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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baükdnde in Stuttgart. 
No. 6 
für Einfriedigung, Trottoir etc. von rund 4300 M. er 
wachsen. 
Da für den Hochaltaraufbau nur ein niederer romanischer 
Retabel-Altar in Betracht kam, musste der Altar, um in 
der Kirche zur Geltung zu kommen, hoch gestellt werden. 
Es sind deshalb ausser den drei Altarstufen noch sechs weitere 
Chorstufen in zwei Abteilungen angeordnet, so dass der Altar 
bis an die Chorfenster heranreicht und mit denselben zusammen 
einen wirkungsvollen Aufbau ergibt. 
Statt des Ambo am Chorbogen, der im Grundriss ein 
gezeichnet ist, ist eine Kanzel am ersten Schiffpfeiler ausgeführt 
worden. Das Kindergestühl am Chorbogen ist nicht ausgeführt, 
da 500 Sitzplätze vorerst genügen. 
Im Mittelschiff und Chor sind elf dreiteilige Fenster nebst 
zwei Fenstern am Westgiebel vorgesehen. Die Kirche erhält 
dadurch eine Fülle von Licht, und es sind jetzt auch diejenigen 
ängstlichen Gemüter beruhigt, welche angesichts der kleineren 
romanischen Seitenschifffenster diesen Stil mit Misstrauen be 
trachten zu müssen glaubten. 
Die Holzdecken im Schiff, die Emporenbrüstung 
und die halbrunde Apsis hinter dem Hochaltar sind von 
Kunstmaler Loosen, Stuttgart, bemalt mit einem Aufwand 
von 2 100 M. Das Uebrige soll später, wenn weitere Mittel 
gesammelt sind, gemalt werden. 
Hochfeierlich wirkt die Malerei der Apsis mit dem Christus 
kopf in zweifacher Lebensgrösse. 
Die Glasgemälde in den Chorfenstern sind ausgeführt 
von Van Treeck, München. Die drei Altarunterbauten 
und der Taufstein sind gefertigt von Bildhauer Schäfer in 
Zuffenhausen,, der Altaraufsatz in Eichenholz ist um den 
Preis von 2000 M. ausgeführt von Bildhauer Kaiser und 
Ulbig in Iggingen, die Kanzel von derselben Firma um 
900 M., desgleichen die Ko mm union bank um 500 M. 
Die zwei Glocken im Gewicht von 248 und 425 kg hat 
Zoller, Biberach, geliefert; die Orgel mit zwölf Registern ist 
ausgeführt von Gebr. Späth, Ennetach, und kostet samt 
Gehäuse 4250 M. 
Die Konsekration der Kirche fand am 11. November 
1902 statt. 
Die anwesenden Vereinsmitglieder nahmen mit Interesse 
und Dank Kenntnis von den gegebenen Erläuterungen. 
In der Tat fügt sich der Bau als eine würdige, wenn auch 
bescheidene Landkirche gut seiner Umgebung ein und zeigt in 
seinen Architekturformen eine charakteristisch kirchliche Haltung 
und gute Verhältnisse des inneren und äusseren Aufbaues. 
mm 
Die Eisenbahnen der Erde im 19. Jahrhundert. 
Nur wenigen dürfte es bekannt sein, welch ungeheuere Ar 
beit das 19. Jahrhundert in seinen Eisenbahnen geleistet hat 
und welch immenser Kapitalwert in denselben angehäuft ist. 
Die Wirkungen aber, welche die Eisenbahnen in kultureller 
und sozialer Beziehung hervorgerufen haben, sind nicht weniger 
bedeutend als der materielle Aufwand für dieselben. Haben 
sie doch das ganze Erwerbsleben in völlig neue Bahnen ge 
lenkt und eine vollständige Umwälzung hierin hervorgebracht. 
Länder und Völker sind einander näher gebracht, und ein reger, 
auf das leichteste zu bewerkstelligender Austausch der geistigen 
und materiellen Produkte ist auf das mächtigste angeregt und ge 
fördert worden und noch in fortwährender Zunahme begriffen, 
an welchen die besten Hoffnungen geknüpft werden dürfen, 
wenn auch zu wünschen wäre, dass auch die ethischen Kräfte 
gleicherweise eine Stärkung und Steigerung erfahren dürften. 
Ein Rückblick auf die Eisenbahnen seit ihrer Entstehung und 
ihre Entwicklung bis zum Schlüsse des 19. Jahrhunderts, bei 
welchem den vom Reichseisenbahnamt und anderwärts gegebenen 
statistischen Aufzeichnungen gefolgt ist, darf daher gewiss des 
allseitigen Interesses sicher sein. 
Die Anwendung von Spurbahnen zur Fortbewegung von 
Lasten ist schon Jahrhunderte alt. Sicher ist, dass im Anfang 
des 16. Jahrhunderts in den Bergwerken am Harz, im Erz 
gebirge und in Tirol hölzerne Spurbahnen zur Beförderung von 
mit Rädern versehenen Kästen (Hunde) benützt wurden. Diese 
Beförderungsweise soll zur Zeit der Königin Elisabeth durch 
deutsche Bergleute, die von dieser Herrscherin angeworben 
waren, in England bekannt geworden sein, wo sie im Laufe 
des 17. und 18. Jahrhunderts ausgedehnte Anwendung fand 
und wo die ursprünglich hölzerne Spurbahn sich nach und nach 
zu dem aus Holz und Eisen hergestellten Gleis entwickelte. 
