Full text: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Monatsschrif des Württembg. Vereins für Badkünde in Stdttgart. 
No. 8 
Fig. 6. Evang. Kirche Gablenberg. 
die Erbauung eines Volksschulgebäudes auf dem Platz Ecke der 
Schwarenberg- und Landhausstrasse genehmigt und das Hoch 
bauamt mit der Inangriffnahme der Vorarbeiten beauftragt. 
Das Bauprogramm sah folgende Räume vor: 16 Schul, 
zimmer, einen Zeichensaal, einen Saal für Handarbeitsunterricht 
eine Schuldienerwohnung, ein Schülerbad, zwei Treppen (eine 
für Knaben, eine für Mädchen), zwei Lehrer- resp. Lehrerinnen 
zimmer, eine Bibliothek, ein Zimmer für Zeichenvorlagen, ein 
Zimmer für den Ortsschulinspektor, ein Dienstzimmer des Schul 
dieners, Räume für eine Polizeiwache und das Einwohnermelde 
amt, eine Wohnung für einen Polizeiwachtmeister oder Inspektor, 
ferner eine Turnhalle und die nötigen Aborte für Lehrer und 
Schüler. 
Einige Räume sollten für Zwecke der Fortbildungsschule 
künstliche Beleuchtung erhalten. 
Wie aus dem Lageplan ersichtlich, wurde das Gebäude 
mit der Längsrichtung parallel zur Landhausstrasse gestellt, 
von den angrenzenden Strassen jedoch abgerückt und zwar 
von der Landhausstrasse 21,7 m, von der Schwarenbergstrasse 
10,7 m, so dass es fast inmitten des ca. 52,7 ar grossen Bau 
platzes zu stehen kam; der Hof an der Landhausstrasse ist für 
Mädchen, der hintere Hof für Knaben bestimmt. 
Die Turnhalle ist quer zum Hauntbau gestellt und mit 
demselben durch einen einstöckigen Zwischenbau verbunden, 
der zugleich einen zweiten Eingang sowie ein Lehrerzimmer 
enthält. 
Das Gebäude ist dreistöckig mit ganz ausgebauten Unter 
geschoss und teilweise ausgebautem Dachstock. 
Die Gesamtlänge desselben ohne Turnhalle beträgt 41,88 m, 
die grösste Breite 24,60 m, der Zwischenbau ist 5,0 m, die 
Turnhalle 26,00 m lang und 13,00 m breit. 
Das Bauprogramm ist durchaus eingehalten, ausserdem 
ergab sich im Dachstock unter Ausnützung des Giebels der 
Vorderfront Gelegenheit zur Unterbringung eines weiteren Saales, 
der sich für Handarbeitsunterricht sehr gut eignet; es kann des 
halb über den hiefür vorgesehenen Saal anderweitig verfügt 
werden. 
Die Schulsäle reihen sich zu beiden Seiten an den Mittel 
korridor an, der im westlichen Teil eine Erweiterung zeigt; der 
Korridor und die Erweiterung dienen zugleich zur Kleiderablage. 
Die Wohnung des Schuldieners, die Räume für die Polizei 
wache und den Meldebeamten, sowie das Schülerbad sind im 
Untergeschoss, die Wohnung für den Polizeiwachtmeister ist 
im Dachstock untergebracht, die Schüleraborte befinden sich 
unter der Turnhalle. 
Die hervorragend freie und hohe Lage des Bauplatzes an 
zwei Hauptstrassen, von denen die Landhausstrasse die innere 
Stadt direkt mit Ostheim und Gaisburg, die Schwarenbergstrasse 
das Neckartal mit den südöstlichen Stuttgarter Höhen verbindet, 
sowie die Lage in der geraden Fortsetzung des Kanonenweges 
durch die Urachstrasse gab zwingende Veranlassung, auch auf 
das Aeussere des Gebäudes grösste Sorgfalt zu verwenden und 
mit der ganzen Anlage ein dem Stadtteil zur Zierde gereichen 
des Architekturbild anzustreben, soweit hiemit die Bestimmung 
des Gebäudes als Volksschule sich vereinigen liess. Besonders 
die Lage in der Achse des Kanonenweges führte zu der ge 
steigerten Höhenentwicklung des Gebäudes an der west 
lichen Ecke. 
Als Baustil wurde die Spätrenaissance gewählt, wobei tun 
lichst auf heimische Formensprache Rücksicht genommen wurde. 
Zur Abrundung des Bildes erfuhr die Umzäunung an den 
Strassen eine kräftige Ausbildung, namentlich wurden die Ein 
gänge durch Torpfeiler und Portale ausgezeichnet. 
Um trotz der erhöhten Anforderung an das Aeussere des 
Gebäudes die Kosten tunlichst zu beschränken, wurde auf spar 
same Auswahl der Materialien gesehen, ohne hiedurch jedoch 
die Solidität des Gebäudes irgendwie zu beeinträchtigen. 
Sämtliche Architekturteile am Schulgebäude und an der 
Turnhalle, der Sockel beider Gebäude und das Erdgeschoss 
des Schulgebäudes wurden in Zementkunststein ausgeführt und 
dabei namentlich auf Wechsel in den Farben, ähnlich dem 
Naturstein, Bedacht genommen; als Grundton wurde die Farbe 
eines gelblichen grobkörnigen Stubensandsteines gewählt. Die 
Gesichtsflächen der Steine wurden in verschiedener Weise be 
arbeitet, die Bossen gespitzt und geprellt, die glatten Flächen 
aufgeschlagen, die Gurten mit gestelzten Schlägen oder mit 
sogenanntem Hamburger Schlag versehen, sämtliche Wand- 
flächen wurden verputzt. 
Die Zementkunststeine wurden von Schwenk in Ulm in 
vorzüglicher Weise hergestellt. 
Die Ersparnis gegenüber Werkstein berechnet sich auf 
ca. 22 000 Mk. Auch der bildnerische Schmuck über dem 
Hauptportal, am Treppenturm u. s. w. ist in diesem Material 
ausgeführt, während die Eule im Giebel aufgetragen ist. Der 
Putz besteht aus altem Weisskalk, Mainsand und etwas Port 
landzementzusatz. Zur Belebung desselben wurde noch an 
einzelnen Stellen Spritzwurf und gekämmter Putz verwendet. 
Fig. 1. Schule Ostheim.
	        

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