Erfahrung gegeben und haben häufig Statementcharak-
ter. Kooperation der Beratung ist oft formal er-
wünscht, aber Anstrengungen, eine konkrete Konzep-
tion dafür zu entwickeln, werden nur ansatzweise
(verbal) unternommen. Arbeitsteiligkeit der Beratung
scheitert am Detail. Ansätze dazu sind begleitet von
heftigen Auseinandersetzungen um Mittel und forma-
le Kompetenzen. Die Ursachen dafür sind in der
materiellen Situation der Berater (Assistenten und
Professoren) zu suchen, also in ihren subjektiven
Erfahrungen und ihrem sozialen Status. Ihre globale
Diskriminierung ist ebenso unrealistisch und unpro-
duktiv, wie ihre passive Hinnahme. Die apostrophier-
ten persönlichen Erfahrungen können zu einer Zeit ge-
macht worden sein, in der sie dem zugehörigen
(Fach)praxisbereich angemessen waren. Es müssen
also im Einzelnen die Veränderungen der Fachpra-
xis den reproduzierten Erfahrungen gegenüberge-
stellt werden. Kontroversen müssen an den Inhalten
der Beratung und der Gruppenpraxis vermittelt wer-
den, wenn die Qualität der Ausbildung der Gruppen-
mitglieder betroffen ist und nicht nur "'einfach so''.
In allgemeineren Fragen ist das nicht mehr ein
Problem der einzelnen Gruppe oder des einzelnen
Beraters (z.B. Prüfungsordnung).
(1) Für generalistische Beratung ist kennzeichnend,
daß über die Zuständigkeit qua Fachqualifikation der
Berater kaum differenzierte Aussagen gemacht wer-
den, sie ist schwer hinterfragbar. Fragen werden
unsystematisch oder scheinsystematisch und verallge-
meinernd beantwortet. Kritik ist dann apodiktisch
und verlangt Anpassung, nicht Begreifen. Besonders
im Bereich der künstlerischen Ausbildung und der
darauf basierenden Entwurfslehre, die ohnehin nicht
leicht zu systematisieren sind, ist generalistische
Beratung bisher schwer zu vermeiden. Auf diesen
Gebieten haben sonst stark fachorientierte Berater
gelegentlich zusätzliche generalistische Ambitionen.
Fachinformationen (z.B. die statisch/konstruktive
Kontrolle eines Entwurfs) spielen eine untergeordne-
te Rolle. In Stuttgart bewertet die abschließende Er-
folgskontrolle des Studiums nach der alten Diplom-
prüfungsordnung den generalistischen Studienanteil
höher als den fachorientierten. Es ist zu vermuten,
daß bei dem jüngst eingerichteten Hochschulzug für
Architekten an der Stuttgarter Staatsbauschule die
Verhältnisse eher umgekehrt sind.
(2) Extrem fachorientierte Beratung nimmt in Stutt-
gart inzwischen einen geringeren Teil der Beratungs-
kapazität in Anspruch. Eine Analyse von Stellenange-
boten (Ing.grad. - Dipl.Ing.) hat gezeigt, daß hier
für die Existenzsicherung der Diplomingenieure der
Studienrichtung Architektur im Ganzen gesehen nicht
zu viel des Guten getan wird. Im Einzelnen kann sie
allerdings hinderlich werden, wenn dem Studenten
durch die Prüfungsordnungen in isolierten "Hilfswis=
senschaften'' rezeptiv aufgenommener Lehrstoff ab-
verlangt wird, dessen qualifizierender Wert mangels
Fachpraxisbezugs und Anwendungstrainings minimal
ist und der in der Regel schon bei Abschluß des
Studiums zum überwiegenden Teil vergessen ist.
5.35 Zusammenfassung. Organisation
In der folgenden Zusammenfassung zu 5.3 sollen die
SF
wichtigsten Bedingungen einer fachinhaltlichen,
arbeitstechnischen und organisatorischen Beratung
von Gruppen genannt werden.
- Die Beratung muß bei den aktuellen Bedürfnissen
(Fragen) der Gruppen ansetzen. Die Speicherung
und Verschlüsselung der Informationen muß den
Gruppen einen Zutritt auf der jeweiligen Konkreti-
sationsebene ihrer Fragen erlauben, um Informa-
tionswiderstände möglichst gering zu halten.
- Entsprechend der Arbeitsteiligkeit und Interdis-
ziplinarität der Gruppenarbeit muß auch die Bera-
tung arbeitsteilig und interdisziplinär organisiert
sein, um bei Problemen, die nicht im traditionellen
Katalog der Lehre enthalten sind, Dilettantismus
zu vermeiden.
- Generalistische Beratung erschwert die Gruppen-
arbeit durch geringe Aussagetiefe, Unsystematik,
ungeklärte Interessenlage und ungeklärte Anwendungs-
bereiche und verleitet zu individualistischer Einzel-
arbeit.
- Fachorientierte Beratung impliziert mehr formale
Erfolgskontrollen und erschwert den Bezug der Ar-
beit auf ein Projekt.
Die fachinhaltliche, arbeitstechnische und organisa-
torische Beratung kann sich nur auf der Grundlage
einer guten Organisation der Beratung entwickeln...
Im folgenden Abschnitt 5.4 soll differenzierter
untersucht werden, wie die Organisation der Bera-
tung systematisch aufgebaut werden kann.
5.4 Die Organisation der Beratung
5.41 Entwicklung von Kriterien für die Organisation
der Beratung
Die Qualität der gruppenbezogenen Beratung hängt
unmittelbar ab von der einsetzbaren finanziellen
und personellen Kapazität, von den juristischen
und Verwaltungsvorschriften, denen sie entsprechen
muß, von der Wichtigkeit, die ihr im Rahmen
der Organisation der Tätigkeiten in Forschung und
Lehre zugemessen wird und von der Konzeption,
aus der sie sich entwickelt. Mittelbar hängt sie
insbesondere von der Arbeit in den Projektgruppen
(ihrem Praxisbereich) ab, aus der sie ihre Krite-
rien und Ziele ableiten muß. Die Organisation der
gruppenbezogenen Beratung hat eine realistische
Einschätzung dieser Randbedingungen zur Voraus-
setzung, die im Verlauf der Arbeit im Einzelnen
fortgeschrieben und differenziert werden muß. Da-
bei muß sie ihre Produktivität durch Arbeitsteilig-
keit und durch eine ständig verbesserte Koordination
der einzelnen Arbeits(Beratungs)bereiche laufend
verbessern.
Bei der Stuttgarter Praxis der Organisation von
gruppenbezogener Beratung entstehen immer wieder
Schwierigkeiten durch mangelnde Koordination der
Beratung. Im SS 1970 wurde damit begonnen, ein
Beratungs- und Informationszentrum für die Studien-
richtung Architektur aufzubauen, das von Seiten der
Lehre, der Verwaltung, aber auch von einem Teil
der Studenten allerdings in seiner Bedeutung für
eine fortschrittliche Studienpraxis nicht hinreichend
genau eingeschätzt wird. Obwohl durch das Hoch-
schulgesetz von 1968 und die Grundordnung der
ARCH+3 (1970) H. 11