Die Ballade und ihr Verhältnis %it Bild- und Rollengedicht
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macht. So finden sich denn auch, obwohl nicht allzu häufig, Rollengedichte
unter den Volksballaden. Es sei angeführt die Ballade >Der Spielmannssohn«
(überliefert vom Anfang des 19. Jahrhunderts), der eine Königstochter
freit:
Als ich ein kleiner Knabe war,
Da lag ich in der Wiegen,
Als ich ein wenig größer war,
Ging ich auf freier Straßen.
Da begegnet mir des Königs Töchterlein,
Ging auch auf freier Straßen:
ferner der im Wunderhorn abgedruckte Rollenmonolog des Mädchens, das
wider seinen Willen eine Nonne werden muß:
Gott geb ihm ein verdorben Jahr,
der mich macht zu einer Nonnen
Auch Aufteilungen von Balladen in längere Rollenmonologe und einen
darauf folgenden Erzählbericht kommen vor, z.B. die englische humorstische
Volksballade >The brown girl<:
I am as brown as brown can be
My eyes as black as a shoe
My love has sent me a love-letter
Not far from yonder town
Now you shall hear what love she had
Then for this love-sick man;
When she came to her love’s bed-side
Where he lay dangerous sick,
She could not for laughing stand
Upright upon her feet.
ein Verfahren, das etwa in der Ballade >Braune Bärbel« von Agnes Miegel
(nicht zum Vorteil der Dichtung) wiederkehrt. Auf Grund solcher Erscheinungen
ist das Rollengedicht als eine Unterart der Ballade bezeichnet
worden 8 . Und zweifellos erleben wir Ich-Figuren wie den Spielmannssohn,
die schöne Bärbel, oder auch Fontanes Cromwell (>Cromwells letzte Nacht«)
8. WKayser: Geschichte der deutschen Ballade. Bin. ’36, 140