Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Badkdnde in Stuttgart. 
No. 9 
Nach Art. 56a a. a. O. können in Gemeinden über 
10000 Seelen berufsmässig besoldete Bürgermeister, Adjunkten, 
sowie Gemeinderäte durch Gemeindebeschluss aufgestellt werden. 
Da für diese Kategorie der Gemeinderatsmitglieder die 
Rechtskundigkeit nicht vorgeschrieben ist, können als solche 
auch Techniker gewählt werden. 
Die berufsmässigen besoldeten Gemeinderatsmitglieder werden 
zunächst auf drei Jahre gewählt; im Falle ihrer Wiederwahl 
nach drei Jahren werden ihre Verhältnisse durch besondere 
Dienstverträge geregelt, wobei das Gesetz zwischen rechts 
kundigen und technischen Mitgliedern keinen Unterschied macht. 
Die Regelung der Bezüge des technischen Dienstpersonals 
ist dem Ermessen der Gemeinden anheimgegeben und steht es 
den Gemeindräten frei, diesen Beamten und Bediensteten un 
widerrufliche Anstellung und Pensionsrechte zu verleihen. 
gez. v. Kopplstätter, Generalsekretär. 
2. Stadtrat der Stadt Mannheim. 
Den verehrlichen Vorstand des Verbandes deutscher Archi 
tekten- und Ingenieur-Vereine beehren wir uns darauf auf 
merksam zu machen, dass die uns mit Ihrem gefälligen Rund 
schreiben vom 1. Dezember zugekommene Denkschrift über die 
Stellung der höheren städtischen Baubeamten auf S. 19, soweit 
die Stadt Mannheim in Betracht kommt, unzutreffende Angaben 
enthält. Die höheren Beamten der Stadt Mannheim unterstehen 
nicht lediglich der Dienst- und Gehaltsordnung, sondern es 
werden mit ihnen regelmässig besondere Dienstverträge ab 
geschlossen, welche Vergünstigungen enthalten, die weit über 
die Bewilligungen der Dienst- und Gehaltsordnung und des 
Gehaltstarifes hinausgehen. 
So berechnet sich z. B. der Höchst-Pensionsbetrag des 
Vorstandes des Tiefbauamtes, sowie des Vorstandes der 
Strassenbau-Abteilung desselben Amtes weit über den Satz von 
Mannheim, den 27. Dezember 1901. 
M. 3500 (nämlich bei ersterem auf M. 5250, bei letzterem auf 
M. 4500), und auch die Pensionsverhältnisse bei der bevor 
stehenden Neubesetzung der Vorstandsstelle im Hochbauamt 
werden voraussichtlich in gleicher Weise geordnet werden. 
Aber selbst bei den lediglich der Dienst- und Gehaltsordnung 
unterstehenden mittleren und unteren Beamten (Maximalgehalt 
M. 5500) berechnet sich das Ruhegehalt keineswegs nur auf 
30 °/ n , vielmehr ist dies nur der Anfangssatz nach zehnjähriger 
Dienstzeit, der von da ab mit jedem weiter zurückgelegten 
Dienstjahre um l 1 / 2 °/ 0 bis zu 75 °/ 0 des Aktivgehaltes bezw. 
bis zu M. 3500 ansteigt. Bei der Berechnung des Ruhegehaltes 
werden ausserhalb Mannheim zugebrachte pensionsberechtigte 
Dienstjahre in der Regel voll angerechnet. 
gez. Martin. 
Protokoll der 7. ordentlichen Versammlung vom 10. Mai 1902. 
Vorsitzender: v. Euting. Schriftführer: Laistner. 
Nach Eröffnung der Sitzung begrüsst der Vorsitzende den 
als Gast anwesenden Präsidenten der Zentralstelle für die Land 
wirtschaft, Freiherrn v. Ow, und teilt an Geschäftlichem zunächst 
mit, dass die Herren Regierungsbauführer Lechler und Schu- 
mayer und Landeskonservator Dr. Gradmann durch Vorstands 
beschluss in den Verein aufgenommen worden sind. 
Unter den Einläufen ist eine von Mayer übergebene 
Broschüre über die neue Schwabschule hervorzuheben. 
Der Verband hat mitgeteilt, dass der von ihm in Sachen 
der Denkmalspflege an den Reichstag gerichteten Eingabe eine 
Folge nicht gegeben worden ist, da die Unterhaltung der Denk 
mäler nicht Sache des Reiches, sondern der einzelnen Bundes 
staaten sei. 
