Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

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BAUZEITUNG 
NR. 12' 
werke ausgegeben und hat trotzdem unter allen größeren 
württembergischen Städten die geringste Gemeindesteuer. 
Der Grundstückshandel spielt sich fast ganz auf dem Rat 
haus ab. Die Stadt macht den Unternehmern hygienische 
und architektonische Vorschriften. Sie hat eine Bau 
ordnung eingeführt, nach der keine Hinterhäuser errichtet 
werden dürfen. Ein besonderes Augenmerk wurde aui 
die Schaffung von Arbeiterwohnungen, Eigenhäusern für 
ein bis zwei Familien, gerichtet. DasKapital hat die Stadt 
zu 3 °/ 0 erhalten und gibt es ebenso weiter. Bisher sind 
250 solcher Häuser gebaut. Der Besitzer hat zu zahlen 
3°/o Zinsen und 2 1 /. 2 0 / 0 Amortisation, zusammen jährlich 
rund 330 M. Eine Wohnung kann er vermieten für 
150 M., ist also für 180 M. jährlich Eigentümer des 
Hauses, das Rückkaufsrecht der Stadt auf 100 Jahre 
zwingt die Leute zur Sorgfalt und Ordnung. — Der 
Stadtgemeinde Ulm war vom Grundbuchamt der Eintrag 
einer Vormerkung im Grundbuch der von mittleren Be 
amten gegründeten „Ulmer Baugenossenschaft“ zu dem 
auf dem betr. städtischen Grundstück eingeräumten Erb 
baurecht verweigert worden. Den Gegenstand der be 
antragten Vormerkung bildet der Anspruch der Stadt 
gemeinde Ulm auf dereinstige Uebertragung des Eigentums 
an den kraft Erbbaurechts auf ihrem Grundstück zu 
erstellenden Gebäuden der Baugenossenschaft. Gegen 
diese abweisende Verfügung, der das Amtsgericht beitrat 
und die damit begründet war, daß die auf dem Erbbau 
grundstück zu errichtenden Gebäude im Gegensatz zum 
Grund und Boden „bewegliche“ Sachen seien und somit 
die Vorschriften für Grundstücke darauf keine Anwen 
dung finden, erhob die Stadtgemeinde Ulm Beschwerde 
beim Landgericht. Durch Beschluß der Zivilkammer 
wurde angeordnet, daß das Grundbuchamt die von der 
Stadtgemeinde Lllm beantragte Vormerkung im Grund 
buch einzutragen habe. 
Eine Ehrung füe Obeebaueat Peoeessoe De.-Ing. 
Käel Schäeee fand am 4. März in der Technischen 
Hochschule in Karlsruhe statt. Es handelte sich um die 
Uebergabe seines Bildnisses, dessen Stiftung von dem Fest 
ausschuß bei der Berliner Feier von Schäfers 25jähriger 
Lehrtätigkeit am 18. Juli 1903 unter allseitigem Beifall 
angeregt wurde. Als der berufenste Meister war hierzu 
Lenbach ausersehen, dessen Tod das Vorhaben leider 
vereitelte. Sein Schüler Leo Samberger in München hat 
nun den Auftrag trefflich zur Ausführung gebracht. Die 
Uebergabe erfolgte mit kurzer Ansprache eines Ausschuß 
mitgliedes. 
München. Der Architekt Prof. August Thieesch wurde 
von der Kgl. Bayrischen Akademie der Künste in München 
zum Ehrenmitgliede ernannt. 
Nürnberg. Die langwierige und schwierige Restaurie 
rung der Sebaldus-Kirche steht endlich vor ihrer Voll 
endung. Im Sommer hofft man das kostspielige Werk 
beenden zu können, zu dessen Verzögerung auch das oft 
gefährlich langsame Zufließen der notwendigen Geldmittel 
beigetragen hat. Roch jetzt fehlen 50- bis 60 000 M., 
obgleich man bereits ein Bankdarlehen von 30 000 M. auf 
genommen hat. Die Gesamtkosten der Restaurierungs 
arbeiten werden sich im ganzen auf annähernd 1250 000 M. 
belaufen. 
Ein Stadttheatee in Bremeehaven ist durch die Stadt 
verordneten zu errichten beschlossen worden. Die Bau 
summe ist mit rd. 850 000 M. angenommen. 
Neue Hbissdamef - Schnellzugslokomotive. Auf der 
Bahnstrecke Breslau—Sommerfeld fanden kürzlich Ver 
suchsfahrten statt mit einer von der Maschinenbauanstalt 
Breslau unter Mitwirkung des Geh. Baurats Garbe-Berlin 
konstruierten neuen Heißdampf - Schnellzugslokomotive, 
wobei die Dampfüberhitzung mittels eines Rauchröhren 
überhitzers erfolgt, die Kessel bedeutend umfangreicher, 
die Treibräder auf 2100 mm, der Zylinderdurchmesser 
auf 550 mm vergrößert sind. Mit 36 Achsen wurde bis 
her mit Leichtigkeit 110 km Stundengeschwindigkeit er 
reicht, zeitweise sogar 116. 
