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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukdnde in Stuttgart. 
No. 3 
Vortrag des Herrn Regierungsbaumeisters Mörsch aus Neustadt a. H. 
über 
„Theorie der Betoneisenkonstruktionen“. 
(Fortsetzung und Schluss.! 
Die bisherigen Berechnungsmethoden gelten nur für den 
rechteckigen Querschnitt, sind also für die Berechnung der Decken 
platten und Gewölbe massgebend. Es ist klar, dass die Platten, 
frei aufliegend oder eingespannt, kontinuierlich mit mehreren 
Oeffnungen sein können und dass demgemäss gewisse Typen 
für die Form der Eiseneinlage unterschieden werden können. 
Zu den frei aufliegenden armierten Betonplatten gehören 
die Monierplatten, die als Fusswegbelage eiserner Brücken und 
Fussstege dienen, ferner die Deckenplatten von Plattendurch 
lässen, die Decken nach System Holzer u. s. w. Bei allen 
diesen Konstruktionen liegt die Eiseneinlage in der Richtung 
des Zuges möglichst nahe der Plattenunterkante, natürlich noch 
in einer solchen Entfernung von derselben, dass das Eisen ge- 
Fig.9. 
nügend vom Beton umhüllt ist. Anders ist der Fall bei der an 
den Enden eingespannten Platte oder bei der kontinuierlich über 
mehrere Stützen fortlaufenden Platte. Hier sind die Momente 
in der Nähe der Stützen negativ und die Stützenmomente selbst 
sind ziemlich grösser als die positiven Maximalmomente in den 
Feldmitten. 
Es müssen also hier über den Stützen und in der Nähe 
derselben Eisen an der Oberkante liegen und man gelangt so zu 
den abgebogenen Eisen. 
Die einfachen abgebogenen Eisen genügen gewöhnlich nicht, 
da die Nutzlast ihre Lage wechseln kann und dadurch die 
Momente sich ändern. Man erhält vielmehr bei einer kontinuier 
lichen Decke eine positive und eine negative Maximalmomenten- 
linie, welcher die Armierung zu entsprechen hat. Damit ergibt 
sich gewöhnlich die in der Abbildung Fig. 9 c dargestellte An 
ordnung der Eiseneinlage. Häufig wird auch noch eine durch 
gehende obere Einlage nötig; namentlich, wenn eine kleine Spann 
weite an eine grosse anstösst. 
Die armierten Deckenkonstruktionen haben eine derartige 
Mannigfaltigkeit erlangt, dass die Zahl der Systeme nicht auf 
gezählt werden kann, es werden nahe an 300 sein und fast 
jede Woche taucht wieder ein neues System auf, das in den 
meisten Fällen keine Verbesserung bedeutet. So zeigen ver 
schiedene Deckensysteme den Grundfehler, dass über den Trägern 
die Eiseneinlagen der Decke unten liegen und nicht an die 
Oberkante gerückt sind, wie es die Rechnung erfordert. Einen 
Fortschritt bedeuten diejenigen Deckenkonstruktionen, bei welchen 
darauf ausgegangen ist, den Abstand zwischen Zug- und Druck 
zone möglichst zu vergrößern, ohne dass dadurch das Eigen 
gewicht wesentlich erhöht wird. Dies wird erzielt durch An 
ordnung von Rippen, welche durch zwischeslliegende Hohlsteine 
begrenzt sind und welche im unteren Teil die Eiseneinlage auf 
nehmen. Diese Anordnung zeigt auch unsere Zellendecke, die 
Ihnen nachher unter den Lichtbildern vorgeführt werden wird. 
