Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Kath. Antoniuskirche in Zuffenhausen 
Nachdem die königl. Regierung eine Lotterie für De 
zember 1902 zum Neubau einer katholischen Kirche genehmigt 
hatte, bestimmte das bischöfliche Ordinariat, dass mit dem Bau 
im Herbst 1901 begonnen werden sollte. 
Es sollten rund 580 Sitzplätze beschafft werden bei einer 
Kostensumme von 64500 M. für den Rohbau, inklusive Gestühl, 
Verglasung, ohne die innere Einrichtung (Altäre etc.). Der 
Bauplatz, mitten im Ort, aber leider nicht hoch gelegen, an 
der mit 5 °/ 0 abfallenden Rosenstrasse, war im vorderen Teil 
für den Kirchenbau, im hinteren für Schule und Pfarrhaus be 
stimmt, und die Schule im Jahre 1896 dort erbaut. Es musste 
die Kirche so weit als möglich von der Schule abgerückt werden, 
aber nur so weit, dass noch eine Verlängerung des Schiffes 
nach Westen später möglich ist. Der Abstand von der Schule 
wurde auf 9 ' / 2 m festgesetzt, so dass sich ein Abstand vom 
künftigen Pfarrhaus von ca. 12 m ergab. 
Für den Entwurf zum Neubau waren diese Bauplatzver 
hältnisse insofern massgebend, als der Turm an die Rosenstrasse 
neben den Chor und möglichst abseits der Schule zu stellen 
war, und dem ganzen Bau bescheidene Höhenverhältnisse ohne 
zu grosse Dachflächen gegeben werden mussten in Rücksicht 
auf die Strassenbreite von nur 11,40 m und die mässige Höhe 
der umliegenden zweistöckigen Wohnhäuser. Um eine ein 
schiffige Anlage konnte es sich hier nicht handeln, sondern 
nur um eine dreischiffige, da ausser den 580 Sitzplätzen auch 
noch Prozessionsgänge im Schiff vorzusehen waren, was 
für das Schiff eine Breite von 16,20 m im Lichten bei 22,20 m 
Innen-Ansicht 
Länge hergab, und weil Sitzplätze auf Emporen in katholischen 
Kirchen im allgemeinen nicht gewünscht werden. 
Die beschriebene, für eine katholische Kirche typische An 
lage mit basilikalem Querschnitt empfiehlt sich in vielen Fällen 
immer wieder. 
So sind unter den acht im Jahre 1902 geweihten, unter 
der Bauleitung des Obigen erstandenen Kirchengebäuden 
nicht weniger als fünf dreischiffige, darunter die hier besprochene, 
neben drei einschiffigen Kirchenanlagen vertreten. 
Eine Anlage mit drei Schiffen, bei 10 m Höhe des Mittel 
schiffes und 7,30 m Breite im Lichten, und niederen Seiten 
schiffen fügt sich im vorliegenden Fall passend in die Um 
gebung mit den bescheidenen Strassenbreiten ein. 
Da Sparsamkeit dringend verlangt war, wurde unter Ver 
meidung jeglicher nicht absolut nötiger Architekturmotive Back 
steinrohbau romanischen Stils gewählt mit fünf Traveen für 
das Schiff, flacher Holzdecke im Schiff und Kreuzgewölbe im 
Chor nebst halbrunder gewölbter Apside. 
Der Turm ist 21 */ 2 m im Mauerwerk und bis zum Kreuz 
30 m hoch. 
Die Kosten des Rohbaues haben sich auf 65 700 M. 
gestellt inklusive zweier gemalter Chorfenster und Malerei der 
Chorapsis, welche nachträglich gewünscht wurden. 
Der Kubikmeter umbauten Raumes stellt sich 
auf rund 16 M. 
Für die innere Einrichtung ist bis jetzt — ohne die 
Seitenaltaraufbauten — ein Aufwand von rund 12000 M. und 
No. 6 
Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukünde in Stuttgart. 
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Grundriss 
Schnitt 
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