Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

16. Juni 1906 
BAUZBITÜNG 
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die Verdienste des Kaisers um die Hebung des Ingenieur 
standes hervor; der Verein bringe deshalb dem Kaiser 
die goldene Grashof-Denkmünze dar. Nach einer Be 
grüßungsansprache des Staatssekretärs Graf Posadowsky 
gedachte Kultusminister Studt der vielseitigen Verdienste 
des Vereins um die Hebung des technischen und all 
gemeinen Unterrichts und verkündete die vom Kaiser 
verliehenen Auszeichnungen. Es erhielten: das Kreuz 
der Komture des Kgl. Hausordens der Hohenzollern 
Prof. Dr. Slaby, den Koten Adlerorden 3. Klasse Dr. 
v. Oechelhäuser und Dr. v. Miller, den Kronenorden 
2. Klasse Prof. Baudirektor Dr.-Ing. E. v. Bach-Stuttgart, 
den Kronenorden 3. Klasse die Bauräte Herzberg und 
Krause-Berlin, den Titel Geh. Baurat der Direktor des 
Vereins Dr. Th. Peters-Berlin. Den ersten Vortrag hielt 
Generaldirektor v. Oechelhäuser über „die Technik 
einst und jetzt“. Der Redner legte an der Hand zahl 
reicher Beispiele die Selbständigkeit der technischen 
Wissenschaft und die Bedeutung des Talentes des 
maschinellen Erfinders dar, das durch keine theoretischen 
Kenntnisse ersetzt werden könne und hoffentlich nie 
aussterben werde, und pries den sittlichen Wert der 
technischen Arbeit. Nachmittags war Festessen im 
Ausstellungspark Lehrter Bahnhof und geselliges Bei 
sammensein. In der zweiten Sitzung am Dienstag hielt 
Prof. R i e d 1 e r einen Vortrag über die Entwicklung und 
die jetzige Bedeutung der Dampfturbine. Aus den ge 
schäftlichen Verhandlungen sei erwähnt: Direktor Peters 
erhält eine Ehrengabe von 50 000 M., die Herren Boner, 
Lezius, Peschke und Südhaus werden zu Ehrenmitgliedern 
ernannt. Das Technolexikon ist druckreif. Bewilligt 
werden u. a. ferner 6000 M. für die Vertretung des 
Vereins auf der Nürnberger Ausstellung, 6000 M. für 
Erwerbung des Urheberrechts an dem Normalprofilbuche 
für Walzeisen, endlich als Gratifikation an die Beamten 
des Vereins 10 Prozent vom Gehalt. Als Ort der nächst 
jährigen Hauptversammlung wurde Koblenz bestimmt. 
In den Vorstand wurden auf Vorschlag des Vorstandrats 
folgende Herren für die Jahre 1907 und 1908 gewählt; 
Direktor Treutier - Aachen, Baurat Schmetzer-Frank 
furt a. O. und Direktor Cox-Cannstatt sowie als Kurator 
an Stelle des verstorbenen Geheimrats v. Borries Regie 
rungsbaumeister Taaks-Hannover. Im Vorstand verbleiben 
noch ein Jahr; Geheimrat Dr. Slaby als 1. Vorsitzender, 
Revisor Hartmann-Hamburg und Kommerzienrat Uge- 
Kaiserslautern. 
Die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder ver 
sendet den Bericht über ihre bisherige Tagung zu Worms. 
Diese fand am Himmelfahrtstage ihren Abschluß, und schon 
Pfingsten konnte ein zehn Bogen starkes Heft den Ge 
samtinhalt der Verhandlung zur wortgetreuen Veröffent 
lichung bringen. Immerhin eine erfreuliche Ausnahme 
gegenüber der üblichen Langsamkeit solcher Wiedergaben, 
die meist erst zu erscheinen pflegen, wenn das Interesse 
an den Diskussionen längst wieder erloschen ist. Anders 
hier, wo es gilt, gerade die öffentliche Aufmerksamkeit 
in tunlichster Lebhaftigkeit auf das öffentliche Bade 
wesen hinzulenken. Jedenfalls ist dies in Worms ge 
schehen. Bemerkenswert war vor allem die tätige 
Beteiligung staatlicher und städtischer Behörden. Sie hat 
sich diesmal nicht aufs Begrüßen beschränkt. Die preußische 
wie die hessische Staatsregierung, das Kaiserliche Gesund 
heitsamt, der Großherzog von Hessen und der Deutsche 
Kaiser, ebenso der Reichskanzler haben ihrem Anteil an 
der Neubelebung des deutschen Volksbades Ausdruck 
verliehen. Auf einer Verfügung des Mindener Regierungs 
präsidenten fußend, will der Kultusminister Dr. Studt 
die Ausarbeitung amtlicher Erlasse zugunsten der Volks 
bäder befördern. Vorarbeit hierzu leistet unter Leitung 
ihres Ausschußmitgliedes Geheimrat Dr. Dietrich die 
Gesellschaft für Volksbäder. Der preußische Minister für 
Landwirtschaft, der sich schon als postalischer Staats 
sekretär für das Baden seiner Beamten interessierte, wird 
auf allen Förstereien Badegelegenheit einrichten lassen. 
