Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-3,1906
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1906/131/
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BAUZEITUNÖ 
Nr. 15 
Doppelwohnhaus in Pforzheim. Architekten: Faller und Preckel 
von H. Wahl in Pforzheim und Naudascher in Karlsruhe 
ausgeführt. Das Dach ist mit lauter Schiefer, die beiden 
Ecktürme mit Kupfer gedeckt. 
Wohnhaus am Haspeltnrm,Vaihingen a.E. 
Architekt E. Fink 
Bei diesem Plan lag die Aufgabe vor, ein Miethaus 
in einfacher Ausführung dem nahestehenden alten Turm 
der früheren Stadtbefestigung anzupassen. Es ist eine 
Aufgabe, die in unsern alten Städten oft Vorkommen 
kann und die leider nur zu oft durch die Bestimmung 
des Bauherrn, ein möglichst großstädtisch aussehendes 
Gebäude zu erzielen, dem Bauleiter schwer gemacht wird. 
Der Architekt suchte in vorliegendem Projekt der Auf 
gabe durch Anlehnung an Bestehendes gerecht zu werden. 
Dem Turm entsprechend wurden unter Vermeidung un 
nötigen Ballastes die Gliederungen einfach gehalten. 
Sockel und Einfassungen bestehen aus bossierten Hau 
steinen, die an Ort und Stelle billig zu haben sind. Die 
Erkerausbauten haben flächig behauene Sandsteine, die 
übrigen Flächen sind geputzt. Mögen die baulustigen 
Angrenzer dasselbe Interesse für die Erhaltung des alten 
Stadtbildes zeigen! 
Zur V orl) i Idungsfrage < ler Bauwerkmeister 
Mitgeteilt vom Württ. Baubeamten-Verein 
Es sind nun bald zwanzig Jahre, daß die Vorbildungs- 
frage die mittleren Bautechniker Württembergs beschäftigt. 
Bis zum Jahre 1899 waren es in dem Bauwerkmeister 
verein des Landes hauptsächlich die Baubeamten, als: 
Bahnmeister, technische Sekretäre, Bauamtswerkmeister, 
Straßenmeister u. s. w., welche fortgesetzt den Buf nach 
einer besseren und gleichen Vorbildung des Standes er 
hoben. Es ist leicht zu verstehen, daß die Baubeamten 
es in ihrer Tätigkeit am ehesten und meisten verspürten, 
daß die derzeitige wissenschaftliche Vorbildung mit dem 
Fortschreiten der technischen Errungenschaften nicht 
gleichen Schritt hielt. Nachdem Ende der 90er Jahre des 
verflossenen Jahrhunderts bei sämtlichen 
andern mittleren Beamtenkategorien und 
den Geometern die Anforderungen für 
die Ablegung ihrer Staatsprüfungen nicht 
in sachlicher Beziehung allein, sondern 
vorzugsweise in Beziehung auf die „All 
gemeinbildung“ höher gestellt wur 
den, hätte man glauben sollen, daß diese 
Bedingungen auch auf die mittleren Tech 
niker — wenigstens soweit dieselben Be 
amte sind — ausgedehnt würden. Selbst 
der Laie wird es verstehen, daß für diese 
Beamte die Allgemeinbildung mindestens 
ebenso wichtig und nötig ist als für die 
andern mittleren Beamten des Staats 
und Gemeindedienstes. Es geschah aber 
nichts derartiges. Da nun im Verein der 
Bauwerkmeister eine Mehrheit für eine 
energische Unterstützung der dahin zielen 
den Forderungen der Baubeamten trotz 
jahrelangen Ansturms nicht zustande kam, 
so gründeten diese Beamte — der Not 
gehorchend — im November 1899 den 
„Württ. Baubeamten-Verein“ unter dem 
Zeichen der Vorbildungsfrage. 
Dieser Verein wendete sich dann 
schon am 4. Mai 1900 an das Kgl. Kult 
ministerium mit der Bitte: 
„Für diejenigen Schüler der 
Baugewerkschule, welche vor dem 
Besuch sich die Bildungsstufe eines 
Einjahrig-Freiwilligen nicht erwor 
ben haben, eine etwa nach der III. Klasse zu 
machende, entsprechende Vorprüfung zur Werk 
meisterprüfung einzurichten.“ 
Nachdem innerhalb eines Jahres ein Bescheid hierauf 
nicht erfolgte, glaubten wir — vielleicht mit Recht —, 
es wäre besser, diese Forderung nur auf solche Techniker 
zu beschränken, welche sich der Beamtenlaufbahn widmen 
wollen. 
Wir wiederholten daher am 17. Mai 1901 diese Bitte 
ans Kgl. Kultministerium, und zwar 
„um Einführung einer wissenschaftlichen Vor 
prüfung zur Werkmeisterprüfung oder einer be 
sonderen niederen Staatsprüfung für zukünftige 
Baubeamte“. 
Schon am 22. Mai 1901 erhielten wir nun von diesem 
Ministerium die Mitteilung, daß über die Revision der 
Werkmeisterprüfung und die damit zusammenhängende 
Frage der Einführung einer Vorprüfung zu derselben 
Verhandlungen zwischen den beteiligten Kgl. Ministerien 
der auswärtigen Angelegenheiten, Abteilung für die Ver 
kehrsanstalten, des Innern, des Kirchen- und Schulwesens 
und der Finanzen im Gange seien. 
Durch Verfügung des Ministeriums des Kirchen- und 
Schulwesens vom 13. Mai 1902 wurde nun bestimmt, daß 
vom Jahr 1903 bezw. 1906 ab für die Bauwerkmeister 
prüfung eine Vorprüfung einzurichten bezw. zu 
erstehen sei. 
Dies war sehr zu begrüßen, denn es wurde hierdurch 
der Bauwerkmeisterprüfung der vollständige Charakter 
einer technischen Fachprüfung verliehen, was bisher nicht 
der Fall war. Diese Vorprüfung war nun aber nicht so 
eingerichtet, daß ihr in allgemein wissenschaftlicher Be 
ziehung die Bedeutung der Prüfung für das Einjährig-Frei 
willige zugekommen wäre. Hiermit war endgültig zum 
Ausdruck gebracht, daß die wissenschaftliche Befähigung 
zum einjährig-freiwilligen Militärdienst an der Baugewerk 
schule nicht erreicht werden kann bezw. nicht verliehen 
werden will. Und es ist gut so. 
Wir wandten uns daher am 13. Oktober 1902 an das 
Kgl. Ministerium des Innern mit der Bitte:
        

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