Die in der letzten Versammlung veranstaltete Sammlung 
zu gunsten einer Heilstätte in Davos hat M. 17,30 ergeben, so 
dass der Betrag von Frcs. 21 an das betreffende Komitee über 
mittelt werden konnte. Von diesem ist ein Dankschreiben 
eingelaufen. 
Weiter gibt der Vorsitzende bekannt, dass der Vorstand 
als Tag für die Abhaltung der diesjährigen Hauptversammlung 
den 19. Oktober in Aussicht genommen hat. Da es sich um 
den 60. Jahrestag des Bestehens des Vereins handelt, so ist 
für den Vorabend der Versammlung eine Feier geplant. 
Mit den nötigen Vorbereitungen hiefür schlägt der Vorstand 
vor, die Herren Feil, Braunbeck und Kuhn zu betrauen. Hiemit 
ist die Versammlung einverstanden. 
Ferner ist auf den 24. Mai eine Besichtigung der neuen 
Wehranlagen und des Elektrizitätswerks in Untertürkheim mit 
anschliessender geselliger Vereinigung und für Anfang Juni ein 
Vereinsausflug nach Tübingen und Reutlingen vorgesehen. 
Damit sind die geschäftlichen Angelegenheiten erledigt. 
Es erhält nunmehr Ganz das Wort zu einem Vortrage 
über „Das'Meliorationswesen in Württemberg“. 
Der an der Hand einer grösseren Anzahl von Plänen den 
Gegenstand in übersichtlicher und anschaulicher Weise be 
handelnde interessante Vortrag wird mit lebhaftem Beifalle auf 
genommen. An denselben schliesst sich eine längere anregende 
Erörterung an, an der sich ausser dem Vortragenden und dem 
Vorsitzenden die Herren Dr. Lueger, Keppler, Mörike und 
Riekert beteiligen. In derselben kommt namentlich zum Aus 
drucke, dass infolge Einführung des neuen Wassergesetzes eine 
wesentliche Ausdehnung der Aufgaben der Kulturingenieure der 
Zentralstelle für die Landwirtschaft und damit die Notwendigkeit 
der Vermehrung dieses Personals sich ergeben werde, dass ein 
Zusammenwirken der Wasser- und Kulturingenieure dringend 
zu wünschen sei, und beim Unterricht an der Technischen 
Hochschule den veränderten Verhältnissen thunlichst Rechnung 
getragen werden sollte. Namentlich sei erforderlich, dass dem j 
kulturtechnischen Unterricht durch Einführung von Uebungen 
neben den Vorträgen ein auf die Heranbildung zweckmässig 
geschulter Kulturingenieure gerichtetes Augenmerk geschenkt 
werde. 
Das • neue Dienstgebäude der Versicherungsanstalt Württemberg. 
Nach Mitteilungen des Herrn Baurat Stahl in der fünften ordentlichen Versammlung am iz. März 1902. 
Das im Monat September dem Betrieb übergebene Ver 
waltungsgebäude der „Versicherungsanstalt Württemberg“ be 
herbergt eine jener 40 Anstalten im Deutschen Reiche, die 
dazu bestimmt sind, den invaliden und alten Arbeiter in seiner 
Sorge um den Lebensunterhalt mit ihren Renten hilfreich zu 
unterstützen. 
Das Friedenswerk der sozialen Reform, die eine reiche 
Quelle des Segens für die weitesten Kreise unseres Volkes 
geworden ist, begann bekanntlich mit der allerhöchsten Bot 
schaft Kaiser Wilhelms L, die er am 17. November 1881 dem 
Reichstage zugehen liess. Das erste der sozialpolitischen Gesetze 
war das Krankenversicherungsgesetz vom 15. Juni 1883. Am 
6. Juli folgte das erste Unfallversicherungsgesetz, und vom 
22. Juni datiert das Invaliditäts- und Altersversicher 
ungsgesetz, das am 1. Januar 1891 ins Leben getreten ist. 
Die Invalidenversicherung, wie das Gesetz infolge der 
Novelle vom 13. Juli 1899 seit 1. Januar 1900 richtiger heisst, 
umfasst, abweichend von der beruflich abgegrenzten Unfall- und
	        

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