Volltext : Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

Monatsschkift  des  Württembg.  Vereins  für  Badkünde  in  Stuttgart.

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No.  2

Strassen-  und  Flussbauten  800  000  M.  verwilligt.  Aus  diesen
staatlichen  Mitteln  wurde  der  Bau  der  genannten  Strasse,  die
bei  6,3  km  Länge  etwa  170  000  M.  gekostet  hat,  mit  etwa
82  000  M.  unterstützt.  Mit  dem  Strassenbau  waren  mehrere
Ohm  Verlegungen,  sowie  der  Bau  einer  18  m  weiten  Betonbrücke ­
  über  den  Fluss  und  einer  eisernen  Brücke  über  einen
Mühlkanal  verbunden.  Der  Redner  empfiehlt  allen  Naturfreunden

den  gelegentlichen  Besuch  dieses  vielgewundenen,  vollständig
bewaldeten,  abgeschiedenen  Muschelkalkthals,  dessen  Anfang
nur  2  km  vom  Bahnhof  Oehringen  entfernt  liegt,  und  das  bisher ­
  nahezu  unzugänglich  war.  Mit  Dankesworten  seitens  des
Vorsitzenden,  Baudirektor  von  Euting,  an  den  Vortragenden,
der  sich  in  letzter  Stunde  bereit  erklärt  hatte,  den  Vortrag  zu
halten,  schloss  der  Vereinsabend.

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Die  Schwabschule  in  Stuttgart.  *)
Zuf  Einweihung  am  5.  Mai  1902.

Von  Stadtbaurat  Mayer.

ie  im  Jahre  1874  gebaute  Johannesschule  hatte  schon
»seit  mehreren  Jahren  mit  ihren  17  Schulsälen  für  die
evangelische  Volksschule  des  rasch  sich  ausdehnenden
1  westlichen  Stadtteils  nicht  mehr  genügt.  Vorübergehend
konnte  mit  gemieteten  Räumen  und  mit  Verlegung  von  Klassen
in  die  Rosenbergschule  ausgeholfen  werden.
Ein  früher  erörterter  Vorschlag,  die  Johannesschule ­
  durch  einen  Stockwerksaufbau  zu
vergrössern,  hätte  Ausreichendes  nicht  gewinnen ­
  lassen.  So  entschlossen  sich  denn
im  Laufe  des  Jahres  1899  die  bürgerlichen
Kollegien,  dem  gesteigerten  Mangel  durch
einen  Neubau  in  gründlicher  Weise  abzuhelfen. ­
  Er  sollte  namentlich  auch  Raum
gewähren  für  feine  Anzahl  Klassen  der
katholischen  Volksschule  und  für  Klassen
der  Elementarschule,  um  den  in  Betracht
kommenden  Kindern,  die  bisher  sehr  weite
Wege  zurückzulegen  hatten,  den  Schulbesuch
zu  erleichtern.
Ein  geeigneter  Bauplatz  fand  sich  in
den  dem  Bürgerspital  gehörenden  Milchsuppenäckern. ­
  Unter  drei  Vorschlägen  des
Hochbauamts  für  die  Stellung  des  Neubaus
fand  auf  Grund  eines  Gutachtens  des  ersten
Stadtarztes  seitens  der  Ortsschulbehörde  und
der  bürgerlichen  Kollegien  derjenige  den  Vorzug, ­
  bei  dem  die  Schule  an  die  Kreuzung
von  Schwab-  und  Moltkestrasse  zu  stehen
kam.  Die  Lage  an  der  ersteren,  nach  dem
vaterländischen  Dichter  Gustav  Schwab  benannten ­
  Strasse  hat  veranlasst,  der  Schule
den  Namen  „Schwabschule“  zu  geben.
Die  Hauptschulsaal  front  wurde  entlang
der  Moltkestrasse  gelegt;  bei  der  ansehnlichen
Breite  dieser  Strasse  von  23  m  erhalten  die
Lehrsäle  reichliches  Licht.  Bei  der  nahezu
nördlichen  Lage  wird  diese  Seite  erst  abends
nach  5  Uhr  von  der  Sonne  getroffen,  es  ist  daher  die  Belästigung
durch  direkten  Sonnenschein  und  durch  Hitze  soweit  als  möglich
vermieden.  An  der  Schwabstrasse  ist  ein  4  m  breiter  Vorgarten
angelegt,  um  die  14,32  m  betragende  Strassenbreite  auf  18,32  m
zu  vergrössern  und  so  auch  für  die  drei  auf  dieser  Seite  liegenden ­
  Schulsäle  ausreichendes  Licht  zu  sichern.
Das  Schulhaus  umfasst  in  drei  Stockwerken  je  8,  zusammen
also  24  Schulzimmer;  in  der  Höhe  des  Dachbodens,  also  im
vierten  Stock,  ist  noch  ein  Zeichensaal  eingebaut.  Die  Schulzimmer ­
  bieten  Raum  für  54  grössere  bezw.  60  kleinere  Schulkinder. ­
  Kleinere  Zimmer  für  den  Aufenthalt  von  Lehrern,
Lehrerinnen,  Schulinspektor  und  für  Unterbringung  der  Bibliothek ­
  sind  vier  eingeteilt.  Von  den  zwei  vorhandenen  Treppen
ist  eine  in  den  an  der  Schwabstrasse  stehenden  Turm  eingebaut,
die  zweite  befindet  sich  an  der  Hofseite;  die  erstere  dient  für
die  Knaben,  die  andere  für  die  Mädchen.  8  Schulzimmer  sind
für  katholische  Klassen,  14  für  die  evangelische  Volksschule,
2  für  Elementarklassen  bestimmt.  Von  den  Schulzimmern  haben
6  einen  Flächenraum  von  rund  52  qm,  15  einen  solchen  von
57  qm  und  3  einen  solchen  von  72  qm  bei  einer  Höhe  von
*)  Nachstehendes  ist  dem  zur  Einweihung  der  Schwabschule  statt  handschriftlicher ­
  Mitteilungen  herausgegebenen  Schriftchen  entnommen,  von  dem
der  Verfasser  dem  Verein  ein  Exemplar  gütigst  zum  Geschenk  gemacht  hat.

