154 XIV. Das Verhältnis zu den Hausanwärtern.
kürzer gemacht werden, weil die Anwärter, die sich jetzt melden,
in der Regel über die Einrichtungen schon in der Hauptsache
unterrichtet sind, da das Verfahren des Vereins jetzt allmählich
in der ganzen Stadt ziemlich bekannt ist.
Ehe dann irgend weitere Schritte geschehen zieht der
Verein über die betreffende Familie Erkundigungen ein, jedoch,
wie früher schon bemerkt, nur in dem Sinne, ob es sich um
eine anständige und geordnete Familie handelt. Die politische
Gesinnung des Bewerbers oder sein religiöser Glaube kommen
bei der Aufnahme in die Kolonie nicht in Betracht. Ist
nichts Nachteiliges über die Familie des Anwärters bekannt
geworden — und ich darf hier wohl hervorheben, dass der
Verein nur höchst selten in den Fall kam, einen Bewerber ab-
weisen zu müssen — so beginnen die Verhandlungen, um ein
bestimmtes Haus für die Anwartschaft auszusuchen. Dazu
muss zunächst ermittelt werden, welche besonderen Wünsche
der betreffende Anwärter hat: wie viel Gelasse er braucht?
Von welcher Grösse die Zimmer sein sollen? Welche Lage des
Hauses er vorzieht? Ob er auf einen grösseren Garten Wert
legt oder nicht? Und so weiter. Können auf Grund dieser
Verhandlungen einige schon fertige Häuser gezeigt werden,
unter welchen die Auswahl zu treffen ist und sind die Bau-
rechnungen für das gewählte Haus abgeschlossen, so dass der
Preis desselben genau angegeben werden kann, so ist das
Weitere ziemlich einfach. Es wird dann gleich der definitive
Anwartschaftsvertrag abgeschlossen und sobald die Raten-
zahlungen mit dem aufgelaufenen Guthaben an Zinsen und
Ueberschüssen ein Drittel des Kaufpreises erreicht haben, folgt
der Kaufvertrag.
In den ersten Jahren der Bauthätigkeit kann dieser bequeme
Weg aber nicht beschritten werden. Schon beim ersten Be-
kanntwerden des Stuttgarter Projektes meldeten sich zahlreiche
Bewerber. Wie hätte man nun einem solchen Anwärter den
Preis für das von ihm ausgesuchte Haus nennen sollen, da
man die Erstellungskosten selbst noch nicht kannte? Und der
Verein legte gerade grossen Wert darauf, dass die Häuser genau
zu den Selbstkosten abgegeben werden. Sollte man nun Alle,
die sich gemeldet hatten zurückweisen und warten lassen, nicht
nur bis die Häuser fertig gestellt, sondern auch noch geraume