Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

Jahrgang 1903. 
1. Juni 1903 
Heft 6. 
Inhalt: Professor Skjöld Neckelmann. f — Vereinstätigkeit. — Protokoll über die Versammlung vom i8. April 1903. — Die kath. St. Antonius 
kirche in Zuffenhausen. — Die Eisenbahnen der Erde im 19. Jahrhundert. — Nickelstahlschienen. — Personalnachrichten. — Preisaus 
schreiben. — Kundmachung. 
Professor Fred. Skjöld Neckelmann. f 
Am 13. Mai d. J. hat der Tod den Professor an der 
Technischen Hochschule Stuttgart Skjöld Neckelmann von 
seinen langen, schweren Leiden erlöst. In Stuttgart, das ihm 
zur zweiten Heimat geworden, inmitten 
seiner Freunde, wie er selbst wünschte, 
hat er seine letzte Ruhestätte gefunden. 
Am offenen Grabe, das eine überaus 
- zahlreiche Trauerversammlung aus dem 
|s Kreise der Fachgenossen sowie der 
Lehrer und Studierenden der Technischen 
Hochschule umstand, wurde mit beredten 
und zu Herzen gehenden Worten der 
I hervorragenden Verdienste des genialen 
Architekten, des liebenswürdigen Men 
schen und treuen Freundes gedacht, der 
vom Jahre 1891—1902 auch unserem 
Verein als Mitglied angehörte. 
In Hamburg im Jahre 1855 geboren, 
l . besuchte Neckelmann zuerst die dortige 
Bauschule. Aber bald zog ihn sein Wis- 
i sensdrang an die Akademie, der bildenden 
Ml' Künste nach Wien, wo er unter Alt- 
I meister Hansen sich während sechs 
- Semestern den architektonischen Studien 
mit solchem Fleisse hingab, dass er 
durch Verleihung eines Preisstipendiums 
ausgezeichnet wurde. 
Nach Vollendung seiner Studienzeit 
, sehen wir ihn bei verschiedenen Archi 
tekten in der Heimat praktisch und künst 
lerisch tätig. 
Doch sein rastlos strebender Geist suchte noch eine höhere 
Vollendung in der Kunst des Zeichnens und der Darstellung, 
und so trat der 24jährige im Jahre 1879 in die Meisterschule 
t des Historienmalers A. Glaize in Paris ein, um sich ein Jahr 
lang ganz der Malerei zu widmen. Zurückgekehrt in seine 
Heimatstadt drang seine Name unter der Firma Schmidt und 
Neckelmann zuerst durch den Entwurf für ein Mustertheater 
für Berlin, der mit dem ersten Preis ausgezeichnet wurde, in 
weitere Kreise. Nachdem er durch eine längere Studienreise in 
Italien seinen Gesichtskreis noch erweitert hatte, verband er 
sich anfangs der achtziger Jahre mit dem Architekten Hartei 
in Leipzig, um im Verein mit diesem das Konkurrenzwesen 
noch in ausgedehnterem Masse wie bisher zu pflegen. Und 
reich an Erfolgen war ihre Arbeit. Von grossen Ent 
würfen, bei denen der wesentlichste Anteil Neckelmann zu 
fällt, wären hier zu nennen: Landesausschussgebäude und 
Universitätsbibliothek zu Strassburg. 
Das Jahr 1888 brachte Neckelmann 
den wohl bedeutendsten Erfolg seines 
schöpferischen Schaffens: den Sieg im 
Wettbewerb um Entwürfe für das Lan 
desgewerbemuseum in Stuttgart. Die 
in diesem Meisterwerk niedergelegten Ge 
danken, sowohl in der Grundrissdis 
position wie im Aufbau, waren von 
solcher Durchschlagskraft, dass ihm auch 
die Ausführung übertragen wurde. 
Treffend sagt der derzeitige Leiter 
des Landesgewerbemuseums Herr Staats 
rat Dr. von Gaupp in seinem Nach 
rufe: „Dafür, dass der Bau als Monu 
mentalbau eine erste Zierde unserer 
Stadt sei, mehren sich von Jahr zu Jahr 
die Zeugnisse der Besucher des Museums, 
namentlich auch der Fremden. Wir, die 
wir das Gebäude nun schon sieben Jahre 
benutzt und erprobt haben, halten uns 
aber dem Verstorbenen gegenüber zu 
dem wohl noch wichtigeren Zeugnisse 
für verpflichtet, dass das Gebäude nicht 
bloss schön, sondern auch zweckmässig 
sei.“ Wer Gelegenheit hatte, während 
der Ausführung mit dem hervorragenden, 
stets liebenswürdigen Architekten in nähere 
I Beziehung zu treten, der musste Staunen über die Fülle von 
' genialen Gedanken, die er mit Meisterhand zu Papier brachte, 
über die unermüdliche Schaffenskraft, die ihm neben dieser 
grossen Aufgabe noch Zeit liess, sich an den bedeutendsten 
Konkurrenzen, wie: Bahnhof Dresden, Museum Darmstadt, 
Kaiserdenkmal an der Porta Westphalica, Kaiserdenkmal in 
Stuttgart und anderen, zu beteiligen. Wir sehen ihn nicht nur 
im Architekturatelier, sondern mit sicherer Hand greift er auch 
ein, wenn es gilt, seine Gedanken in Ton festzulegen, wie ja 
die Modelle für die Schlusssteine etc. sein eigenstes Werk sind. 
Im Herbst 1892 wurde Neckelmann als Nachfolger des 
grossen Meisters Leins auf den Lehrstuhl für Architektur an 
der Technischen Hochschule berufen.
	        

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