Denken wir uns bei diesen Rippendecken die Hohlsteine, 
d. h. die Zwischenfüllung zwischen den Stegen, weggenommen, 
so entsteht eine Decke, welche aus aneinander gereihten 
T-Trägern aus Beton mit Eiseneinlage im unteren Teil der Stege 
besteht. Werden nun diese nach unten vorstehenden armierten 
Rippen weiter auseinander gelegt und entsprechend stärker aus 
gebildet, so wird die obere, die Druckgurtung bildende Beton 
schicht als eine zwischen die Rippen gespannte ebene Betondecke 
nach den besprochenen Grundsätzen mit Eiseneinlage zu versehen 
sein. Dadurch entsteht die Plattenbalkenkonstruktion, bei welcher 
die Decke mit den Betoneisenunterzügen ein tragfähiges T-Profil 
bildet. Vom theoretischen Standpunkt aus bildet eine durch 
Rippen verstärkte Platte eine sparsamere Materialausnützung dar 
als eine Platte konstanter Dicke. Bis zu einer gewissen Spann 
weite jedoch werden die grösseren Einschalungskosten der Rippen 
die Ersparnis an Material ausgleichen, so dass die Plattenbalken 
erst etwa von 3—4 m Spannweite an vorteilhaft ausgeführt werden 
können. 
Bei der. Plattenbalken kommt die Decke immer auf eine 
gewisse Breite zur statischen Mitwirkung mit dem Unterzug. 
Sind indessen die Biegungsmomente negativ, wie es an einge 
spannten Trägerenden oder über den Mittelstützen durchlaufender 
Träger der Fall ist, und wird wieder von der Zugfestigkeit des 
Betons abgesehen, so wird sich die Berechnung ebenso gestalten, 
wie wenn die Decke gar nicht vorhanden wäre, d. h. man wird 
ebenso verfahren müssen, wie es vorhin für den rechteckigen 
Querschnitt gezeigt wurde nur mit dem Unterschied, dass sich 
die Zugzone mit den Eiseneinlagen im oberen Teil, die Druckzone 
aber im unteren Teil des Querschnitts befindet. 
Wird die Eiseneinlage des Stegs auf die wirksame Platten 
breite b gleichmässig verteilt gedacht, so kann auch bei 
positivem Biegungsmoment die Berechnung für den rechteckigen 
Querschnitt erfolgen, wenn hienach die neutrale Achse inner 
halb der Deckenplatte zu liegen kommt oder mit dem unteren 
Plattenrand zusammenfällt. 
In Wirklichkeit fällt die neutrale Achse immer in die 
Nähe der Plattenunterkante, es kann daher, wenn sie etwas 
tiefer als diese Kante zu liegen kommt, das schraffierte Stück 
des Stegs (Fig. 10), in welchem noch geringe Druckkräfte wirk 
sam sind, ohne grosse Ungenauigkeit einfach vernachlässigt 
werden. Handelt es sich nur darum,‘die Eiseneinlage zu ermitteln, 
so kann als Hebelarm zwischen Zug und Druck der kleinste 
erreichbare W'ert, nämlich der Abstand zwischen der Eisenein 
lage und der Mitte der Deckenplatte gewählt werden. 
Die obere Randspannung des Betons der Deckenplatte be 
wegt sich nicht innerhalb so enger Grenzen wie dieser Hebelarm 
von Z und D (Fig. 10) und man muss, um dieselbe zu berechnen, 
folgenden genaueren Weg einschlagen. 
Fig. 10. 
Biegung der Plattenbalken. 
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2 ,n. k. f, +d * 2 d d 2 
2 . (n . f e + d) J X ' 2 <i (2 x—d) 
- 
n (k—x) 
Die Neutralachse liege im Abstand x vom oberen Platten 
rand innerhalb des Steges, k sei die Entfernung der Eisenein 
lage von demselben Rand, f e bedeute den auf die Einheit der 
wirksamen Plattenbreite reduzierten Querschnitt der Eisenein 
lage. Werder, sodann der Einfachheit halber die geringen Druck 
kräfte in der schraffierten Fläche des Stegs vernachlässigt, so 
erhält man unter der Voraussetzung eines konstanten Elastizitäts 
moduls E i, des gedrückten Betons den Abstand der neutralen 
Achse 
2 . n . k . f e -f d 2 
2 (n . f. + d) 
Der Abstand des Mittelpunktes der Druckspannungen oder die 
Entfernung des Schwerpunktes des von diesen dargestellten Tra 
pezes von der neutralep Schichte berechnet sich zu 
d d 2 
2 T 6(2 x- dl 
Ist der Druckmittelpunkt bekannt, so lässt sich die Druck 
kraft D = Z, sowie die Spannung * e berechnen und man erhält 
b —
        

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