Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/66/
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Als die nach und nach von überallher zusammengebrachten plastischen 
Vorbilder auf eine Anzahl von etwa 2500 angewachsen waren, stellte man sich 
im Jahre 1859 die Aufgabe, dieselben in systematischer Weise zu ordnen 
und durch Einfügung von Ergänzungen zu einer übersichtlichen, möglichst 
abgerundeten Sammlung zu vereinigen, welche nicht bloss den Bedürfnissen 
des gesamten elementaren Zeichenunterrichts, sondern in aufsteigender Linie 
auch denjenigen des kunstgewerblichen und des technischen Unterrichts auf 
allen seinen Stufen und bis zu Spezialitäten hinaus Rechnung tragen sollte. 
Der hiefür gewählte Plan war folgender: Für geometrisches und Pro 
jektionszeichnen beschaffte man einfache geometrische Körper mit ihren 
Schnitten und Durchdringungen. Diese dienten zu den Vorübungen für 
das technische Zeichnen; für letzteres selbst wurden Modelle von 
Holz- und Steinverbindungen und von einfachen architektonischen Grund 
formen der verschiedenen Stilarten bis zu den sog. Säulenordnungen ge 
sammelt. —• Bezüglich des Freihandzeichnens handelte es sich vor 
allem darum, für den Anfang desselben stufenmässig geordnete Modellserien 
zu schaffen. Die Originale wurden teils in der eigenen Modellierwerkstätte 
(s. u.) angefertigt, teils bei tüchtigen Lehrern bestellt oder ausser Lands er 
worben. Unter letzteren finden wir jene Draht- und Holzmodelle für das 
perspektivische Freihandzeichnen, welches vor etwa 50 Jahren von den 
Malern Gebr. Dupuis in Paris ins Leben gerufen wurde, und eine interessante 
Serie auf Gipsgrund gesetzter Körperformen, bei welchen durch Zusammen 
stellung geometrischer Grundformen hübsche Kompositionen sich ergaben, 
welche schliesslich in Form einfacher Rosetten zum ornamentalen 
Zeichnen überführen und besonders zu Schattierübungen sich vorzüglich 
eignen. Zu letzterem Zweck wurde später eine noch einfachere Serie für 
den ersten Unterricht eingereiht. 
Es ruhte auf jener Zeit eine Morgendämmerung, welcher nach langem 
Schlummer ein Wiedererwachen des Kunstgewerbes folgte. Wie bei den 
(ebenfalls durch die Initiative der K. Zentralstelle ins Leben gerufenen) 
graphischen Vorlagenwerken die dekorative Richtung, der Zeitströmung 
folgend, die führende war, so wurde auch bei der Schaffung plastischer 
demselben Jahre ging diese Abendzeichenschule in den Ressort der inzwischen neugeschaffenen, 
aus der K. Zentralstelle hervorgewachsenen K. Kommission für die gewerblichen Fortbildungsschulen 
über. Mit Wirths Abtreten im Jahr I857 trat eine Stockung in dieser Schule ein. Bald aber brach 
das Bedürfnis nach einer solchen in verstärktem Masse wieder hervor. Dabei handelte es sich jetzt 
um Beschaffung eines Lokals für einen offenen Tag-Zeichen- und Modelliersaal der städtischen Ge 
werbeschule, welches auch in der Legionskaserne gefunden wurde. Neben der Frage der Gewinnung 
eines Lehrers hiefür trat zu gleicher Zeit das Bedürfnis der Bestellung eines Konservators für die 
inzwischen gross gewordene Ornamentensammlung der K. Zentralstelle und endlich noch das Be 
dürfnis der Aufstellung eines Visitators der gewerblichen Fortbildungsschulen des Landes auf. Es 
gelang, alle diese Stellen miteinander zu vereinigen und den Zeichenlehrer Eduard Herdtle von 
Schw. Hall damit zu betrauen. Die Schule entwickelte sich zu der nachher so bekannt gewordenen 
sog. Zentralschule, an welcher u. a. auch die weltbekannt gewordenen Herdtleschen Zeichenvorlagen 
werke entworfen und ausgearbeitet und auf welcher auch viele unserer Zeichenlehrer teils ganz, teils 
in einzelnen Fächern ihre Ausbildung gefunden haben. Herdtle wirkte in dieser Stellung vom Sep 
tember 1859 bis zu seinem Tode (10. November I878).
        

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