Volltext: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Ingenieure hier nicht durchführbar, da oft kleine Gemeinden, deren 
finanzielle Leistungsfähigkett sehr beschränk! ist, die Auftraggeber feien 
— Die Versammlung erklär! sich mit dieser Fassung einverstanden. 
Eingelaufen sind eine Austrittserklürung von Eugen Albert, 
Architekt, sowie die Mitgliederverzeichnisse eines Teils der Verbands- 
vcreine; ferner 
1. Die Mitteilungen des „Vereins zur Förderung des Straßen- 
bahnwesens", Wien, 
2. Proeeeding8 ok the engineem cliib of Philadelphia und 
3. The engineering magazine, New-York. 
Von diesen monatlich erscheinenden Veröffentlichungen werden 
dem Verein Freiexemplare regelmäßig zukommen und sollen dieselben 
auf Vorschlag des Vorsitzenden durch Weise's Hofbuchhandlung in 
Zirkulation gesetzt werden. Listen zum Einzeichnen der Teilnehmer 
werden in Umlauf gesetzt. 
Nach Erledigung des geschäftlichen Teils hält Baudirektor 
Professor v. Hänel seinen Vortrag über Bergbahnen in der Schweiz. 
Dieser Vortrag, für welchen der Vorsitzende im Namen des 
Vereins seinen Dank ausspcicht, wird in einem der nächsten Hefte 
zum Abdruck kommen. 
Mitteilungen über die Wiederherstellung der vom Hochwasser am 5. und 6 Juni 1895 
im Eyachthat zerstörten Wehrantagen. 
Bortrag, gehalten am 8. Januar 1898 von Baurat Canz. 
Die Wasserstände der Eyach sind sehr wechselnde; während bei 
Hochwasser in kurzer Zeit große Wassermengen abzuführen sind, sinkt 
der Wasserstand bei Balingen bei Niederwasser auf etliche 100 
herab. Obgleich dieser Umstand für die Anlage von Wassertriebwerken 
nicht besonders günstig ist, so haben sich doch im Eyachthal von den 
Quellen des Flusses an bis an die Landesgrenze bei einer Thallänge 
von ca. 23 km 21 Wassertriebwerke angesiedelt, teils Fabriken, 
worunter eine größere Spinnerei und eine Pappefabrik, größtenteils 
aber Mahlmühlen und Sägwerke von mehr oder minder guter Ein 
richtung und Größe. 
Das zum Betrieb dieser Werke nötige Gefälle wurde durch 
feste Holzwehre geschaffen, welche aus auf einander gesetzten, mit eisernen 
Schrauben zusammengehaltenen Holzbalken mit senkrechtem Abfall 
gegen das Unterwasser bestanden. Die Höhe dieser Wehre betrug 
bis 4 m. Die Länge der Wehrkrone war teilweise bis zu 50 m 
angewachsen, da einzelne Wehre wegen der öfteren Veränderungen des 
Flußbettes immer wieder verlängert werden mußten. Grundablässe 
waren nicht verhanden, die Stauung konnte deshalb bei Hochwasser 
und etwaigen Reparaturen der Wehre nicht aufgehoben werden, was 
zu häufigen Ueberschwemmungen der anstoßenden Geländeteile Ver 
anlassung gab 
Der Unterhaltungszustand der Wehre — besonders die Wasser 
dichtigkeit derselben — ließ zu wünschen übrig, es ging viel Wasser 
verloren, was in trockener Zeit, in welcher die Eyach sehr wenig 
Wasser führt, für die Werkbesitzer sehr mißlich war. 
Durch die Ueberschwemmung am 5. und 6. Juni 1895 wurden 
nun sämtliche Stauanlagen im Eyachfluß und an der Schlichem stark 
geschädigt, teils vollständig weggerissen, teils durchgebrochen oder vom 
Wasser umgangen, so daß alle Werkbetriebe bis auf 3 zum Stillstand 
verurteilt waren. Gleichzeitig wurden die Kanaleinlaßfallen zerstört, 
die Kanäle mit Schlamm und Schutt angefüllt, die Mühlgerinne 
weggerissen und fortgeschwemmt, die Wasserräder aus den Lagern ge 
hoben und teilweise weggeschwemmt, die Unterkanäle verschüttet. An 
vielen Mühlen wurde die innere Einrichtung durch Verschlemmen 
vollständig verdorben, Mauern wurden eingedrückt, kurz überall zeigte 
sich ein trostloses Bild der Verwüstung. Da die Werkbesitzer infolge 
der Lage ihrer Wohnsitze nahe beim Wasser außerdem noch namhaften 
Schaden durch Beschädigung der Ufer, Grundstücke und Gebäude, 
Verlust an Vieh und Mobilien erlitten hatten, so waren viele der 
selben vollständig ruiniert und nicht mehr im stände, aus eigener Kraft 
sich wieder selbständig zu machen. 
