Volltext: Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart (1898-1904)

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Monatsschrift des Württembg. Vereins für Baukunde in Stuttgart. 
Nr. 3 
Wird die Entschädigung erst vom 15. Tage an bezogen, 
so ermässigen sich die Prämiensätze für die Tagesentschädigung 
durchaus um 40°/ o ; es werden jedoch in diesem Falle die in 
den ersten 14 Tagen notwendigen Kur kosten für ärztliche 
Behandlung, Verbandstoffe und Medikamente ersetzt. 
Bei Vorauszahlung der Prämie auf die ganze Ver 
sieh e r u n g s d a u e r werden folgende Vergünstigungen gewährt: 
Auf 5 Jahre 1 Freijahr, 
„ 10 „ 2' ., Freij ah re. 
Sämtliche Prämien sind fest; es werden also keine Nach 
zahlungen verlangt. 
§ io. 
Für Lebensversicherungen von Mitgliedern des 
Vereins für Baukunde erhält letzterer 8 °/ 00 der Versicherungs 
summe als Abschlussvergütung. Die Abrechnung mit der Vereins 
kasse erfolgt je auf den Schluss des Kalenderjahres wie in § 2. 
— Den Vereinsmitgliedern wird vollständig kostenfreie Auf- 
n a h m e zugestanden. 
Die Gesellschaft hat auch einen Tarif für Abgelehnte, 
welche ihr Leben versichern lassen können. 
§ 11. 
Dieser Vertrag wird auf die Dauer von 5 Jahren, vom 
1. April 1898 an, abgeschlossen und erneuert sich vom 31. März 
1903 an stillschweigend auf je ein weiteres Jahr, wenn von 
keiner Seite eine Kündigung mittels eingeschriebenen Briefes 
erfolgt. Durch das Erlöschen des Vertrags werden die noch 
bestehenden Versicherungen in ihren durch den Vertrag erwor 
benen Rechten nicht berührt. 
§ 12. 
Die Magdeburger Lcbensversiclierungsgesellschaft er 
klärt sich bereit, über entsprechende Abänderungen dieses Ver 
trages mit dem VViirttemb. Verein für Baukunde in Verhand 
lungen einzutreten, falls von einer angesehenen Konkurrenz 
gesellschaft dem Verein nachweislich günstigere Bedingungen 
als die gegenwärtig vereinbarten angeboten werden. 
Wird hiebei eine Einigung nicht erzielt, so behält sich der 
Verein für Baukunde das Recht vor, mit einem Jahr Fri-:t zu 
kündigen. 
Die derzeitigen Versicherungsbedingungen haben für die 
versicherten Vereinsmitglieder nur Geltung, soweit sie mit den 
Bestimmungen gegenwärtigen Vertrags nicht im Widerspruch 
stehen. 
Erfahren die derzeitigen Versicherungsbedingungen seitens 
der Direktion Abänderungen, so ist dem Verein hievon Kenntnis 
zu geben und sind auf Antrag der Versicherten die neuen Ver 
sicherungsbedingungen an Stelle der alten auf den Polizen in 
Anwendung zu bringen. 
Stuttgart, den 30. April 1898. 
Für den Württembergischen (Alte) Magdeburger Lebens- 
Verein für Baukunde Versicherungsgesellschaft. 
Die Subdirektion Stuttgart: 
der Vorstand: (gez.) J. E. Bernhard, 
(gez) Mayer. Waisenhaus-Kassier. 
Bestätigt: 
Die Direktion: 
(gez.) Linde, (gez.) Richter. 
Hinsichtlich der Untersuchungen und Verhandlungen, welche 
den Ausschuss des Vereins zum Entwurf des Vertrages geführt 
haben, und bei welchem Herr Reg.-Baumeister Blümer in ein 
gehendster Weise durch Sammln ng und Zusammenstellung der 
nötigen Unterlagen ms gewirkt hat, möge das Folgende auf 
geführt werden. 
Im Frühjahr 1897 wurden dem Verein Angebote von ver 
schiedenen Unfallversicherungsgesellschaften gemacht. Um 
einen richtigen Vergleich zu erhalten, wurde eine Tabelle an 
gefertigt, in welcher alle Bestimmungen der betreffenden „All 
gemeinen Versicherungsbedingungen“, die Tarifsätze, sowie 
alle Angaben, welche sonst von Wert sein konnten, einander 
gegenüber gestellt wurden. In Betracht kamen die folgenden 
4 Gesellschaften: 
Allgemeiner Deutscher Vcrsicherungsvercin in Stuttgart, 
gegründet 1875; 
Kölnische Unfallvcrsichcrungsakticngcscllschaft, ge 
gründet 1879; 
Magdeburger Lebens- (und Unfall-) Versicherungsgesell 
schaft (alte Magdeburger, zum Unterschied von der 
„Wilhelma“), gegründet 1855; 
Schweizerische Unfallversichcrungsakticngesellschaft in 
Winterthur, errichtet 1875. 
