Title:
Das K. Württembergische Landes-Gewerbemuseum in Stuttgart
Creator:
Württemberg. Landesgewerbeamt Gaupp, Robert Gärttner, Oskar von Dolmetsch, Heinrich Knoblauch, August Petzendorfer, Ludwig
Shelfmark:
1Aa 147
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1484296054802/78/
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der nötigen Vervollständigung der Sammlung durch neue Modelle, die Ver 
vielfältigung ihrer Modelle in eigene Regie zu nehmen; so wurde nach ein 
geholter Genehmigung des K. Ministeriums des Innern vom 7. Juli 1865 
eine eigene Gipsgiesserei und Holzmodelldrechslerei im Mansarden 
stock der Legionskaserne, Seite der Tübingerstrasse, errichtet und als Modelleur 
der Zeichenlehrer Bo fing er von Göppingen bestellt. 
Die Erzeugnisse dieser Gipsgiesserei gewannen bald einen grossen Ruf; 
auch aus dem Auslande liefen zahlreiche Bestellungen ein, oft mit der Be 
merkung, dass man nur in Stuttgart wirklich gute, dem Bedürfnis der 
Schulen entsprechende Vorlagen und zu billigen Preisen bekomme. Von 
der Preisliste musste bald eine neue Auflage, mit weiteren Blättern, bereichert, 
veranstaltet werden. 
Im Jahr 1868 trat an die Stelle des Modelleurs Bofinger der Formator 
Sigwart. 
Bei Fertigung der Modelle blieb auch ferner das unausgesetzte Augen 
merk darauf gerichtet, immer wieder neuen guten Stoff für die Schulen zu 
bieten und den alten Ruhm der Anfertigung neuer Schulmodelle als eigener 
Schöpfungen zu bewahren. Zur weitereren Förderung der Sache wurde im 
Jahr 1873 mit der Wittwersehen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart ein 
Vertrag abgeschlossen, wonach dieselbe die Verbreitung der Preisliste und 
den Vertrieb der Modelle auf buchhändlerischem Wege in die Hand nahm. 
Nach dem Tode des Formators Sigwart (März 1884), welchem die Füh 
rung der Geschäfte in der Modellierwerkstätte nahezu 16 Jahre lang anver 
traut gewesen war, wurde der Modelleur Kreiser an dessen Stelle berufen. 
Um einen ausgedehnteren Betrieb der Werkstätte zu ermöglichen, 
wurde die Aufnahme von Lehrlingen eingeführt. Diese finden sich stets 
leicht, weil ihnen, neben der praktischen Erlernung der Gipsgiesserei selbst, 
noch Gelegenheit zu künstlerischer Ausbildung gegeben ist, dadurch dass 
man sie in der K. Baugewerkeschule und in der städtischen Gewerbeschule 
am Modellierunterricht teilnehmen lässt. Aus der Werkstätte sind schon 
sehr tüchtige Männer hervorgegangen. 
Die in den gleichen Händen, wie die Sammlung der Gipsabgüsse, lie 
gende Verwaltung der Modellierwerkstätte erkannte in der Vervielfältigung 
der grossen Anzahl von Schulmodellen immer mehr eine lästige Hemmung 
für die selbständige Weiterentwicklung des Instituts. Um den Betrieb der 
selben nicht — etwa durch Einstellung weiterer Gehilfen — in allzu ge- 
schäftsmässige Bahnen leiten zu müssen, entschloss sich der Präsident der 
K. Zentralstelle im Jahre 1887, der Wittwerschen Verlagsbuchhandlung auch 
die Vervielfältigung der älteren Modellserien zu überlassen gegen die Ver 
pflichtung, den württembergischen Schulen bei Bestellung fraglicher Modelle 
einen Rabatt von 33 ‘/s ü /° zu gewähren. 
Damit begann für die Modellierwerkstätte eine neue Entwicklungsperiode. 
Einerseits konnte man nunmehr Zeit finden, die oben S. 57 ff- besprochenen 
neuen Modellserien, über welche eine Preisliste in Lichtkopie angefertigt
        

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