Auf Anregung des Herrn Präsidenten v. Leibbrand wurden 
die staatlichen Kulturingenieure durch das Kgl. Ministerium des 
Innern beauftragt, die Werkbesitzer im Eyach- und Schlichemthal 
über die Wiederherstellung ihrer Anlagen zu beraten, im Falle ein 
Besitzer hiezu bereit und in der Lage wäre, die baldige Wiederauf 
nahme des Wcrkbetriebs zu ermöglichen. Bei offenbarem Unver 
mögen des Geschädigten, die Betriebsaufnahme ans eigenen Mitteln 
bewerkstelligen zu können, sollte auf das Eingehen der Anlage hin 
gewirkt werden. 
Es wurden nun zunächst da, wo es die Verhältnisse erlaubten, 
Notwehre und provisorische Einlaßfallen hergestellt, die Kanäle wurden 
ausgeräumt, die Gerinne ausgebessert und erneuert, die beschädigten 
Widerlager der Wasserräder ausgemauert u. s. f., so daß es den 
meisten Werken möglich war, schon nach 14 Tagen den Betrieb in 
unständiger Weise wieder aufzunehmen. Im ganzen wurden von 
den staatlichen Kulturingenieuren 30 Wasserwerksbesitzer in dieser 
Weise beraten. 
Auf ein Gesuch der beschädigten Werkbesitzer an das Kgl. Mini 
sterium erhielten die staatlichen Kulturingenieure den weiteren Auftrag, 
Pläne und Kostenvoranschläge, sowie die Gesuche um die Geneh 
migung neuer Stauanlagen für diejenigen Wassertriebwerke herzu 
stellen, deren Besitzer im stände wären, die durch die Ausführung ent 
stehenden Kosten zu tragen. Bei den hienach vorgenommenen Ver 
handlungen erklärten 12 Werkbesitzer, ihren regelmäßigen Betrieb 
wieder aufnehmen zu wollen und vollständig neue Wehre herzustellen, 
3 Werkbesitzcr begnügten sich mit der Ausbesserung der früheren 
Anlagen und 6 Werkbesitzer erklärten, von der Wiederaufnahme des 
Betriebs aus Mangel an Mitteln vorerst abstehen zu wollen. 
Inzwischen hatten aber die überall eingeleiteten Sammlungen 
für die Ueberschwemmten des Eyachthals namhafte Summen ergeben. 
Seitens des zum Zweck der Leitung der Hilfsaktion aufgestellten Hilfs- 
komites konnte den geschädigten Wafferwerksbesitzern mit Rücksicht 
auf ihre großen Verluste eine ausnahmsweise Unterstützung in Aus 
sicht gestellt werden Es entschlossen sich daher nachträglich noch 
5 Werkbesitzer zur Wiederaufnahme ihres Betriebs in vollem Umfang, 
so daß im ganzen 17 Betriebe in Betracht kommen und 18 Stau 
anlagen im Eyachthal neu zu projektieren waren. 
Von allen Werkbcsitzern wurde dringend um thunlichste Be 
schleunigung gebeten, um der Sorge um den Bestand der Notwehre 
bald überhoben zu sein. Da den staatlichen Kulturingenieuren die 
Bewältigung einer Aufgabe, wie die Anfertigung der Projekte für 
eine so große Anzahl von Stauanlagen in der verlangten kurzen 
Zeit neben ihren laufenden Dienstgeschäften nicht möglich war, so 
wurde durch den Herrn Präsidenten v. Leibbrand ein weiterer 
Techniker, Professor Maurer, beigezogcn und die Geschäftseinteilung 
derart getroffen, daß zu bearbeiten hatten: Baurat Canz 8 Stau 
anlagen, Bauinspektor Moerike 7 Anlagen und Professor Maurer 
3 Anlagen im Eyachgebiet, wozu für den letztem später noch eine 
weitere Anlage kam. Ein Werkbesitzer verzichtete jedoch in der Folge 
auf die Wiederherstellung seiner Wasserkraft. 
Nach dem Wunsche des Herrn Präsidenten sollten entsprechend 
den besondern Verhältnissen der Eyach als Gebirgswasser in öffent 
lichem Interesse bewegliche Stauanlagen, welche bei Hochwasser rasch 
und sicher geöffnet werden können, projektiert werden. Es sollte bei 
geöffnetem Wehr das zum Abzug der Hochwasser dienende Flußprofil,
	        

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