Inhalt / Download: Unsere Schwäbische Alb

die auch hinsichtlich dieser Fragen zur Geltung kommen, wieder 
in erster Linie mit der Schichtenbildung zusammen. Bezüglich 
des ersteren Punktes hat man sich zu merken, daß die Alb in 
ihrer Längenausdehnung von Südwest gegen Nordost sich er— 
niedrigt; es rührt dies daher, daß die Gesteinsschichten, aus 
denen sich dieselbe gebildet hat, nach der angegebenen Richtung 
hin immer mehr zusammenschrumpfen. Waährend also z. B. die 
Berge zwischen Balingen und Spaichingen rund 1000 m (der 
Lemberg, höchster Berg der Schwabenalb, 1014 mm) Höhe über 
dem Meer zeigen, bewegt sich das mittlere Albgebiet (Kirch— 
heim — Göppingen) mit seinen erhabensten Punkten um die 
Zahlen 700—800 (Teck 774, Hohenstaufen 682 m), die Berge 
der nordöstlichen Alb dagegen sind im Durchschnitt abermals um 
etwa 100 im niedriger (Ipf 667). Tiese Thatsache ist übrigens 
auf den Gesamtzug des Juragebirgs auszudehnen; denn der 
Schweizer Jura mag eine mittlere Turchschnittshöhe von 1500 
m, der Fränkische eine solche von 500 mm haben; da nimmt dann 
die Schwabenalb mit ihren ca. 700 mmuwieder gerade die richtige 
Mittelstellung dazu ein. 
Etwas anders sieht sich die Sache allerdings an, wenn wir 
statt der absoluten die relative Höhe ihrer Verge in Betracht 
siehen; und letzteres giebt ja in landschaftlicher Beziehung be— 
greiflicherweise den Ausschlag. In dieser Hinsicht ist es recht 
zgünstig, daß die Berge der Schwabenalb wenigstens auf der 
Rordwestseite durchs ganze Land ca. 400 mm über die Vorebene 
emporsteigen; so machen sie durchweg einen stattlichen Eindruck 
und gewähren überall fast gleich ausgedehnte und prächtige 
Rundsichten, ob man nun auf dem Lochen oder der Teck, auf 
dem Hohenstaufen oder dem Ipf steht. 
Anders macht sich die Sache auf dem südöstlichen Abfall 
der Alb. Wohl hat man auch von hier überall einen weiten, 
ja in gewissem Sinn noch viel weiteren Ausblick, als von einem 
der gegen das Neckarthal abfallenden Berge. Tenn stets breitet 
sich hier die weite oberschwäbische Hochebene vor dem Auge des 
Beschauers aus, und stets ist (bei guter Beleuchtung) das Gesichts— 
feld von dem wunderbaren Kranz der schneebedeckten Alpenhaupter 
umzogen, ob man auf dem Witthoh bei Tuttlingen oder dem 
Bussen bei Riedlingen oder auf einer der Höhen in der Um— 
gebung von Ulhm sich befindet. An ersterem Punkt sind es dann 
zußerdem noch die Kegelberge des Hegaus, die nebst dem da— 
hinter auftauchenden Spiegel des Vodensees unsern Blick fesseln. 
Aber von eigentlichen Berggipfeln kann auf dieser Seite der 
Alb thatsächlich nicht mehr geredet werden, so wenig als von 
einem schroffen Abfall gegen eine tief unten liegende Landschait.
	        
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