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das in vielen Fällen durch steile Ufer und sonstige Hindernisse be 
schränkt war, durch die Anlage selbst möglichst wenig verkleinert 
werden, um den zu erwartenden starken Hochwassern Widerstand 
leisten zu können. 
Andererseits war es notwendig, die Anlagen in das richtige 
Verhältnis zu dem von ihnen verlangten Zweck zu setzen und thun- 
lichste Sparsamkeit walten zu lassen, um die wirtschaftlichen Kräfte 
der Werkbesitzer, welche vielfach an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit 
waren, nicht über Gebühr anzustrengen. 
Bei der großen Anzahl der unter ähnlichen Verhältnissen her 
zustellenden Anlagen lag es nahe, denselben Typus öfters zur An 
wendung zu bringen, was bezüglich der Bauausführung, der Kosten 
u. s. w. verschiedene Vorteile bot. Anhaltspunkte für die zu wäh 
lende Konstruktion gaben die von Baurat Rheinhard seinerzeit 
ausgeführten Wehre an der Enz und Nagold. Es wurde schließlich 
ein Typus, wie er an dem Nemswehr bei Geradstetten angewendet 
worden war, gewählt und derselbe den vorliegenden besondern Ver 
hältnissen angepaßt. 
Bei näherem Eingehen auf die Projekte empfahl es sich vielfach, 
die Baustellen der früheren Wehre zu verlassen und die neuen Stau 
anlagen flußaufwärts zu legen, wodurch bei dem namhaften Gefäll 
des Flusses die Stauhöhe ermäßigt, an Baukosten gespart, auch ein 
besserer Baugrund gewonnen werden konnte, da an den früheren 
Wehrstellen infolge Mangels von Sohlbefestigungen meist tiefe Kolke 
unterhalb des Wehrs entstanden waren. 
Die zur Ausarbeitung der Projekte nötigen Aufnahmen mußten 
noch bei ziemlich hohem Wasserstand vorgenommen werden, weshalb 
Grunduntersuchuugen nur in oberflächlicher Weise mögfich waren. 
Es hat sich dieser Unistand bei der späteren Ausführung der Projekte 
teils zu Gunsten, teils zu Ungunsten der Baukosten geltend gemacht. 
Der von uns vorzugsweise in 8 Fällen angewandte Wehrtypus 
ist der eines Fallenwehrs mit Betonunterbau. Die 1,5—1,8 m 
breiten und 0,8—1,6 m hohen Stautafeln werden von beweglichen 
eisernen Ständern gehalten, welche einerseits auf der Wehrkrone 
drehbar befestigt sind, andererseits ihre Unterstützung an einem hoch 
wasserfreien eisernen Steg finden, welcher die ganze Breite des be 
weglichen Wehrs überspannt. Die in Ketten hängenden Tafeln 
können einzeln mittelst einer einfachen Hebelanfzugvorrichtung durch 
einen Mann von dem Steg aus leicht gehoben werden, wobei sich 
die Aufzugsketten um gußeiserne Trommeln legen. Die Fallcnstäuder 
sind mittelst gußeiserner Charniere auf der Wehrkrone befestigt, derart, 
daß sie gegen das Unterwasser hin abgelassen werden können. Am 
oberen Ende stützt sich der Ständer gegen einen am Steg befestigten 
beweglichen Riegel. Nach vollzogener Hebung der Fallen können 
die Ständer durch Anheben des Riegels umgelegt werden, wodurch 
die ganze Wehröffnung frei wird. Soll das Wehr wegen plötzlichen 
Ansteigens des Wassers rasch geöffnet werden, so können die Riegel 
vom Steg aus mittelst Hebeisen unmittelbar angehoben und dadurch 
die Ständer zum Umfallen gebracht werden, ohne daß die Fallen 
zuerst gezogen zu werden brauchen. Die an den Ketten hängenden 
Fallen schwimmen dann mit dem Wasser ab. Zur Unterbringung 
der Aufzugsvorrichtungen ist oberhalb des Stegs ein einfaches Ge 
stell aus Walzeisen angeordnet. 
Die lichte Weite der projektierten Wehröffnungen beträgt von 
9,0 bis 12,0 m, während die größte Länge des Wehrkörpers zwischen 
den Widerlagern 30 m beträgt. Der größte Höhenunterschied zwischen 
dem gestauten Oberwasser und dem Unterwasser ist bei diesen Kon 
struktionen ca. 2,5 in. 
Bei den kleineren Wehren von 4,5 bis 6,0 in Weite der lichten 
Oeffnung wurden teils einfache Fallentafeln, welche durch Zahn 
stangen und Schneckengetriebe gehoben werden, teils einfache Damm- 
balkenverschlüsse angewendet, wobei die Dammbalken durch einen 
einzigen Handgriff leicht zum Abschwimmen gebracht werden können. 
An einigen größeren Wehren, insbesondere den von dem Herrn 
Professor Maurer projektierten und ausgeführten, kamen selbstthätig 
wirkende Fallen zur Anwendung, welche durch das ansteigende Wasser 
nach und nach umgelegt werden und nach dem Ablaufen des Hoch 
wassers wieder von Hand aufzurichten sind. 
Der Unterbau sämtlicher Wehre wurde aus Beton projektiert. 
