Full text: Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart

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während unsere Pädagogen noch nichts davon wissen wollten. Diese An 
schaffungen bildeten den Grundstock zur Lehrmittelsammlung, des ältesten 
Instituts seiner Art in Deutschland. 
Freilich stiessen jene Wandtafeln, welche besonders die Verbreitung 
naturwissenschaftlicher Kenntnisse bezweckten, auf zum Teil heftigen Wider 
stand einzelner Kreise, doch siegte endlich der gute Kern, der in der Sache 
steckte, über befangenes Vorurteil und den Hang zum Altgewohnten. 
Die Vorführung dieser bis dahin bei uns ungewohnten Unterrichtsmittel 
in Ausstellungen und ihre Verwendung als Illustrations- und Demonstrations 
material bei Vorträgen fand allmählich Anklang, aber die in englischer 
Sprache abgefassten Texte waren der Einführung in Schulen hindernd im 
Wege. Da entschloss sich ein württembergischer Verleger (J. F. Schreiber 
in Esslingen), nach englischem Vorgang die Herausgabe ähnlicher Wand 
tafeln in deutscher Sprache und deutschen Verhältnissen angepasst, zu wagen. 
Mit richtigem Blick erfasst, gut ausgeführt und umsichtig vertrieben, fand das 
Unternehmen anfangs langsam, dann immer mehr seinen Boden und brachte 
dem Herausgeber allmählich den verdienten Erfolg, den Schulen aber be 
deutenden, nicht zu verkennenden Nutzen. Auf der Ausstellung zu Moskau 
im Jahre 1872 waren die Schreiberschen Wandtafeln von sechs verschiedenen 
Nationen zur-Ausstellung gebracht worden und es wird wohl gesagt werden 
dürfen, dass der Lehrmittelsammlung der K. Zentralstelle für Gewerbe und 
Handel in diesem Falle wie in vielen anderen das Verdienst gebührt, eine 
Anregung gegeben zu haben, die zu schönen Erfolgen geführt hat. 
Das Gebiet, welches hauptsächlich in der Lehrmittelsammlung vertreten 
ist, der Zeichenunterricht, wurde namentlich unter Berücksichtigung der 
Bedürfnisse der gewerblichen Fortbildungsschulen gepflegt und die Sammlung 
mit Zeichenvorlagen und Modellen aller Art ausgestattet. Einen reichen 
Zuwachs erhielt die Lehrmittelsammlung durch Uebernahme der Unterrichts 
mittel des mit der K. Zentralstelle verbunden gewesenen, nachher mit der 
Kunstgewerbeschule vereinigten Zeichensaales, der nach seinem langjährigen 
Leiter der Herdtlesche genannt war. 
Die in der Lehrmittelsammlung vorhandenen Bücher beziehen sich zum 
Teil auf den Zeichenunterricht, zum Teil dienen sie dem naturwissenschaft 
lichen und gewerblichen, sowie dem Unterricht in Haushalt, Gesundheits 
lehre etc. Die durch die Verhältnisse gegebene erstlinige Berücksichtigung 
der Fortbildungsschulen bedingt, dass die übrigen Schulen weniger bei den 
Anschaffungen in Betracht kommen können und die Zugänge in dieser 
Richtung hauptsächlich aus Schenkungen bestehen, die von seiten des 
K. Ev. Konsistoriums, des K. Kathol. Kirchenrates und einzelner Verleger 
der Sammlung zugewendet werden. 
Da der Zweck der Lehrmittelsammlung nicht ist, den Schulen des 
Landes die Anschaffung von Lehrmitteln durch Ausleihung zu ersparen, 
sondern den Lehrern durch Einsichtnahme des vorhandenen die Auswahl
	        

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