Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/69/
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i. Nach der ersteren Richtung galt es, die Schulmodellsammlung zeit- 
gemäss zu ergänzen. Es wurden deshalb neue Modellserien ins Leben 
gerufen, welche speziell für das System des Zeichnens nach Modellen sowohl 
des technischen, als auch des Freihandzeichnens bestimmt sind. Mit diesen 
Schöpfungen suchte man Hand in Hand mit der K. Kommission für die 
gewerblichen Fortbildungsschulen, welcher der Vorstand der K. Zentralstelle 
gleichfalls präsidiert, einen Umschwung im gesamten Zeichenunterricht an 
zubahnen, wovon die Früchte schon deutlich zu erkennen sind. 
Im Gebiete des Freihandzeichnens war zwar, wie oben erwähnt, schon 
vor ca. 50 Jahren in Paris dieselbe Strömung wahrzunehmen, und die würt- 
tembergische Unterrichtsleitung hat damals sofort diese Methode des per 
spektivischen Freihandzeichnens nach Modellen an der Quelle studieren 
lassen, um sie an ihren Schulen allgemein einzuführen; allein wie so oft, 
so war auch hier kaum der Anstoss zu neuer Bewegung gegeben, als diese 
wieder ins Stocken geriet, um erst nach Jahrzehnten wieder mächtiger auf 
zutauchen. Anfänglich mit grosser Begeisterung betrieben erlahmte die neue 
Zeichenmethode allmählich. Die Lehrer jener Zeit griffen um so lieber zu 
dem ihnen gewohnteren Zeichnen nach ornamentalen Vorlagen, insbesondere 
zur Flächendekoration zurück, als sie erkannten, dass sie mit dieser leich 
teren Methode für die Schulausstellungen weit mehr in die Augen fallende 
Erfolge erzielen können, als mit der schwierigeren des freien Körperzeichnens. 
Als nun vor etwas mehr als einem Jahrzehnt aus Künstler- wie aus Laien 
kreisen Stimmen laut wurden, welche beklagten, wie wenig das allerorts 
betriebene ornamentale Zeichnen für diejenigen geeignet sei, welche sich 
einem der Kunst fernerstehenden Berufe widmen, da trat eine langsame 
Wendung ein. Es wurde namentlich von seiten der Laien darauf hin 
gewiesen, wie sehr viele gebildete Menschen es schmerzlich empfinden, 
dass sie nach jahrelangem Sichabquälen im Schulunterrichte in späteren 
Jahren nicht einmal im Stande seien, den einfachsten körperlichen Gegen 
stand, etwa zur Erinnerung an - Reiseerlebnisse etc. richtig auf das Papier 
zu bringen. 
Wenn auch derartige Anschauungen ein Kopfschütteln bei manchen 
Zeichenlehrern hervorriefen, so gaben sie doch für viele den Anlass, im 
Stillen auf Methoden zu sinnen, welche den Zeichenunterricht nach jener 
Richtung in neue Bahnen lenken könnten. Professor Conz in Stuttgart ist 
hiebei zuerst vorangegangen, indem er in der beim eigenen Unterrichte am 
K. Katharinenstift gewonnenen Erkenntnis das Zeichnen nach einfachen 
Körpermodellen in der Weise einführte, dass er aus Pappe zunächst die 
einfachsten Gebäudeformen herstellte und dann, aufsteigend bis zu malerischen 
Gebäudegruppen, Motive für das perspektivische Körperzeichnen schuf, 
welche sich als eine geeignete Vorstufe für das Landschaftszeichnen nach 
der Natur erwiesen. Als Ergänzung zu diesen Conzschen Pappmodellen hat 
auch die K. Zentralstelle eine Serie einfacher Gebäude', Türme, Portale, 
Brücken, Treppen und einfachster Möbel ins Leben gerufen, welche für eine
        

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