Besondere Sorgfalt wurde auf die Gestaltung des Kanaleinlaufs 
verwendet, da dieser dem Hochwasser vorzugsweise ausgesetzt ist. Zur 
Bestimmung der Abmessungen der Kanaleinlaßfallen und der Betriebs 
kanäle wurde die bisherige Betriebsweise des betreffenden Werkes 
zu Grunde gelegt und im allgemeinen angenommen, daß ein Mahl 
oder Hartgang einer gewöhnlichen Kundenmühle mit einem Stein 
durchmesser von ca. 1,0 in einer Arbeit von ca. 4—5 PS., ein Säg 
gatter einer solchen von ca. 10 PS. bedarf und durch die vorhandenen 
oberschlächtigen Räder ca. 65°/o der rohen Wasserkraft ausgenützt 
werden. Da das Betriebsgefälle überall gegeben war und beibehalten 
werden mußte, so konnte hieraus die zum Betrieb notwendige Wasser 
menge bestimmt und die Abmessungen der Einlaßfallen und Kanäle 
berechnet werden. Um die Betriebskanäle vor eindringendem Schlamm 
und Schotter zu schützen, liegt der Kanaleinlauf meist nicht in der 
Richtung des Stromstrichs, auch ist die Kanalsohle etwas höher als 
die feste Wehrkrone angeordnet. Die Ecken des Kanaleinlanfs sind 
möglichst abgerundet, um den Wasserzuflnß zum Kanal zu erleichtern. 
Gegen Hochwasser sind die Kanäle durch eine starke Holzwand ab 
geschlossen. Die Kanalfallen sind mit einfachen mechanischen Auf 
zugsvorrichtungen, meist mit Schraubengetriebe versehen, so daß sie 
leicht bedient werden können. Gegen Unterwaschung sind die Wehre 
teils durch starke Holzpritschen, teils durch betonierte Absturzböden 
mit Wasserkissen gesichert. An denjenigen Stellen, wo die Verhält 
nisse eine größere Wehrbreite als 12,0 m nötig machten, wurde der 
übrige Teil des Wehrs als festes Ueberfallwehr projektiert. 
Für die Sicherung der unmittelbar an das Wehr anschließenden 
Ufer wurden starke Pflasterungen, teilweise aus Betonplatten herge 
stellt, vorgesehen. 
Die Anfortigung der Verleihungspläne mußte den gesetzlichen 
Vorschriften entsprechend erfolgen und das vorgeschriebene Verfahren 
genau eingehalten werden. Da zur Ausarbeitung der Pläne nur 
ein für solche Zwecke wenig eingeübtes Personal von zwei Geometern 
und zwei Kulturaufsehern zu Gebot stand und die Zeit sehr drängte, 
so war es für die Knlturingenieure keine kleine Arbeit, die Aufgabe 
neben den laufenden Dienstgeschäften in kürzester Frist zu bewältigen, 
da allein ca. 250 Blatt Zeichnungen und Beschreibungen anzufer 
tigen waren. 
Schon während der Ausarbeitung der Projekte hatten die Werk 
besitzer die Bitte an das Kgl. Ministerium gerichtet, es möchten die 
Kulturingenieure auch mit der Leitung der Bauausführung der von 
ihnen projektierten Anlagen betraut werden, da andere Techniker nicht 
zur Verfügung stehen und es für Uneingeweihte schwer sei, sich in 
die durch die angefertigten Konzessionspläne nur im allgemeinen dar 
gestellten Projekte einzuarbeiten. Dieser Bitte wurde von dem 
Kgl. Ministerium entsprochen. Zur Entscheidung etwa entstehender 
Anstände wurde eine Kommission bestehend aus dem Herrn Präsi 
denten v. Leibbrand als Vorsitzenden, dem Vorstand des Bezirks- 
hilfskomites, den beiden Kulturingenieuren und zwei unbeteiligten 
Wcrkbesitzern, bestellt. Diese Kommission ist nie in Thätigkeit 
getreten. 
Die Werkbesitzer hatten die gefertigten Pläne und Voranschläge 
anzuerkennen und sich zu verpflichten, die entstehenden Baukosten zu 
tragen. Seitens des Hilfskomites wurde zu denselben ein Beitrag 
von 2 / 3 der Summe des Kostenvoranschlags in Aussicht gestellt. Die 
unmittelbare Bauaufsicht sollte an Ort und Stelle durch zwei staat 
liche Kulturaufseher besorgt werden. Der durch die Anfertigung der 
Pläne entstandene Aufwand, sowie die Diäten und Reisekosten der 
Ingenieure wurden auf die Staatskasse übernommen, während die 
Kosten der unmittelbaren Banaufsicht von den beteiligten Werkbesitzern 
nach Verhältnis der Höhe des Kostenvoranschlags zu bezahlen waren. 
Die Werkbesitzer hatten alle auf das Bauwesen sich beziehenden Ver 
träge unter Mitwirkung und Zustimmung der Ingenieure abzuschließen 
und die entstehenden Baukosten unmittelbar nach erfolgter Anweisung 
durch die Ingenieure zu bezahlen. Eine finanzielle Beteiligung seitens 
des Staates außer den schon genannten Vergünstigungen sollte nicht 
eintreten. Diese Bedingungen wurden von sämtlichen Werkbesitzern 
anerkannt.
        

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