe 
eingerichtet und unter 
denselben Kellerräume. 
Im Untergeschoss 
beginnt sodann der Auf 
bau des Tresors. Dieser 
ist als ein selbständiges 
Bauwerk, gleichsam als 
ein Turm, in das Ge 
bäude eingefügt und 
geht bis zum zweiten 
Obergeschoss. Unter 
geschoss , Erdgeschoss 
und Obergeschoss ha 
ben je ihren besonderen 
Tresorraum, so dass drei 
übereinanderliegende, 
für sich abgeschlossene 
Gelasse vorhanden sind. 
Das Erdgeschoss 
enthält den grossen 
Buchhaltersaal für das 
Einlagewesen. Durch 
eine Vestibüle gelangen 
die Einleger von der 
Schelling- oder Kanzlei 
strasse aus über einige 
Granitstufen in den Saal. 
Dieser zerfällt in drei 
Teile. Der mittlere — 
begrenzt durch Säulen 
in Stuckmarmor und 
durch eine Brüstung — 
dient als Warteraum 
für das Publikum, er 
ist 19 m lang und 5 m 
breit. In den Abteil 
ungen rechts und links 
ist die Buchhaltung un 
tergebracht. Auf der 
einen Seite werden die 
Einlagen und auf der anderen die Rückzahlungen behandelt. 
Zahlstellen sind auf jeder Seite eingerichtet. Am südlichen Ende 
befindet sich der schon erwähnte Tresorraum, der in zwei 
Etagen geteilt ist. Diese sind zur Aufnahme der Einlegerkonten 
bestimmt. In nächster Nähe der Konten arbeiten die expedieren 
den Buchhalter. Zu diesen haben die Einleger sich zu begeben 
und werden dann von dort aus zu ihrer Zahlstelle weitergelebt. 
Von der Buchhaltung abgegrenzt ist ein Raum für den Kanzlei 
vorstand, von wo aus dieser den ganzen Betrieb übersehen kann. 
Der Saal hat zur Zeit dreissig Beamte aufzunehmen, bietet 
aber Raum für zweiundsechzig, er ist 4,70 m hoch. 
Im Erdgeschoss sind ferner ein Arbeitszimmer für den 
Revisor, ein Sprechzimmer für die Buchhalter und ein Zimmer 
zum Aufenthalt für die Aufwärter vorhanden. 
Das Obergeschoss mit einer lichten Höhe von 4 m enthält 
die Räume für die Vorsteher und die Hauptverwaltung, nämlich 
in der Front gegen die Schellingstrasse den Sitzungssaal, darauf 
folgen in der Front gegen die Kanzleistrasse ein Arbeitszimmer 
für den ersten Vorsteher und ein Vorzimmer, hieian reihen 
sich die Arbeitszimmer für den Verwaltungskonsulenten, den 
Sekretär und die in der Hauptverwaltung beschäftigten Buch 
halter. Rückwärts gegen den Hausgarten befindet sich die 
Kasse, an welche sich, 
je nur durch einen Tisch 
getrennt, der Expedi-1| 
tions- und Packraum 
für den Agenturverkehr 
und der Arbeitsraum ii 
desjenigen Buchhalters ?! 
anschliessen, welchem 1 j 
die Kontrolle über die ; 
Einnahmen aus dem 
Aktivvermögen über- . 
tragen ist. Daneben ] 
liegt noch ein Zimmer, : 
das zu besonderen Ar- ’-J 
beiten zur Verfügung b 
steht. 
Die auf diesem | 
Stock befindliche oberste 
Etage des Tresors ist ‘ 
durch eine senkrechte , l 
Wand abgeteilt für die 
Unterbringung der Kasse T 
einerseits und für die 
Verwahrung der Hypo- |j 
thekenbriefe anderer- || 
seits. 
Die Einteilung der f 
Räume und die Anord- j 
nung der Arbeitsplätze 
der einzelnen Beamten 
ist auch auf diesem J 
Stockwerk so getroffen, 
dass das Publikum sich j 
leicht zurechtfinden und 
demgemäss seine Ge- j 
schäfte in einfacher ; 
Weise abwickeln kann. J 
Im zweiten Ober- i 
geschoss mit einer lieh- 1 
ten Höhe von 3,60 m I 
sind zwei Wohnungen | 
von sechs und sieben 1 
Zimmern eingerichtet, M 
die im Interesse der» 
Hausbewachung und 1 
der Aufrechterhaltung 1 
der Hausordnung an W 
Beamte abgegeben wer- 1 
den. 
Das Dachgeschoss | 
wurde in zwei Etagen 
erstellt; in der unteren 
befinden sich zwei drei- j 
zimmerige Wohnungen 
für Aufwärter, die all 
gemeine Waschküche, ein Bügelzimmer, sowie eine Reihe von 
Kammern; die obere Etage enthält nur Bühnenräume. 
Zur Verbindung der Geschosse dienen eine Haupttreppe 
und eine Geschäftstreppe. Die Haupttreppe ist mit besonderem 
Zugang von der Schellingstrasse versehen, kann aber auch vom 
Buchhaltersaal aus betreten werden. Sie hat den Verkehr des 
Publikums zum ersten Stock und zu den Wohnungen im zweiten 
Stock aufzunehmen, von da aus zum Dachraum führt nur die 
Geschäftstreppe weiter. Letztere zieht sich vom Untergeschoss 
durch den Buchhaltersaal und ist bis zum zweiten Stock nur 
von den Angestellten benützbar. Neben dieser Geschäftstreppe 
führt vom Buchhaltersaal noch eine Wendeltreppe in das im 
Württembergische Sparkasse: Haupteingang.
	        

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