Volltext : Stuttgart seit fünf und zwanzig Jahren

IBie  Stuttgart  %uuk$=^{au|]totailt  geworden.

Im  13.  Jahrliundert,  zur  Zeit,  da  dem  Blicke  des  Geschichtschreibers  Stuttgart
zum  ersten  Male  entgegen  tritt,  ist  dieses  bereits  ein  aufstrebender,  begüterter,  wohlbefestigter ­
  Ort.  Da  findet  bereits  Kauf  und  Tausch  von  Liegenschaften  statt,  —  da  wird
bereits  aus  Anlass  des  Ablebens  einem  Regenten-Paare  ein  künstlerisch  ausgeführtes,  noch
heute  erhaltenes  Denkmal  errichtet,  —  da  hat  die  Stadt  bereits  eine  mehrwöchentliche
Belagerung  durch  den  deutschen  Kaiser  Rudolph  I.  zu  bestehen.  Die  Stadt  bot  das  Bild
eines  den  Regeln  mittelalterlicher  Kriegskunst  gemäss  angelegten  Platzes.  Eng  zusammen
gedrängt  lebten  in  dem  Theile  von  Stuttgart,  der  zwischen  dem  ,,grossen  und  kleinen“
Graben,  zwischen  der  heutigen  Königs-,  Eberhards-  und  Karlsstrasse  liegt,  4000  Menschen. ­
  Die  Stadt  war  umschlossen  von  einem  Steinharnisch,  der  in  wenigen  Resten  heute
noch  erhalten  ist.  —  war  umschlossen  von  einem  Mauerring  mit  Wall  und  Graben;  die
Mauer  hatte  einen  bedeckten  Umgang  und  in  zahlreichen  Thürmen  starke  Stützpunkte.
Den  Kern  der  Befestigung,  die  Citadelle  der  Stadt,  bildete  die  zu  einem  in  sich  abgeschlossenen ­
  Ganzen  gestaltete  Burg,  die  an  der  Stelle  des  heutigen  alten  Schlosses  gestanden.
Die  Burg  war  an  der  Stelle  angelegt  worden,  wo  die  Wasser  des  Thaies  Zusammenflüssen ­
  und  als  ein  Mittel  zur  Verstärkung  der  Befestigung  benützt  werden  konnten.
Als  das  alte  Schloss  schon  seine  heutige  Form  gewonnen,  war  es  noch  mit  einem
25—30  Fuss  tiefen  und  25  Schritte  breiten  Wassergraben  umzogen.  Allerdings  war
der  Kranz  von  Burgen,  der  rings  um  Stuttgart  gezogen  worden  war,  von  Kaiser  Rudolph ­
  gebrochen  worden,  und  wir  kennen  heute  nicht  einmal  mehr  genau  die  Stellen,
auf  denen  die  Burgen  bei  Berg,  bei  Feuerbach,  auf  der  Prag,  bei  Kaltenthal,  die
Weissenburg  —  es  sollen  im  Ganzen  sieben  solcher  Burgen  gewesen  sein  —  gestanden. ­
  Aber  auch  auf  seine  eigene  Kraft  und  Festigkeit  beschränkt,  bildete  Stuttgart
einen  für  die  damalige  Zeit  sehr  festen  Platz.  Die  Grafen  von  Württemberg  liebten
es,  sowohl  von  dem  nahe  gelegenen  Stammschloss  auf  dem  rothen  Berg,  als  auch  von
dem  Schlosse  Beutelsbach  im  Remsthale  Einkehr  in  Stuttgart  zu  nehmen.  Die  Sfadt
hatte  im  Flussgebiet  des  Neckars,  in  welchem  die  Besitzungen  der  Grafen  von  Württemberg ­
  gelegen  waren,  eine  centrale  Lage;  und  als  die  Wahl  einer  bleibenden  Resi-
            
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