Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/21/
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Erwägungen aus: »Eine zweckmässige und nützliche Einwirkung auf Handel 
und Gewerbe ist zuvörderst bedingt durch eine genaue Kenntnis dessen, 
was fabriziert wird und wie die Fabrikate beschaffen sind. Der Mangel 
einer solchen Kenntnis ist uns im Laufe unserer Thätigkeit vielfach fühlbar 
geworden und zwar umsomehr, als wir nicht einmal schriftliche statistische 
Notizen über den Stand unseres vaterländischen Gewerbewesens besitzen. 
Indessen würden solche Notizen auch kaum dem Bedürfnisse genügen, da 
eine lebendige Anschauung der Industrie unerlässlich ist, wenn es sich 
davon handelt, die Lücken und Mängel derselben zu ermitteln und Vor 
schläge zur Verbesserung zu machen. Eine solche genaue Kenntnis fehlt 
aber nicht bloss uns, sondern es geht auch unserm Handelsstande bei der 
grossen Zersplitterung unserer, in zahlreichen kleinen Werkstätten über das 
ganze Land zerstreuten Industrie die Erlangung einer vollständigen Ueber- 
sicht darüber ab, welche Erzeugnisse aus den vaterländischen Werkstätten 
hervorgehen und auf welche er seine Geschäfte mit Nutzen ausdehnen kann. 
Endlich aber vermisst der sehr zahlreiche Stand der kleinen Gewerbsleute 
des Landes eine Gelegenheit, die Fortschritte, welche das Gewerbewesen in 
auswärtigen Ländern gemacht hat, in der Nähe erfahren und überschauen 
zu können. Diesen verschiedenen Zwecken und Bedürfnissen wird durch 
Anlegung einer Sammlung ausgezeichneter Gewerbe-Erzeugnisse des In- 
und Auslandes Rechnung getragen werden und wir haben daher heute nach 
reiflicher Ueberlegung die Aufstellung einer solchen Mustersammlung ein 
stimmig beschlossen. Je mehr die Anlegung der beabsichtigten Sammlung 
geeignet ist, der Einwirkung der Regierung und ihrer Organe auf Beförde 
rung des Gewerbefleisses zu dienen, die technische Ausbildung des Gewerbe 
stands zu unterstützen und den Absatz seiner Erzeugnisse zu beleben, um 
somehr überlassen wir uns der Hoffnung, dass das hohe Ministerium durch 
Genehmigung unseres Beschlusses uns in stand setzen werde, zur Ausfüh 
rung rasch zu schreiten.« 
Ehe eine Entschliessung hierauf erfolgte, wurden — zu Anfang des 
Monats Februar 1850 — die in Paris angekauften und inzwischen in Stutt 
gart angekommenen Gegenstände in einem Saale des Gebäudes der K. Mi 
nisteriums der Auswärtigen Angelegenheiten zur Besichtigung ausgestellt. 
Sie bestanden aus Holzdreherarbeiten, Elfenbeinwaren, Verzierungen aus 
gepresstem Leder, eisernen Möbeln, Bürsten, kleinen Haushaltungsgegen 
ständen, Coupons von Bukskins und Westenstoffen, auf dem Strumpfwebstuhl 
gefertigten Kleidern und Strümpfen, Bestandteilen von Korsetten, Knöpfen und 
Gespinnstproben. Eine noch bescheidene Sammlung! Aber darunter Produkte, 
deren Herstellung in späteren Jahren in unserem Württemberg einen grossen 
Umfang angenommen hat. Ob hier nicht ein ursächlicher Zusammenhang 
zwischen beidem obwaltet — wer möchte dies bestreiten? 
Das öffentliche Interesse an dieser Ausstellung überstieg alle Erwar 
tungen. Seine Majestät der König Wilhelm sprachen bei einem 
Besuch der Ausstellung Ihre volle Befriedigung aus, erklärten eine Vervoll-
        

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