Eine der letztjährigen Volkszählung parallele Statistik 
der im Reich existierenden Warmbäder, vom Reichsamt 
des Innern auf Veranlassung des Fürsten v. Bülow ein 
gefordert, wird den faktischen Stand der Frage (durch 
den Direktor des Berliner Statistischen Amts Prof. Hirsch 
berg und Dr. Bücher bearbeitet) klarlegen. Das Baden 
in der Armee ist vom Stabsarzt Dr. Krebs in Hannover 
eingehend geschildert, außerdem eine Reihe von tech 
nischen, hygienischen, volksökonomischen Fragen zur 
Erörterung gelangt. So spiegelt sich in dieser vermeint 
lich untergeordneten, aber doch so wichtigen Kulturfrage 
ein vielgestaltiges Bild unsers nationalen und sozial 
politischen Lebens wider. Eine Aufgabe liegt vor, an 
der kommunale Verwaltungen, vom Dorfe bis zur Groß 
stadt, sich betätigen, welche den Lehrerstand, die Gewerbe 
treibenden, eine große sich entwickelnde Badeindustrie, 
ebenso wie fürsorgende Institute der Landesversicherüng 
und der Kassen und andre praktische Gesundheitspfleger 
in Anspruch nimmt. Dabei mangelt keineswegs ein höheres 
Bildungs- und Geschichtsinteresse. Dies lehrt ein Blick 
auf die vorliegende Veröffentlichung, in der als Festschrift 
aus dem Monatsblatt des Wormser Altertumsvereins „Vom 
Rhein“ historische Aufsätze von Dr. Curschmann, Sanitäts 
rat Dr. Roehl (dem derzeitigen Vorsitzenden der Deutschen 
Anthropologischen Gesellschaft) u. a. über römische und 
mittelalterliche Bäder zum Abdruck gelangt sind. So 
reichen sich Vergangenheit und Zukunft die Hand in dem 
Wunsche; Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad. 
Die evangelische Lutherkirche in Köln a. Rh., 
nach dem Entwurf des Hrn. Prof. J. Vollmer in Lübeck 
auf dem Wormser Platz errichtet, ist am 20. Mai ein 
geweiht worden. 
Bach-Denkmal in Leipzig. Ein Denkmal für 
Johann Sebastian Bach wird an der Thomaskirche in 
Leipzig, der Wirkungsstätte des Kantors der Thomas 
schule, mit einem Aufwande von 50 000 M. errichtet. 
Der Schöpfer des Denkmals ist der Bildhauer Prof. K. 
Seffner in Leipzig. 
Die italienische Architektur auf der Mailänder 
Ausstellung. Räumlich in weit beschränkteren Grenzen 
als die nationale Kunstausstellung mit ihren 6000 Katalog 
nummern hält sich die gleichfalls in der großen Pesthalle 
der Kunstausstellung benachbart untergebrachte Archi 
tekturausstellung auf der Mailänder Ausstellung. Die 
italienische Baukunst lebt unter eignen Bedingungen; 
sie hat ein kostbares Erbteil bekommen, auf dessen 
Erhaltung sie ihre besten Kräfte zu verwenden hat, 
während weder dem Staat, der sich in seinem Haushalt 
auf die notwendigsten Bedürfnisse beschränken muß, noch 
Privaten so große Mittel zu Neubauten wie in reicheren 
Ländern Europas zur Verfügung stehen. Von modernen 
Baudenkmälern von wirklicher Bedeutung sind nach der 
,j Schweiz. Bauztg.“ nur das Nationaldenkmal für Viktor 
Emanuel II. und der Justizpalast in Rom durch große 
Modelle vertreten. Fast der ganze Raum wird jedoch 
durch Pläne und Bilder der Restaurationen von alten 
Baudenkmälern eingenommen, die meistens durch die 
Uffici Regionali per la conservazione dei monumenti aus 
geführt wurden. Man muß anerkennen, daß nach der 
jahrhundertelangen Vernachlässigung in den letzten 
Jahren trotz der Beschränktheit der Mittel sehr vieles 
geleistet worden ist. Um nur einige der wichtigsten hier 
vertretenen Werke zu erwähnen: In der Lombardei das 
Mailänder Kastell, die Certosa und das Kastell von Pavia, 
der Dom in Monza, die Abtei in Chiaravalle, die Kirche 
Sta. Maria delle Grazie in Mailand, in Genua der Palazzo 
di S. Giorgio, in Toskana der Palazzo Pretorio von Prato 
und die Chiesa della Trinitä in Florenz, endlich die 
Kartons zu den Mosaiken in den Kirchen S. Apol- 
linare Nuovo und S. Vitale zu Ravenna. Am stärksten
	        

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