PERSONALIEN 
BADEN. Ernannt: die Regierungsbauführer H. AnzT-Michelstadt, 
A. DiäLP-Darrnstadt, A. HELD-Frankfurt o. M., L. IcKES-Belhnuth, 
G. Ki.ein-Babenhausen, R. Marx-Dannstadt, O. Pein-Rathenow, 
J. ScniMPF-Ostheim zu Regieruugsbaumeistern. 
BÜCHER 
Das seit einiger Zeit angekündigte SONDERHEFT DER „BERLINER 
ARCHITEKT URWELT“ ÜBER ALFRED MESSEL ist bei Ernst 
Wasmuth A.-Gr. in Berlin erschienen und entspricht den Erwartungen, 
die bezüglich dieser Veröffentlichung gehegt wurden. Das in vielen 
Werken oft inhaltslose Vorwort nimmt den Leser sofort in seinen 
Bann. Bringt es doch eine ausführliche Darstellung von Messels 
Werdegang und Wirken, für jüngere und ältere Architekten gleich 
interessant. Mancher neue Zug des großen Berliner Meisters wird 
uns aufgeschlossen, und wir können uns in das Entstehen seiner 
reizvollen und mustergültigen Arbeiten hineinleben. Die zahl 
reichen Lichtdrucke des Sonderheftes führen eine beredte Sprache 
von dem kraftvollen Schaffen eines Mannes, der unermüdet alles 
daransetzt, seine bisher anerkannten Arbeiten durch noch ge 
diegenere, schönere zu übertreffen. Die Achtung, die man Messel 
allseitig zollt, gibt auch das ermutigende Zeugnis, daß wahre, ge 
diegene Kunst mehr und mehr wieder geschätzt und verstanden 
wird. In dem vorliegenden Hefte sind insbesondere Messels neuere 
Schöpfungen vertreten. Es sind kleine und große von ihm aus 
geführte Bauten, die zur Darstellung gelangen, so z. B. Museum in 
Darmstadt, verschiedene Villen und Wohnhäuser, Schloß Schönrade, 
Palais in Dessau, Lettehaus, Landesversicherungsanstalt und National 
bank in Berlin, neuer Teil des Wertheim-ßaues u. s. w. Im ein 
zelnen werden die beigegebenen reizvollen Details und Interieurs 
viel Anregung bieten. Wir wünschen dem Buche eine weite Ver 
breitung; möge es die Erwartungen der Herausgeber erfüllen: daß 
es mithelfe, einen gesunden Sinn und Geschmack für unsre Bau 
kunst zu schaffen. 
EINGBLAUFBN: 
DER MODERNE ZIMMBRMANN. Herausgegeben von Jos. Hen 
nings, Architekt, Stuttgart. Vollständig in 10 Lieferungen ä 3 M. 
Verlag Otto Maier in Ravensburg. 
AUFNAHMEN ALTBÄUERLICHER GEHÖFTE aus vormals 
Hennebergischen Bezirken. Ausgeführt auf Anregung und mit Unter 
stützung des Herzog!. Sachsen-Meiningensohen Staatsministeriums 
von Schülern des Technikums Hildburghausen. Heft 1. Aufgenom 
men im Sommer 1904 unter Leitung der Architekten C. Ebeling und 
L. Geißler. Mit einem Begleitwort von Oberbaurat E. Fritze in 
Meiningen. Zu beziehen durch das Technikum Hildburghausen. 
VERWALTUNGSBERICHT über das II. Geschäftsjahr und Be 
richt über die II. Ausschußsitzung des unter dem Protektorate 
Seiner Königlichen Hoheit des Prinzen Ludwig von Bayern stehen 
den Museums von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik 
in München. Druck von R. Oldenbourg in München. Mit einer 
Abbildung des Modells für den Museumsneubau nach dem Projekte 
von Prof. Dr. ing. Gabriel v. Seidel. 
ARCHITEKTONISCHE FORMENLEHRE. Herausgegeben von 
E. Bischöfe und F. E. Meyer in Karlsruhe. Erscheint in 10 Lie 
ferungen ä 3 M. Verlag Carl Scholtze-Leipzig. 
DIE BESTELLUNG DER BAUZEITUNG 
für das II. Vierteljahr 1906 ersuchen wir sofort zu er 
neuern, damit in der Lieferung keine Verspätung eintritt. 
Neubestellungen erfolgen am einfachsten durch die Post. 
— Inserate sind hei der wachsenden Verbreitung der 
„Bauzeitung“ von wirksamstem Erfolg. 
Verlag der Bauzeitüng. 
REDAKTION: ADOLF FAUSEL, STUTTGART; FRITZ SCHMIDT, ARCHITEKT, DIPL. 
ING., DEGERLOCH. ADRESSE FÜR ALLE SENDUNGEN: BAUZEITUNG-STUTTGART, 
HKGBLSTHASSE 68 IL DRUCK: DEUTSCHE VERLAGS-ANSTALT IN STUTTGART
	        

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