Full text: Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart

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gewerbetreibende Publikum gewarnt und so manchmal vor Schaden bewahrt 
werden konnte. Letzteres traf namentlich zu bei der als erster Motor im 
Musterlager erschienenen, im Jahr 1860 von der Maschinenfabrik Buckau 
bezogenen einpferdigen kalorischen Maschine, System Ericsson, 
welche für die Gewerbe, wo es sich um Anwendung kleinerer Triebkräfte 
handelt, von grosser Wichtigkeit erschien. Als Hauptvorteile, welche sie 
gegenüber den Dampfmaschinen zu bieten schien, wurden angegeben: ein 
geringerer Verbrauch von Brennmaterial, ferner der Umstand, dass die ab 
ziehende Luft zur Heizung dienen könne, vor allem aber, dass von Gefahr 
einer Explosion wie bei einem Dampfkessel keine Spur vorhanden sei. Allein 
die gehegten Erwartungen erfüllten sich nur in geringem Masse, denn ab 
gesehen von dem bedeutenden Lärmen, den sie verursachte, hat sich auch 
der Konsum an Brennmaterial und Schmiermitteln als ein ziemlich bedeuten 
derer als bei der Anwendung von Dampfmaschinen herausgestellt; das Miss 
lichste aber war der Umstand, dass die Dauerhaftigkeit der Maschine durch 
die hohe Temperatur, der sie fortwährend ausgesetzt ist, sehr beeinträchtigt 
wurde. Man ist daher von dem Gebrauche dieser Maschine wieder vollständig 
abgekommen und nur eine wesentlich abgeänderte Konstruktion hat einigen 
Eingang gefunden. Nichtsdestoweniger hatte die Aufstellung im Musterlager 
den grossen Nutzen gestiftet, dass sie unsere Industrie von der Anschaffung 
der Maschine nahezu ganz abgehalten hat, während in andern Ländern da 
mit viel Geld verloren worden ist. Die stets historisch interessant bleibende 
Maschine befindet sich noch heute im Museum. 
Bald nachher traten im Musterlager die Gaskraftmaschinen auf. 
Die erste, System Lenoir, von einer Pferdekraft kam im April 1861 aus 
der Maschinenfabrik von Koch & Cie. in Leipzig zur Aufstellung (Gewerbebl. 
1860, S. 209, 1861, S. 150 und 193) und ging dann in das Eigentum des 
Musterlagers über, wo sie ebenfalls noch heute zu sehen ist. Zu Ende des 
selben Jahres folgte eine zweite gleichen Systems, von Marinoni in Paris 
konstruiert, welche von Müller & Link in Stuttgart aufgestellt wurde, und 
im Jahr 1863 eine dritte verbesserte von Gschwindt und Zimmermann in 
Karlsruhe. Alle diese Erstlingsversuche der Gaskraftmaschinen bewährten 
sich jedoch nicht. Ausser den Kosten bildeten die Unsicherheit des Ganges, 
das Versagen der Batterie, die starke Erhitzung und Abnützung des Zylinders 
wesentliche Hindernisse für ihre Anwendung (Gewerbebl. 1863, S. 155). Auf 
die später gefolgten, epochemachenden Verbesserungen derselben kommen 
wir weiter unten zu sprechen. 
Die Aufstellung der ersten Dampfmaschine im Musterlager erfolgte 
im Frühjahr 1863. Es war eine auf der zweiten Londoner Weltausstellung 
1862 erkaufte Lokomobile von 2 1 /* Pferdekräften von Tuxford & Sons in 
Boston, welche nicht nur als Muster, sondern auch dazu dienen sollte, zeit 
weise die im Maschinensaal aufgestellten Arbeitsmaschinen in Gang zu setzen, 
um deren Betrieb den Besuchern zu zeigen. Hiezu kam dann bald noch eine 
zweite, eine stehende dreipferdige Dampfmaschine von Benson in Nottingham.
	        

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