Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Badkünde in Stuttgart. 
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ganze Reihe von Gebäuden, aus denen die Karlskapelle be 
sonders hervortritt; mehr nach links steht die hl. Geistkirche 
und dahinter wird die Kirche zu St. Folian sichtbar. Offenbar 
war das ganze Mittelaltar hindurch der Platz hinter dem Rat 
haus frei, im Jahre 1300 wird er auch ballium genannt, und 
hier stand, wie schon der Name Katsch, holländisch Kaak, be 
zeugt, ein Pranger. 
In Uebereinstimmung mit der Grundrissanordnung von 
Ingelheim ist in Aachen die Hauptnische, das Tribunal des 
Reichssaales gegen Westen gewandt, und dieser etwa 18 m 
im äusseren Durchmesser haltende Ausbau ist als karolingisch 
nicht blos einigermassen gesichert, sondern fest nachgewiesen. 
Es ist kein Oratorium, noch weniger eine Erkerausweitung, 
sondern in ihr ist die basilikale Haupttribuna des Festsaals zu 
erblicken. Die fünf Räume im Erdgeschoss, die, wie wir sahen, 
zum mindesten karolingischen, wenn nicht früheren Ursprungs 
dem jenes deutsche Paradies in seiner ganzen Ausdehnung vom 
Spiegel des Rheins und seinen grünen Auen bis zum waldigen 
Gebirgsrücken, von Ehrenfels bis Schierstein entgegenlacht. Ein 
Teil des Orts ist längs der Landstrasse und des an den Rhein 
führenden Seitenwegs gebaut, ein anderer aber, im Winkel 
zwischen beiden gelegen und mit Mauer und Graben umgeben, 
wird der Saal genannt und umschloss den Palast Karl des 
Grossen. Es ist ein Fleck Erde, von dem die ältere Geschichte 
unseres deutschen Vaterlandes und zwar in Verbindung mit 
ihren glorreichsten Namen so oft spricht, dass die Frage, was 
die Steine dort reden, nahe liegt. Schon im Jahre 1766 erschien 
von den verdienten Schöpflin in den Actis academiae palatiae 
eine Abhandlung über den Kaiserpalast mit vier Kupfertafeln, 
derselbe begnügte sich aber mit einer historischen Betrachtung 
über die Schicksale des Baues und einer Untersuchung des in 
der Remigiuskirche befindlichen Grabsteins. Im Jahr 1852 machte 
Figur 4. 
sind, entsprechen dagegen wieder ganz der Einteilung im Unter 
geschoss des Palastes in Goslar; auch für Aachen ist unbedingt 
ein Obergeschoss anzunehmen, welches von aussen nicht durch 
innerhalb des Gebäudes liegende Treppen zugänglich war. Bei 
allen späteren Pfalzen der sächsischen und hohenstaufischen 
Kaiser liegt der Hauptsaal des Palastes nicht zu ebener Erde, 
sondern im ersten Stockwerk und ist durch eine oder mehrere 
Freitreppen zugänglich, und jedenfalls liegt es näher, für Aachen 
eine Uebereinstimmung mit den späteren deutschen Palastbauten 
anzunehmen, als mit den um mehrere Jahrhunderte zurück 
liegenden Bauten des fernen Ostens. 
Die zweite karolingische Pfalz, von welcher noch spärliche 
Reste vorhanden sind, ist Ingelheim. 
Niederingelheim liegt zwischen Mainz und Bingen auf dem 
sanften Abhang, der dem Rheingau gegenüber sich erhebt, und 
sodann Oberst von Cohausen die seit Schöpflins Zeiten schon be 
deutend zusammengeschwundenen Trümmer zum Gegenstände 
einer Abhandlung, und wenige Jahre darauf gab J. P. Lenhard 
einen historischen Abriss. Erst der neueren Zeit war es aber 
vorbehalten, eingehende Untersuchungen an Ort und Stelle ver 
anstalten zu können. Zunächst erschien im Jahrgang 1883 des 
Korrespondenz - Blattes der deutschen Geschichts- und Alter 
tumsvereine ein interessanter Bericht des Architekten Strügler in 
Frankfurt a. M. über die anlässlich eines projektierten Neu 
baues auf dem Terrain des ehemaligen Palastes veranstalteten 
Nachgrabungen. Besonders wichtig für die Rekonstruktion 
der ganzen Anlage sind aber die eingehenden historischen 
und baugeschichtlichen Studien, welche Paul Giemen im Jahr 
gang 1890 der Westdeutschen Zeitschrift veröffentlicht hat. 
Schon die Vorgänger Karls des Grossen hatten einen Palast zu
	        

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