Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-3,1906
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1906/156/
5. Mai 1906 
BAUZEITUNG 
141 
Abb. 11. Eisenbetonkanal beim Simplontunnel 
Die über den Stützen sonst übliche Youte oder konsol- 
artige Ausrundung, welche infolge der großen negativen 
Momente notwendig ist, kann durch eine Erhöhung der 
Rippen, wie in Abb. 16, ausgeführt werden. Die Platte 
folgt dieser Verstärkung nach und wird dadurch gleich 
zeitig eine gute Entwässerung der Brücke erzielt. Durch 
Annahme von Balken, bei welchen die Rippen nach oben 
angeordnet werden, können diese Vouten wegbleibeu, weil 
Abb. 10 b 
die Platte zur Aufnahme der Druck 
spannungen mitwirken kann. 
Beträgt die zu überbrückende Spann 
weite bei vorhandener Bauhöhe mehr 
als 30 m, so kommen Bogenträger (in 
Eisenbeton bis 70 m Spannweite aus 
geführt) in Anwendung. Ist die Bau 
höhe beschränkt, so lassen sich, wenn 
eine rationelle Materialausnutzung erzielt werden soll, mit 
Vorteil kontinuierliche Balken ausführen. Die Bauhöhe 
kontinuierlicher gerippter Plattenbalken ändert sich mit 
der Belastung und beträgt bei Straßenbrücken */ 15 bis */ 18 1 
für die Mitte und V10 bis !/) 3 1 am Auflager; je nachdem 
Schotter oder Asphalt verwendet wird, muß dieses Maß 
um 25 bis 30 cm resp. 5 cm erhöht werden. Ist die Bauhöhe 
beschränkt, so wird die Fahrbahn nach „unten“ verlegt. 
Eine solche Brücke mit versenkter Fahrbahn ist von Henne- 
bique (Le beton arme, 1906) ausgeführt worden, wobei die 
Balken über 3 Stützen mit je 10 m Spannweite zur Ver 
wendung kamen. In solchen Fällen hängt die Bauhöhe 
von der Brückenbreite allein ab und beträgt das Mindest 
maß für Straßenbrücken • b (b = Brückenbreite). 
Das Eigengewicht durchlaufender Rippenbalken 
laufenden Meter kann annähernd mit 
G = 80 X 1 -f- r X 360 für Schotterbelag 
O = 80 X 1 + r X 75 für Asphaltbelag 
bemessen werden, wobei r die Entfernung der 
Rippen von Mitte zu Mitte bedeutet (1 und r in 
Metern ausgedrückt). Gegenüber getrennten ein 
zelnen Oeffnungen bieten kontinuierliche Balken 
träger den Vorteil, weniger Pfeiler und die damit 
verbundenen teuern Fundierungen zu gebrauchen, 
weil dieselben größere Spannweiten zulassen, und 
sind auch sonst billiger als einfache Balkenträger, 
die bei gleicher Spannweite mehr Material er 
heischen. Ferner bieten dieselben gegenüber 
mehreren einfachen 
Balken gleicher Spann 
weite eine größere Stei 
figkeit gegen seitliche 
Einwirkungen, zeigen 
kleinere Durchbiegun 
gen und können die 
Pfeiler, trotzdem die 
Stützendrücke hier grö 
ßer sind, schmäler ge 
halten werden, wodurch 
das vorgesehene Durch- 
flußprolil u. s. w. nur 
wenig beeinträchtigt 
wird. Wenn auch die 
V orteile durchlaufen 
der Träger gegenüber 
einfachen Balken nicht 
überschätzt werden 
müssen, so haben sich 
die ersteren, wenn aus 
Eisenbeton ausgeftihrt, sehr gut bewährt. Oft tritt bei 
kontinuierlichen Trägern keine bedeutende Verminderung 
der angreifenden Kräfte und Biegungsmomente ein, viel 
mehr findet nur eine Verschiebung derselben statt. Darauf 
kommen wir noch zurück. 
Bauweisen, bei welchen es sich darum handelt, fertige 
Balken an Ort und Stelle zu verlegen, können hier kaum 
in Betracht kommen. Außer dem, daß dabei ein wichtiger 
Vorteil aufgegeben werden muß, nämlich 
der einer monolytischen Gestaltung des 
Bauwerkes, werden fertige Balken schon 
bei nicht bedeutenden Spannweiten sehr 
schwer. Es sei, daß solche lange Balken 
am Ufer zum Beispiel erstellt und über 
den Stützen — wie die eisernen — verschoben werden. 
Der sehr gerühmte Vorteil dieser Balken, nämlich die 
kurze Bauzeit, müßte dann auch aufgegeben werden, weil 
die gewählte Bauart dieselbe Zeit in Anspruch nimmt. 
Visintini, der fertige einfache Balken herstellt, hat es 
bis jetzt vorgezogen, solche Brücken aus der Länge nach 
nebeneinander gelegten Trägern auszuführen. Eine solche 
Brücke mit Oeffnungen bis 17 m, bestehend aus je zwei 
pro 
Abb. 14. Eahrbahnkonstruktion. Grundriß
        

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