Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baükünde in Stuttgart. 
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Bei den Plattenbalken ist deren richtige Querschnitts 
bemessung hinsichtlich der Schubkräfte ebenso wichtig, wie die 
jenige mit Rücksicht auf die Zugspannungen, und die Ausführung 
der Plattenbalken war erst möglich, als man erkannte, dass 
der Beton einerseits schon beträchtliche Schubspannungen auf 
nehmen kann und dass andererseits durch geeignete Armierung 
den Schubspannungen entgegengewirkt werden kann. 
In seinem Vortrag über Hennebique’sche Konstruktionen 
wurde von Herrn Züblin behauptet, dass die Firma Wayss & 
Freytag bei ihren Ausführungen keine Bügel verwende und die 
selben als überflüssig betrachte. Diese Behauptung des Herrn 
Züblin, der unsere Broschüre doch so eingehend studiert hat,' 
möchte ich zunächst dahin richtig stellen, dass wir allerdings 
die Bügel in den Platten als überflüssig erklären, denn die Rech 
nung ergibt bei den Platten so geringe Werte der Schubspannung, 
dass sie sehr wohl vom Beton allein aufgenommen werden können. 
Sodann ist aber in der betreffenden Broschüre mehrfach darauf 
hingewiesen, dass bei den Plattenbalken besondere Eiseneinlagen 
für die Schubkräfte zu machen sind, und ein ganzes Kapitel 
behandelt in Beispielen die Berechnung der Schubspannungen, 
der Bügel und der Adhäsionsspannungen. Namentlich die Berech 
nung der letzteren, die ebenso wichtig ist für die richtige Dimen 
sionierung wie die Schubspannung, ist den Hennebique - Kon 
zessionären unbekannt. Um eine Grundlage zu gewinnen über 
die zulässige Schubspannung des Betons, liess die Firma Wayss & 
Freytag an der hiesigen Materialprüfungsanstalt besondere Proben 
über die Schubfestigkeit anstellen. Die Ergebnisse derselben sind 
in dieser Tabelle angegeben. Die Probekörper hatten die hier 
gezeichnete Form. 
Rg.il I jJ 
>V 
~~T~ 
Mischung .... 
1 
3 
1 
4 
1 
7 
Wasserzusatz . . 
GO 
GO ' 
14°/o 
00 
14°/ 
** Jo 
Schubfestigkeit t 
36 
30 
31 
28 
26 
19 at 
Die Berechnung der Schubspannungen geschieht auf folgende 
Weise: 
Big.12. , 
x ck 
A,«- 
[X 
i 
CLL , 
4 
V " 
-*■*■■* 
Die in der Fläche CC 1 zwischen zwei benachbarten Quer 
schnitten auftretenden Schubkräfte sind gleich dem Unterschied 
der Normalkräfte in A C & A 1 C 1 . Wenn wir also die Linie 
der Schubspannungen 7 auftragen, so werden an der Oberkante 
die Schubspannungen gleich Null sein und gegen die Neutralachse 
hin wachsen bis zum Betrag 1 0 • Unter der bei allen bis 
herigen Spannungsberechnungen gemachten Voraussetzung, dass 
der Beton keine Zugspannungen aufnehmen soll, wird die Schub 
spannung unterhalb der Neutralachse bis zur Eiseneinlage kon 
stant bleiben. 
V 
Der Wert 7 0 ergibt sich zu 7 0 = 
h- T ).b 
Der Wert b 
h - 
stellt auch die i Summe 
■der am Umfang der Eiseneinlagen wirksamen Adhäsionsspannun 
gen vor, so dass auch diese in einfacher Weise berechnet werden 
kann. 
Ich bemerke noch, dass bei gleichzeitigem Vorhandensein eines 
grossen Biegungsmomentes der angegebene Wert der Schub 
spannung seine Richtigkeit behält, auch wenn die Zugfestigkeit 
des Betons berücksichtigt wird. Denn bei stark gedehntem Beton 
ist die Spannungsdifferenz zwischen benachbarten Querschnitten 
gleich Null. Es kann also für die Schubspannungen im gezogenen 
Querschnittsteil kein Zuwachs mehr eintreten. 
Aus der Adhäsionsspannung bestimmt sich die Zahl der Eisen, 
welche am Auflager noch vorhanden sein müssen, und wir sehen 
hieraus, dass es nicht angeht, lediglich nach der Maximalmomenten- 
linie zu dimensionieren. Wenn zu wenig Eisen auf die Auf 
lager hineingehen, so erfolgt die Zerstörung des Trägers dadurch, 
dass die Eisen an den Trägerenden aus dem Beton herausgerissen 
werden. 
