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Als die nach und nach von überallher zusammengebrachten plastischen
Vorbilder auf eine Anzahl von etwa 2500 angewachsen waren, stellte man sich
im Jahre 1859 die Aufgabe, dieselben in systematischer Weise zu ordnen
und durch Einfügung von Ergänzungen zu einer übersichtlichen, möglichst
abgerundeten Sammlung zu vereinigen, welche nicht bloss den Bedürfnissen
des gesamten elementaren Zeichenunterrichts, sondern in aufsteigender Linie
auch denjenigen des kunstgewerblichen und des technischen Unterrichts auf
allen seinen Stufen und bis zu Spezialitäten hinaus Rechnung tragen sollte.
Der hiefür gewählte Plan war folgender: Für geometrisches und Projektionszeichnen
beschaffte man einfache geometrische Körper mit ihren
Schnitten und Durchdringungen. Diese dienten zu den Vorübungen für
das technische Zeichnen; für letzteres selbst wurden Modelle von
Holz- und Steinverbindungen und von einfachen architektonischen Grundformen
der verschiedenen Stilarten bis zu den sog. Säulenordnungen gesammelt.
—• Bezüglich des Freihandzeichnens handelte es sich vor
allem darum, für den Anfang desselben stufenmässig geordnete Modellserien
zu schaffen. Die Originale wurden teils in der eigenen Modellierwerkstätte
(s. u.) angefertigt, teils bei tüchtigen Lehrern bestellt oder ausser Lands erworben.
Unter letzteren finden wir jene Draht- und Holzmodelle für das
perspektivische Freihandzeichnen, welches vor etwa 50 Jahren von den
Malern Gebr. Dupuis in Paris ins Leben gerufen wurde, und eine interessante
Serie auf Gipsgrund gesetzter Körperformen, bei welchen durch Zusammenstellung
geometrischer Grundformen hübsche Kompositionen sich ergaben,
welche schliesslich in Form einfacher Rosetten zum ornamentalen
Zeichnen überführen und besonders zu Schattierübungen sich vorzüglich
eignen. Zu letzterem Zweck wurde später eine noch einfachere Serie für
den ersten Unterricht eingereiht.
Es ruhte auf jener Zeit eine Morgendämmerung, welcher nach langem
Schlummer ein Wiedererwachen des Kunstgewerbes folgte. Wie bei den
(ebenfalls durch die Initiative der K. Zentralstelle ins Leben gerufenen)
graphischen Vorlagenwerken die dekorative Richtung, der Zeitströmung
folgend, die führende war, so wurde auch bei der Schaffung plastischer
demselben Jahre ging diese Abendzeichenschule in den Ressort der inzwischen neugeschaffenen,
aus der K. Zentralstelle hervorgewachsenen K. Kommission für die gewerblichen Fortbildungsschulen
über. Mit Wirths Abtreten im Jahr I857 trat eine Stockung in dieser Schule ein. Bald aber brach
das Bedürfnis nach einer solchen in verstärktem Masse wieder hervor. Dabei handelte es sich jetzt
um Beschaffung eines Lokals für einen offenen Tag-Zeichen- und Modelliersaal der städtischen Gewerbeschule,
welches auch in der Legionskaserne gefunden wurde. Neben der Frage der Gewinnung
eines Lehrers hiefür trat zu gleicher Zeit das Bedürfnis der Bestellung eines Konservators für die
inzwischen gross gewordene Ornamentensammlung der K. Zentralstelle und endlich noch das Bedürfnis
der Aufstellung eines Visitators der gewerblichen Fortbildungsschulen des Landes auf. Es
gelang, alle diese Stellen miteinander zu vereinigen und den Zeichenlehrer Eduard Herdtle von
Schw. Hall damit zu betrauen. Die Schule entwickelte sich zu der nachher so bekannt gewordenen
sog. Zentralschule, an welcher u. a. auch die weltbekannt gewordenen Herdtleschen Zeichenvorlagenwerke
entworfen und ausgearbeitet und auf welcher auch viele unserer Zeichenlehrer teils ganz, teils
in einzelnen Fächern ihre Ausbildung gefunden haben. Herdtle wirkte in dieser Stellung vom September
1859 bis zu seinem Tode (10. November I878).