Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-3,1906
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1906/204/
BAUZEIT™ 
FÜR WÜRTTEMBERG 
BADEN HESSEN ELr 
SASS-LOTHRINGEN* 
STUTTGART, 16. JUNI 1906 
Inhalt: Das Sammelschulliaus an der Heusteigstraße in Stuttgart. — Die Baugewerbliche Ausstellung im 
Landesgewerbemuseum zu Stuttgart. — Zur Frage der Wiederherstellung des Otto Heinrichs-Baus in 
Heidelberg. — Yereinsmitteilungen. — Kleine Mitteilungen. — Portal in der Baugewerblichen Aus 
stellung im Landesgewerbemuseum zu Stuttgart. — Personalien. —■ Bücher. 
-■ -HAuarhiiN. 
Alle Rechte Vorbehalten 
Das Sammelsclmllians an der Hensteigstraße in Stuttgart 
Entwurf: Prof. Th. Pis eher, Stuttgart. Ausführung: Stadt. Bauinspektor Pan11 e, Stuttgart 
Unter den Schulhausbauten der Stadt Stuttgart zeichnet 
sich die anfangs Mai ihrer Bestimmung übergebene Sammel 
schule an der Heusteigstraße durch die Eigenart ihrer 
Bauweise aus. Trotz des Verzichts auf prunkvolle Aus 
gestaltung des Aeußeren und auf den behauenen Werk 
stein, der nur an den Portalen zur Verwendung kam, 
nur die Front mit den Fenstern der Gänge und Kleider 
ablagen steht. Ebenso behaglich als zweckmäßig sind die 
beiden Treppenaufgänge und die geräumigen Wandelgänge. 
Die Farben sind so gewählt, daß alles einen möglichst 
ruhigen Eindruck macht, und doch sind sie fein ahgestimmt; 
der Bodenbelag mattrote Tonfliesen, wie in alten Klöstern, 
Sammelschulhaus in Stuttgart, Ansicht von der Friedhofseite 
trotz des einfachen und des schlichten Verputzes übt die 
Anordnung der einzelnen Gebäudeteile durch die Kontur 
des Ganzen, durch eine Keihe kleiner Einzelheiten eine 
reizvolle Wirkung aus. Der Künstler verstand es, durch 
eine offene Halle, einen Brunnen, ein Garteneckchen die 
schlichte Fassade zu beleben, durch sinnig entworfenen 
Schmuck die Pforten bedeutsam zu gestalten und durch den 
Aufbau der Stockwerke dem umfangreichen Gebäude bei 
all seiner Einfachheit einen großzügigen Charakter zu ver 
leihen. Bei der Ausgestaltung des Inneren waren die Be 
dürfnisse der Schule, die Zweckmäßigkeit des Gebäudes 
maßgebend. Daher die Verlegung aller Schulräume nach 
hinten, entfernt von dem Geräusch der Straße, gegen die 
dann das satte Blau der Wandfliesen, das Violett des 
Anstrichs alles Holzwerks, in das nur das Mattschwarz der 
Treppengeländer einen kräftigen Ton bringt, höher hinauf 
alles in lichtem Weiß gehalten. Das sind auch im all 
gemeinen die Töne der Schulzimmer, in der Einzel 
ausführung der Bordüren, der Friese, keines dem andern 
gleich. Daß in ihnen wie in den Gängen künstlerisch wert 
volle Bilder hängen, Künstlersteindrucke, Kunstblätter mit 
Koproduktionen von Werken erster Meister, große Photo 
graphien bedeutsamer Bauwerke, bedeutet ein Eingehen 
auf die Forderungen zur künstlerischen Erziehung der 
Jugend. 
(Fortsetzung folgt)
        

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