7. APRIL 1906
BAUZEITUNG
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kann durch Vorhänge oder andre Einrichtungen
geschwächt werden. Nach den neuesten Anschauungen,
wie sie insbesondere beim Nürnberger
Kongreß 1904 zum Ausdruck kamen, sollen Schulräume
nur vor oder nach dem Unterricht von
direkten Sonnenstrahlen belichtet werden. Diese
Ansicht wird auch durchweg von dem Oberamt
und Oberamtsphysikat Leonberg auf Grund praktischer
Erfahrungen geteilt, und hiernach dürfte
über die Lage jetzt der Grundsatz gelten: Die
Schulräume sind am besten nach Nordosten oder
Nordwesten zu legen. Auch die herrschenden
Windrichtungen sollten nicht unberücksichtigt
bleiben. Da in Deutschland die gewöhnliche
Windrichtung von Südwesten nach
Nordosten und umgekehrt ist, so wird ein
in dieser Lichtung stehendes Schulgebäude
dem Winde die geringste Fläche bieten. Es
wird wohl selten der Fall sein, daß
ein allen diesen Anforderungen entsprechender
Schulbauplatz gefunden
wird. Es bleibt dann nur übrig,
dem Schulgebäude die Stellung so „»
zu geben, wie diese den baulichen
Erfordernissen und sonstigen in Betracht
zu ziehenden Bedingungen
am besten entspricht.
Die Beleuchtung der Schulsäle
soll für die Hegel durchaus von
der linken Seite erfolgen. Fenster
in der Rückwand sind zwar vielfach
üblich, sie sind aber für den
Lehrer störend und für die Erhellung
der Schulbänke nur wenig
förderlich. Fenster in der Seitenwand
rechts von den Schülern
können für die Beleuchtung sehr
breiter Schulzimmer von Nutzen sein, wenn sie so klein
sind oder so weit verdunkelt werden, daß sie höchstens
ein Viertel von dem zur Erhellung der Arbeitsplätze beitragen,
was die linken Fenster liefern. In Baden ist
es, sofern von links oder hinten nicht genügend Licht
beschafft werden kann, gestattet, in 2,50 m Höhe über
dem Boden Fensteröffnungen an der rechten Langseite
anzubringen. Die Fenster an andrer als der linken Seite
leisten bei Lüftung und insbesondere bei Besonnung von
nach Norden gelegenen Schulzimmern während der Pausen
gute Dienste. Fenster an den Kathederwänden sind indes
wegen der Blendung unzulässig.
Das Verhältnis der Fensterfläche zur Fußbodenfläche
hat in Württemberg, Baden und Oesterreich bei vollkommen
freier Lage des Schulgebäudes wenigstens 1; 6,
bei beschränktem Lichteinfall bis zu 1:4 zu betragen. Für
die Saaltiefe gilt bei uns die Bestimmung,'daß sie höchstens
gleich der zweieinhalbfachen Höhe des Fensterscheitels über
der Ebene der Schulbankpulte sein soll. Dies kann ohne
Bedenken dahin abgeändert werden, daß diese Entfernung
bis zur Mitte des entferntesten Sitzplatzes gesecaimisamiii-
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ERDGESCHOSS-GRUNDRISS
Schulhaus in Biusdorf. Architekt Prof. Th. luscher-Stuttgart
rechnet wird. Bei der bei uns vorgeschriebenen Mindesthöhe
der Schulzimmer von 3,40 m und der meist üblichen
Saaltiefe von 7 m ist dies auch schon länger ohne Anstand
so ausgeführt.
Die lichten Höhen sind übrigens, sonst nicht höher,
so in Baden 3,50 m, in Oesterreich für Dorfschulen 3,80 m,
für Stadtschulen 4,50 m. Als neue Forderung gilt, daß
von jedem Arbeitsplatz aus der Himmel zu sehen sein
müsse. In Oesterreich soll von den ungünstigsten Plätzen
aus der Himmel bis zu einer Höhe von 60 cm unter den
Fenstersturz herab gesehen werden können. Beim Nürnberger
Kongreß 1904 wurde die Forderung gestellt, daß
unter der Annahme senkrechten Einfalls der Lichtstrahlen
jeder Arbeitsplatz Licht von mindestens 50 Quadratgraden
Himmelsgewölbe empfangen müsse, um stets ausreichend
beleuchtet zu sein.
Bezüglich der Fensterpfeiler ist als Maximalbreite festgesetzt
in Baden 1,20 m, Px-eußen 1,25 m, Württemberg
zui’zeit noch 1,30 m, nach der zu erwartenden neuen Verfügung
1,20 m.
Da weiter das Licht, welches unter Tischhöhe einfällt,
unnütz ist und durch Blendung schaden kann, so
sollen die Brüstungshöheu in Württemberg und Baden
nicht unter 1 m, in Oesterreich nicht unter 1,10 m hergestellt
werden. Endlich ist noch zu bemerken, daß die
obere Begrenzung der Fenster möglichst gegen die Decke
gei'tickt und wagerecht oder flachbogig, nie aber rund- oder
spitzbogig herzustellen ist, um einen möglichst günstigen
Lichteinfall zu erhalten. (Schluß folgt.)
Ideen von Olbrich
Unter dieser Spitzmarke bringen wir heute unter der
Rubrik „Bücher“ eine Besprechung des im Verlag von
Baumgärtners Buchhandlung in Leipzig in zweiter Auflage
erscheinenden Werks „Ideen von Olbrich“. Da es