Diese früheren Spurbahnen und Gleise, auf denen die Fort 
bewegung der Lasten durch die Muskelkraft von Menschen 
oder Tieren erfolgte, hatten nur Wert für beschränkte örtliche 
Zwecke. Erst dem 19. Jahrhundert war es vorbehalten, durch 
die Verbindung der Spurbahn mit der Dampfkraft, die in 
zwischen schon auf anderen Gebieten sich zu einer mächtigen 
Gehilfin des Menschen entwickelt hatte, die Eisenbahnen im 
heutigen Sinne des Wortes und damit ein Verkehrsmittel von 
grösster Leistungsfähigkeit zu schaffen, das bestimmt sein sollte, 
den gewaltigsten Einfluss auf alle Verhältnisse des menschlichen 
Lebens auszuüben und diesem Jahrhundert sein eigenartiges 
Gepräge aufzudrücken. 
Die erste für öffentlichen Verkehr bestimmte Lokomotiv- 
eisenbahn, die 21 km lange Strecke Stockton—Darlington in 
England, wurde am 27. September 1825 — also vor 77 Jahren —- 
eröffnet. Die grosse Bedeutung dieses neuen Beförderungs- J 
mittels wurde von einsichtsvollen Männern allerorten erkannt, 
und obgleich es auch nicht an Zweiflern und solchen fehlte, 
die Bedenken und Befürchtungen der mannigfachsten Art geltend 
zu machen suchten, fand die Eisenbahn doch sehr rasch weite 
Verbreitung: In England waren am Schlüsse des Jahres 1840 
schon 1348 km Eisenbahnen im Betriebe. In Frankreich, wo 
die erste Lokomotivbahn zwischen Etienne und Andrezieux im 
Jahre 1832 eröffnet wurde, waren Ende 1840 497 km im 
Betrieb. Deutschlands erste mit Dampf betriebene Eisenbahn 
war die am 7. Dezember 1835 eröffnete 6 km lange Strecke 
Nürnberg—Fürth; wie richtig aber gerade auch in Deutschland 
gleich von Anfang an die Bedeutung der Eisenbahnen erkannt 
wurde, geht daraus hervor, dass hier Ende 1840 schon 549 km 
im Betrieb waren, also mehr als in Frankreich. In Belgien 
wurde die erste Eisenbahn zwischen Brüssel und Mecheln in 
demselben Jahre wie in Deutschland, 1835, eröffnet; bis Ende 
1840 waren in dem industriereichen Lande 336 km im Betrieb. 
In Oesterreich-Ungarn wurde die erste Lokomotiveisenbahn 
zwischen Wien und Wagram im Jahre 1838 eröffnet; am 
Schlüsse des Jahres 1840 waren 144 km im Betrieb. In 
Russland wurde die erste Eisenbahn mit Lokomotivbetrieb, die 
26 km lange Strecke St. Petersburg—Zarskoje-Ssalo, im Jahre 
1838 eröffnet; es dauerte dann aber bis zum Jahre 1845, bis 
eine weitere Strecke (die Warschau—-Wiener Eisenbahn) zur Er 
öffnung kam. Von den übrigen Ländern Europas begannen 
im vierten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts noch Italien und 
die Niederlande mit dem Eisenbahnbau, aber nur in sehr 
geringem Umfange; in Italien wurde als erste Eisenbahn die 
Strecke Neapel—Portici im Jahre 1839 eröffnet, in den Nieder 
landen in demselben Jahre die Eisenbahn Amsterdam—Hartem. 
In allen übrigen europäischen Ländern wurde erst später mit 
dem Bau von Eisenbahnen vorgegangen. In unserem engeren 
Vaterlande Württemberg wurde im Jahre 1845 mit der 9,92 km 
langen Strecke Cannstatt—Esslingen die erste Eisenbahn er 
öffnet, welcher dann — 1846 — die Strecken Cannstatt- 
Stuttgart—Ludwigsburg und Esslingen—Plochingen, sowie in 
rascher Folge die übrigen Strecken des Landes folgten. 
Mit besonderer Tatkraft wurde der Eisenbahnbau in den 
Vereinigten Staaten von Amerika in Angriff genommen. Dort 
wurde im Jahre 1830 die erste Eisenbahnstrecke zwischen 
Baltimore und Ellicotsmills eröffnet und der Bahnbau dann so 
gefördert, dass Ende 1840 schon 4534 km Eisenbahnen im 
Betriebe waren. Von den übrigen Ländern Amerikas haben 
im vierten Jahrzehnt die Insel Kuba und Britisch-Nordamerika 
(Kanada) mit dem Bahnbau begonnen. Auf den drei übrigen 
Erdteilen — Asien, Afrika und Australien — wurde der Bau von 
Eisenbahnen erst im Lauf des sechsten Jahrzehnts des vorigen 
Jahrhunderts in Angriff genommen. 
Am Schluss des Jahres 1840 waren demnach im ganzen 
rund 7700 km Eisenbahnen im Betrieb. Die weitere Ent 
wicklung des Eisenbahnnetzes der Erde in den sechs Jahr 
zehnten von 1840—1900 ergibt die am Schlüsse zusammen 
gestellte tabellarische Uebersicht. Aus derselben ist zu ersehen,
        

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