Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/20/
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In dem ersten provisorischen Statut der neugeschaffenen Stelle vom 
7. August 1848 (Rgbl. S. 361) wurde in § 2 Z. 13 als eine ihrer mannig 
faltigen Aufgaben »die Erwerbung von vorzüglichen Mustern, Werkzeugen 
und Verfahrensarten und entsprechende Verwendung derselben für den 
vaterländischen Gewerbestand« bezeichnet und darin das Samenkorn für 
die Entstehung des Musterlagers niedergelegt. Damit war zugleich einer 
solchen Sammlung, schon ehe sie in die Wirklichkeit trat, das Gepräge 
aufgedrückt, dass sie ganz vorzugsweise dazu ausersehen sein solle, bei der 
Erfüllung der der neuen Zentralstelle gesteckten allgemeinen Aufgaben, der 
Pflege von Gewerbe und Handel, und insbesondere bei der Aufgabe, »den 
Gewerbe- und Handelsstand mit ihrem Rate zu unterstützen«, als Mittel zu 
dienen. 
Noch ehe die Errichtung einer besonderen Sammlung ausdrücklich 
beschlossen war, wurde schon auf die Erfüllung der in der genannten Z. 13 
gestellten Aufgabe, vorzügliche Muster zu erwerben, Bedacht genommen. 
Die ersten Erwerbungen, welche den unscheinbaren Anfang für ein künftiges 
Musterlager bildeten, sind Muster für die Weberei gewesen. Durch 
Herbeischaffung der neuesten Gewebemuster aus Paris sollten die kleineren 
Gewerbetreibenden in den Stand gesetzt werden, ihre Fabrikation von Kleider 
stoffen immer rechtzeitig der jeweiligen Mode anzupassen und so die Vorteile 
zu gewinnen, mit welcher die Fabrikation nach den neuesten Dessins ver 
bunden ist. Die erste Mustersendung dieser Art war vom Mittwoch dem 
4. April 1849 an täglich von 10—12 Uhr vormittags in dem Gebäude des 
K. Ministeriums der Auswärtigen Angelegenheiten, Gymnasiumsstrasse Nr. 2, 
im ersten Stocke, wo sich damals die Kanzlei der K. Zentralstelle befand, 
zur öffentlichen Ansicht ausgelegt. Mit diesen von Jahr zu Jahr regelmässig 
einlaufenden Mustersendungen ist der Grund für unsere grossartige Gewebe 
mustersammlung von heute gelegt worden. Dabei wurde in der Person 
eines Dessinateurs (Tanner), welcher mit Staatsunterstützung für diesen 
Zweig der gewerblichen Zeichenkunst in Paris ausgebildet worden war, ein 
Mann aufgestellt, welcher, ausgerüstet mit speziellen Kenntnissen in der 
Weberei, den Gewerbetreibenden weiter beratend und unterstützend an die 
Hand zu gehen, ihnen die durch die Muster gegebenen Motive weiter aus 
zuführen und der Eigentümlichkeit der einzelnen Fabrikationsartikel sowie 
dem Geschmack der Abnehmer anzupassen vermochte. 
Bald folgten Ankäufe weiterer mustergültiger Produkte auf der fran 
zösischen Industrieausstellung in Paris 1849 durch den technischen Rat der 
K. Zentralstelle, Dr. Steinbeis, und den Beirat derselben, Fabrikant Weigle 
von Ludwigsburg. 
Um dieselbe Zeit war es, als das Kollegium der K. Zentralstelle in 
seiner Sitzung vom IO. Oktober 1849 einstimmig die Anlegung einer 
Sammlung ausgezeichneter Gewerbe-Erzeugnisse des In- und 
Auslandes beschloss und die Genehmigung dieses Beschlusses von dem 
K. Ministerium des Innern erbat. Hiebei ging das Kollegium von folgenden
        

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