Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

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BAUZEITUNÖ

Nr.  23

Waisenhaus  Straßburg,  angekauftes  Projekt

Architekt  Prof.  R.  Berndl-München

und  zwar  so,  daß  an  den  vielen  Bildwerken  manches
fehlt,  besonders  aber  an  dem  unteren  verzierten  Teil  des
Brunnenstockes.  Unten  an  den  äußersten  vier  Strebepfeilern ­
  sind  sämtliche  Fialen  abgeschlagen,  ebenso  ist
von  den  Bekrönungen  über  den  geharnischten  Bittern,
außer  einigen  Bruchstücken,  weniges  mehr  vorhanden;
desgleichen  ist  von  der  ganzen,  zierlich  gehaltenen  Ornamentik, ­
  dem  vielen  Blätterwerk  und  den  Kreuzblumen
beinahe  nichts  mehr  in  gutem  Zustande.  Die  Gebrechen
sind  derart,  daß  die  ursprünglichen  Formen  des  Brunnens
nur  aus  vorhandenen  Bruchstücken  ergänzt  und  gezeichnet
werden  konnten.  Eine  Wiederherstellung,  die  sich  nicht
bloß  auf  den  Brunnenstock  mit  dem  im  Innern  befindlichen ­
  Wasserkessel,  sondern  auch  auf  die  Bild-  und
ornamentalen  Beiwerke  desselben  auszudehnen  hat,  ist
sehr  dringend  und  sollte  ohne  Verzug  eingeleitet  werden,
wenn  nicht  das  Kunstwerk  seinem  Ende  entgegengeftihrt
werden  soll.  Bei  näherer  Untersuchung  desselben  ergab
sich  auch,  daß  das  Ganze,  namentlich  die  Figürchen  und
das  Standbild,  polychromisch  übermalt  und  die  ornamentalen ­
  Verzierungen,  Fialen  und  Blumen  vergoldet
waren.  Leider  wurde  diese  Uebermalung  und  Vergoldung
vor  Jahren  durch  einen  seifenartigen  Anstrich  übertüncht,
der  jetzt  wohl  schwerlich  mehr  zu  beseitigen  sein  wird.“
Seit  der  Beisbarthschen  Bestaurierung  war  nichts  mehr
für  den  Brunnen  geschehen,  bis  die  neueste  Untersuchung
desselben  die  obengeschilderten  Schäden  und  Defekte
ergab,  die  eine  Erneuerung  zur  zwingenden  Notwendigkeit ­
  machten.  Auf  Veranlassung  des  Landeskonservatoriums ­
  hat  nun  die  Uracher  Stadtverwaltung  die  nötigen

Schritte  hierzu  getan  und  selbst  einen  namhaften  Kostenheitrag
  gezeichnet,  während  der  Staat  eine  entsprechende
Unterstützung  gewährte.  So  kam  unter  Leitung  von
Oberbaurat  G.  Halmhuber-Stuttgart  eine  Nachbildung  des
berühmten  Kunstdenkmals,  und  zwar  in  genauer  Kopie
des  Ueberlieferten,  durch  die  Stuttgarter  Bildhauer  Lindenberger ­
  und  Bühle  zustande.  Als  Material  ist  bester  Oberkirchener
  Sandstein  gewählt.  Bei  der  Ausführung  ist
neben  gewissenhaftem  Anschluß  an  alle  technischen  und
künstlerischen  Eigentümlichkeiten,  auch  Unregelmäßigkeiten ­
  des  Originals  die  Glätte  vermieden  worden,  die
hei  modernen  Kopien  alter  Steinbildwerke  leicht  herauskommt.

Am  1.  Oktober  v.  J.  fand  die  feierliche  Uebergabe
des  erneuerten  Marktbrunnens  an  die  bürgerlichen  Kollegien ­
  von  Urach  statt.  Das  Original  übergab  die  Stadt
Urach  der  Staatssammlung  vaterländischer  Kunst-  und
Altertumsdenkmale  in  Stuttgart.  P.

Die  BaugewerWiclie  Ausstellung  im
LandesgewerBemuseuiu  zu  Stuttgart
(Fortsetzung  aus  Nr.  22)
Wie  am  Schlüsse  des  Berichts  in  letzter  Nummer
angekündigt,  kommen  jetzt  die  Gegenstände,  die  dem
Aushau  und  der  Ausschmückung  des  Hauses  dienen,  an
die  Beihe.
Eine  Sammlung  von  Schreinerarbeiten  haben  hier
Aufstellung  gefunden,  die  sowohl  durch  ihre  Form  als

Waisenhaus  Straßburg,  angekauftes  Projekt

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