Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/45/
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gewerbes seit der internationalen Ausstellung des Jahres 1862 in London 
das Interesse des Publikums derartigen Altertümer-Sammlungen mächtig 
sich zugewendet hatte. 
Bei der Beantwortung derselben kam erstlinig in Betracht, dass in 
Württemberg eine Sammlung kunstgewerblicher Gegenstände aus früheren 
Zeiten in der Sammlung vaterländischer Kunst- und Altertumsdenkmale in 
Stuttgart bereits besteht, dass diese ihre Erwerbungen auch auf nicht schwä 
bische Erzeugnisse auszudehnen begonnen hatte, dass die beiden Museen 
verschiedenen Ministerien und Verwaltungen unterstellt sind und eine Ver 
einigung der kunstgewerblichen Abteilung der »Altertümer-Sammlung« mit 
unserem Museum nicht eingetreten war, ein konkurrierendes Nebeneinander 
arbeiten zweier Museen mit derselben Aufgabe auf dem gleichen Platze 
aber bei der Grösse des Landes ebensowohl wegen der Kosten als auch aus 
anderen naheliegenden Rücksichten als unthunlich erschien. 
Aber auch abgesehen von diesen vielleicht zum Teil vorübergehenden 
Gründen konnte sich das grosse Kollegium der K. Zentralstelle, in welchem 
die Industrie des ganzen Landes vertreten ist, zu einer Verwandlung des 
Musterlagers in ein Kunstgewerbemuseum mit ausschliesslich oder auch nur 
vorwiegend alten Gegenständen nicht entschliessen, denn es wäre dies 
gleichbedeutend gewesen mit einem Verlassen der Grundlage, auf welcher 
unser Museum sich aufgebaut hatte. Hiezu lag nach den gemachten Er 
fahrungen kein Anlass vor. Unser Museum ist stets ein Mittelpunkt der 
gesamten staatlichen Thätigkeit zur Förderung von Gewerbe und Handel, 
nicht bloss im Interesse der künstlerisch höheren Stufen gewerblicher Arbeit, 
sondern ganz besonders auch der unteren gewesen, und man hätte es im 
Lande gar nicht begriffen, warum, zumal in jetziger Zeit, nicht auch für 
den einfachen Handwerker mittels der durch ein technologisches Museum 
ermöglichten Anregung und Belehrung gesorgt werden wolle. 
Damit war die Erhaltung unseres Museums in seinem bisherigen Cha 
rakter als eine Pflicht der Regierung gegeben, und wenn auch bei der zu 
nehmend vielseitigeren Entwicklung der Gewerbe die der Zentralstelle damit 
zufallende Aufgabe als eine immer schwieriger zu erfüllende sich darstellt, 
so konnte es doch nicht unsere Sache sein, die Umwandlung des Museums 
in eine für ihre Thätigkeit nach manchen Richtungen bequemere Form, bei 
welcher es sich vorzugsweise um die Erwerbung alter kunstgewerblicher 
Gegenstände nach Kaufsgelegenheit und paraten Mitteln handelt, zu bean 
tragen, sondern vielmehr neuen Mut zur Erfüllung der grossen Aufgabe zu 
fassen. Ein solcher Entschluss war der in der Hand des Vorstands der 
K. Zentralstelle liegenden Museumsdirektion dadurch einigermassen erleichtert, 
dass die K. Zentralstelle durch ihre vielseitige Thätigkeit in den regsten Be 
ziehungen zu den Gewerbetreibenden steht und die Bedürfnisse derselben 
kennen zu lernen Gelegenheit hat. 
Diesen zu dienen, genügt es aber nicht, wenn die Gegenstände eines 
Museums dem Publikum nur hinter den Gläsern gezeigt, sie müssen den- 
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