Die Entfernung und Stärke der Bügel werden aus der Schub 
spannung ' o berechnet und zwar nimmt man gewöhnlich an, 
dass 3—5 kg vom Beton aufgenommen werden und der Rest 
auf die Bügel entfällt. 
Wenn wir wissen, dass der Beton im stände ist, den Dehnungen 
des Eisens zu folgen, und wir berücksichtigen die Zugspannungen 
bei der Dimensionierung nicht, so ist das meiner Ansicht nach 
eine Rechnungsmethode, die am meisten Gewähr gegen das Auf 
treten von Rissen bietet, ganz abgesehen von der unbedingten 
Sicherheit, die man dabei erhält. 
In Wirklichkeit ist natürlich die Zugfestigkeit des Betons 
immer noch vorhanden, und dieser Umstand bedingt die geringen 
Durchbiegungen der Betoneisenkonstruktionen bei Belastungs 
proben. 
Hiebei kommt noch weiter in Betracht, dass infolge der 
festen Verbindung aller Teile eines armierten Betonbaues an 
der Lastaufnahme mehr Konstruktionsglieder teilnehmen, als dies 
gewöhnlich in der Rechnung angenommen wird. 
Von Emperger sind genaue Formeln für die Durchbiegung 
aufgestellt worden, die sehr gut mit den Versuchsresultaten über 
einstimmen; es ist also die geringe Durchbiegung nichts Wunder 
bares, sondern ganz natürlich und im voraus zu berechnen. 
Bei der. Untersuchungen der eisernen Brücken spielt zur 
Zeit die Einsenkung eine grosse Rolle und dies mit Unrecht, denn 
die Einsenkung ist das Ergebnis unendlich vieler und sehr kleiner 
elastischer Verschiebungen der einzelnen Punkte und Querschnitte; 
es ist also nicht notwendig, dass ein oder mehrere Mängel in dem 
Querschnitt eines Stabes, ein schlechter Nietanschluss etc. sich 
in der Einsenkung bemerkbar machen, die meist geringer ist als 
der berechnete Wert, vielmehr es kann eine genaue Untersuchung 
des ganzen Bauwerkes neben der rechnerischen Kontrolle nicht 
entbehrt werden. Die Einsenkung ist als Qualitätsmasstab noch 
wertloser bei den armierten Betonkonstruktionen, weil unge 
nügende Dimensionierung mit Rücksicht auf Schub- und Adhäsions 
spannungen die Einsenkung nicht beeinflussen. 
Wenn man sich daher nicht auf die Sachkenntnis der aus 
führenden Firma allein verlassen will, bleibt nichts anderes übrig, 
als sich mit den Details der Konstruktion und der Berechnung 
vertraut zu machen, um die nötige Kontrolle während der Her 
stellung ausüben zu können. 
Es ist klar, dass ausser den wenigen mit dem Konstruieren 
der Betoneisenbauten beschäftigten Spezialisten eine derartige 
Kenntnis der Details sehr selten sein wird, und die meisten Bau- 
polizeibehörden haben sich darauf beschränkt, möglichst strenge 
Vorschriften zu erlassen. 
Vom Baudepartement der Stadt Basel sind anlässlich des Ein 
sturzes eines Hennebiquebaues im Jahre 1901 Erkundigungen über 
die baupolizeilichen Vorschriften bei anderen Städten eingezogen 
worden. In den hierüber erschienenen Veröffentlichungen sind 
die Vorschriften von fünf Städten angegeben. 
Dresden lässt genau die Hennebique’sche Rechnungsweise zu 
mit 25 kg Betonspannung, 875 kg Eisenbeanspruchung. Abge 
sehen von der falschen Berechnung überhaupt gibt die Henne 
bique’sche Methode die Druckspannung des Betons nur als gleich 
mässig verteilt an. Den 25 kg gleichmässig verteilte Spannung 
entspricht also eine etwa doppelt so grosse Randspannung. 
In der Düsseldorfer Vorschrift wird die Zugfestigkeit des 
Betons berücksichtigt und 40 kg/qcm als äusserste Grenze der 
Zugspannung angegeben. 
Nach den Frankfurter Bestimmungen ist mit den Bruch- 
spannungen zu rechnen und die zehnfache Nutzlast hiebei an 
zunehmen. Bei der Abnahme dürfen aber die Decken und Träger 
unter einer Probelast gleich der zehnfachen Nutzlast keine er 
heblichen Formänderungen zeigen. Statt solch unsinnige Vor 
schriften zu erlassen, wäre es einfacher, den Betoneisenbau ganz 
zu verbieten. 
Die Spannweiten dürfen 4,5 m bei Wohngebäuden und 3,5 m 
bei Fabrikgebäuden nicht überschreiten. 
In der Hamburger Vorschrift ist die Zugfestigkeit des Betons
	        
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