Die Ergebnisse der Prüfung wurden dem Vereinsausschuss 
vorgelegt und eingehend erörtert. Es wurde sodann, in Er 
wägung, dass die mit wenigen Ausnahmen im allgemeinen 
ziemlich gleichartigen Versicherungsbedingungen den Ausschlag ; 
allein nicht zu geben vermögen, beschlossen, sowohl bei den 
einzelnen Mitgliedern, als bei einigen Verbandsvereinen und dem 
Württemb Bezirksverein Deutscher Ingenieure eine Umfrage 
zu halten, um zu hören, welche Erfahrungen die Mitglieder, 
bezw. die Vereine mit den verschiedenen Gesellschaften schon 
gemacht haben. Es zeigte sich, dass von den erwähnten 
Vereinen bis jetzt noch keiner in ein Vertragsverhältnis zu einer 
Gesellschaft getreten ist Die Beantwortungen der an die Mit 
glieder ausgesandten Fragebogen ergaben, dass die meisten der 
versicherten Mitglieder noch keine Erfahrungen über die soge 
nannte „Kulanz“ ihrer Gesellschaft sammeln konnten, da sie 
zwar seit Jahren versichert, aber glücklicherweise noch nicht 
verunglückt sind. Diejenigen Mitglieder dagegen, welche schon 
Entschädigungen bei eingetretenen Unfällen bezogen haben, 
wussten meistens nicht viel Günstiges über die betreffenden 
Gesellschaften zu berichten; die allerdings begreifliche Absicht, 
möglichst wenig in Schadenfällen zahlen zu wollen und dem 
Versicherten dann den Vertrag zu kündigen, scheint nicht wenig 
verbreitet zu sein, sogar bei Gesellschaften, welche in weiten 
Kreisen eingeführt sind. Es mussten deshalb verschiedene Mit 
glieder energisch auftreten, um ihren Standpunkt zu wahren und 
zu ihrem Rechte zu gelangen. Eine Reihe von weiteren Mit 
gliedern, welche die Fragebogen überhaupt nicht beantworteten, 
scheint bis jetzt nicht versichert zu sein. 
Der Ausschuss beriet nun über die eingegangenen Antworten 
und die ganze Frage an der Hand des reichhaltigen Akten 
materials in einer weiteren Sitzung; hier wurde auch eine vom 
Berichterstatter gefertigte und vervielfältigte Tabelle vorgelegt, 
welche für die drei Gesellschaften Magdeburg, Köln und Winter 
thur unter Annahme einer Versicherung mit mittlerem Betrag j 
und bei Unterscheidung der für die Mitglieder hauptsächlich in 
Betracht kommenden Gefahrenklassen (A. Bureauarbeit, B. Ober- ■ 
aufsieht bei Bauten) die verschiedenen Prämiensätze, die von 
den Gesellschaften^ angebotenen prozentualen Vergünstigungen 
und die vom Versicherten zu leistenden Prämienbeträge in einen j 
übersichtlichen Vergleich stellt. 
Es sei hier erwähnt, dass 
Magdeburg dem Mitglied 7 l j., n j (i und dem Verein 10 o/o, 
Köln „ „ 4 ”/ 0 „ „ „ 6°/ 0 , 
Winterthur „ „ 10% 5°/ 0 
Ermässigung, bezw. Vergünstigung aus den jährlichen Prämien- ; 
Zahlungen angeboten hatte. Besonders zu betonen ist, 
dass „Magdeburg“ die einzige Gesellschaft ist, 
welche laut § 10 der „Allgemeinen Versieher ungs- [ 
bedingungen“ die not wendigen Zeugnisse vom be- j 
handelnden Arzt auf ihre eigenen Kosten direkt ein- I 
zieht. Dies trägt den Wünschen mehrerer Mitglieder, welche hie- I 
rüber wenig angenehme Erfahrungen sammeln konnten, Rechnung. j 
Da die vom Berichterstatter mit den Gesellschaften geführten 
Unterhandlungen im Laufe der Zeit den Vertragsentwurf immer 
annehmbarer gestaltet hatten, so beschloss der Ausschuss in 
Berücksichtigung aller einschlägigen Verhältnisse und in beson 
derer Würdigung einer von Mitglied Dessecker (zugleich 
Vorstand des Vereins der Bauwerkmeister Württembergs) er 
haltenen sehr günstigen Auskunft, dem Verein den Abschluss 
des Vertrags mit „Magdeburg“ zu empfehlen, und namentlich 
dafür zu sorgen, dass bezüglich der prozentualen Ermässigungen 
der Verein zu Gunsten des Mitglieds zurücktreten, das Mitglied 
also IO"/,, (statt 7‘/ 2 °/„) und der Verein 2% % (statt 10 '/„) 
beziehen solle. 
Die gestellten Anträge wurden von „Magdeburg“ ange 
het 
in allen Teilen genehmigt 
werden konnte. Auch die wiederholte Prüfung durch ein rechts 
kundiges Vereinsmitglied im Ministerium des Innern und einen 
Rechtsanwalt, welche sich als zweckmässig erwies, hat für den 
Wortlaut des nunmehr vorliegenden Vertrags keine Beanstan 
dung ergeben. (Der Verein ist namentlich Herrn Regierungsrat 
Hilbert für die eingehende Prüfung zu Dank verpflichtet.) 
Dass die „Magdeburger Lebensversicherungsgesellschaft“ 
beim Vertragsabschluss den Mitgliedern schriftlich in Aussicht 
nommen, so dass in der Vereinssitzung vom 5. März d Js. 
vorstehend abgedruckte 
Vertrag 
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