4  m.  Der  Zeichensaal  misst  98  qm,  die  Turnhalle  311  qm.
—  Das  Untergeschoss  enthält  die  Schuldienerwohnung  und  ein
Brausebad  für  die  Schulkinder  mit  Auskleideraum.
In  Verbindung  mit  dem  Schulhaus  steht  an  der  Schwabstrasse ­
  die  Turnhalle.  Die  Turngeräte  sind  beweglich,  sodass

Fig.  1.  Die  Schwabschule  in  Stuttgart.  Hauptansicht.

der  ganze  Raum  frei  gemacht  und  als  Festsaal  zu  Schulfeiern
benützt  werden  kann.  Im  Untergeschoss  der  Turnhalle  ist  eine
Polizeiwachstube  mit  Arrest  und  Inspektorzimmer  und  eine  Wohnung ­
  für  einen  Wachtmeister  eingebaut.
Die  Schüleraborte  sind  mit  Wasserspülung  in  geruchfreier
Weise  e  ngerichtet  und  konnten  deshalb  unbedenklich  teils  im
Untergeschoss  der  Schule,  teils  im  Untergeschoss  der  Turnhalle
Raum  finden.  Erstere  dienen  für  die  Mädchen,  letztere  für  die
Knaben.  Lehrer-Aborte  sind  in  jedem  Stockwerk  zwei  vorhanden. ­
  Sie  sind  ebenfalls  mit  Wasserspülung  versehen.
Der  Baugrund  erwies  sich  als  ein  sehr  guter,  er  besteht
aus  festem  Lehm,  der  hier  den  Keupermergel  überlagert.  Die
Grenze  zwischen  Lehm  und  Mergel  ist  keine  horizontale  Fläche,
so  kommt  es,  dass  die  Fundamentsohlen  teils  im  Lehm  und
teils  im  Mergel  verlaufen.  Die  Fundamente  bestehen  aus  Kiesbeton ­
  in  Portlandcement,  das  Mauerwerk  aus  Backsteinen  in
Schwarzkalkmörtel  vermauert.  Zu  den  Aussenseiten  sind  rote
Maschinenvollsteine  verwendet,  zu  den  Architekturgliedern  Formsteine ­
  aus  geschlemmtem  Thon.  Hausteine  sind  nur  in  sparsamer ­
  Weise  zur  Anwendung  gekommen,  sie  sind  von  weisser
Farbe  und  stammen  aus  den  zur  Keuperformation  gehörenden
Brüchen  von  Wa'denbuch,  Plattenhardt  und  Umgegend.  Das
Mauerwerk  des  Untergeschosses  ist  aus  dem  grünlichen  Schilf-
            
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