Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

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BAUZEITUNG 
Nr. 24 
ist aber die Wiederherstellung der alten Baudenkmäler 
in Venedig seit dem Einsturz des Markusturms betrieben 
worden. Eine große Wandkarte gibt eine Uebersicht über 
alle Arbeiten, die dort seit dem verhängnisvollen Julitag 
1902 unternommen worden sind. Am interessantesten in 
dieser Abteilung ist natürlich das sehr umfangreiche 
Material, das sich auf den Wiederaufbau des Markus 
turmes selbst bezieht. Da ist zunächst ein etwa ein Meter 
hohes Modell des Turmes und der sehr komplizierten 
Vorrichtungen, die seine Fundamentierung erforderten. 
Zahlreiche Zeichnungen erläutern die konstruktiven und 
dekorativen Einzelheiten des Werkes, andre die Stütz 
arbeiten an den Gewölben des Paradieses und der Apo 
kalypse in der Sankt Markuskirche, die Arbeiten zur 
Wiederherstellung der Nordfassade an der Sansovino- 
Bibliothek u. s. w. Auch die Abteilung der Mailänder 
Dombauhütte ist besonders bemerkenswert; sie ist in 
einem Anbau untergebracht, dessen Decke eine glückliche 
Verwendung der Motive des Domgewölbes zeigt. Ein 
kleines Meisterwerk menschlicher Geschicklichkeit und 
Geduld ist ein fast vier Meter langes Holzmodell des 
Domes in seiner jetzigen Gestalt, bei dem alle Details 
durch Schnitzarbeit nachgeahmt sind. Der Verfertiger, 
Giacomo Matarelli aus Lecco, arbeitete von 1840 bis 1862 
an diesem Werk. Eine blühende Phantasie verraten die 
zur Wiederherstellung der Domfassade bei den letzten 
Wettbewerben eingereichten Entwürfe; vorläufig wird 
aber nur die Krönung einem Umbau unterzogen, dessen 
Plan gleichfalls ausgestellt ist. Von hohem künstlerischen 
Wert sind schließlich noch die Entwürfe zu Bühnen 
perspektiven des 18. Jahrhunderts aus der Kunstakademie 
von Bologna, große Stiche in prächtigen satten Farben, 
von kulturhistorischem Interesse auch die Versuche zur 
AViederherstellung der berühmtesten Schiffe aus Geschichte 
und Sage, des Schiffes Caligulas im Nemisee und jenes 
von Ptolemäus IV. 
Industriehaus in Wien. Der Bau eines Industrie 
hauses in Wien erfolgt nach den Entwürfen und unter 
der Leitung des Architekten Prof. König in Wien. 
Personalien 
Württemberg. Verliehen: der Titel und Rang eines Bau 
rats dem Regierungsbaumeister E. D o b e 1, städtischem Bauinspektor 
in Stuttgart; dem Oberbaurat Dolmetsch das Ritterkreuz des 
Ordens der württembergischen Krone anläßlich der auf sein An 
suchen erfolgten Enthebung von seinem Amt als kunstverständiges 
Kollegialmitglied der Zentralstelle für Gewerbe und Handel. 
Diplomprüfung. Die vom 18. April bis 18. Mai abgehaltenen 
Prüfungen im Architektur- und Bauiugenieurfach haben mit Erfolg 
bestanden: im Arohitekturfach: H. Kernen-Reutigen, Schweiz, C. 
Rudloff-Colmar i. Eis., A. Schmitt-Colmar i. E.; im Bauingenieur- 
fach: R. Aeschmann - Mülhausen i. Eis., V. Bärlocher - Rheineck, 
Schweiz, M. Beck-Mengen, Pr. Köppel-St. Gallen, E. Enppmann- 
Basel, E. Sperle-Heidenheim, E. Szivessy-Wien, K. Winter-Veltheim, 
Schweiz. Den Kandidaten Rudloff, Schmitt, Aeschmann, Beck, 
Ruppmann, Sperle und Szivessy wurde der Grad eines Diplom 
ingenieurs erteilt. 
Baden. Ernannt: der Regierungsbaumeister J. Sch wehr 
in Konstanz unter Verleihung des Titels „Wasser- und Straßen 
bauinspektor“ zum Vorstand der Wasser- und Straßenbauinspektion 
Bonndorf. Versetzt: der Vorstand der Wasser- und Straßenbau- 
inspektion Lörrach, Baurat A. Bnum, in gleicher Eigenschaft nach 
Heidelberg, der Vorstand der Wasser- und Straßenbauinspektion 
Bruchsal, Oberbauinspektor H. Kays er, in gleicher Eigenschaft 
nach Lörrach, der Vorstand der Wasser- und Straßenbauinspektion 
Bonndorf, Wasser- und Straßenbauinspektor L. Meeß, in gleicher 
Eigenschaft nach Bruchsal, der Bahnbauinspektor Oberingenieur 
O. Spieß in Lauda nach Konstanz. 
Elsass-Lothringen. Verliehen: vom Großherzog von Baden 
dem Ministerialrat Wasserbaudirektor Willgerodt in Straßburg 
das Kommandeurkreuz I. Klasse des Ordens vom Zähringer Löwen. 
Bücher 
Architektur-Konkurrenzen, herausgegehen von Herrn.Scheurem- 
brandt, Arch.-Verlag von Ernst Wasmuth, Berlin. Jährlich 12 Hefte 
von je 32 Seiten im Format 21x29 cm, Preis im Abonnement 15M., 
einzelne Hefte 4,80 M. Für die „Architektur - Konkurrenzen“ ist 
der Grundsatz maßgebend, ein so großes Format zu wählen, 
daß ein Studium der Grundrisse, Schnitte u. s. w. in Einzelheiten 
und Formen möglich ist. Die Reduktion ermöglicht die Ab 
messungen mit Zirkel und Meterstab und soll einheitlich durch- 
geffihrt werden. Zur Veröffentlichung gelangen nur interessante 
Aufgaben vom Arbeiterwohnhaus bis zum Monumentalbau. Bisher 
erschienen: Konzerthaus Königsberg, Sparkasse in Kufstein, Kur 
salon in Teplitz, Schwimmbad in Iserlohn und Realschule in Bis 
leben. Der Text enthält die hauptsächlichsten Ausschreibungs- 
bestimmuugen und die Beurteilungen, außerdem eine Zeittafel 
ausgeschriebener Wettbewerbe und das Ergebnis entschiedener 
Konkurrenzen. Ein guter Erfolg wird dem Unternehmen bei der 
außerordentlichen Teilnahme unsrer Architekten an Wettbewerben 
nicht fehlen. 
Merkbuch für den Zement-, Beton- und Eisenbetonbau. 
Verlag der Tonindustrie-Zeitung, Berlin 1906, 127 Seiten mit 
zahlreichen Abbildungen, Preis 75 Pf. Der Verlag schreibt hierzu: 
Die von Tag zu Tag zunehmende Bedeutung des Beton- und Eisen 
betonbaues hat es mit sich gebracht, daß diesem wichtigen Zweige 
des Bauwesens auch in unsern technischen Hoch- und Mittelschulen 
in hohem Grade Rechnung getragen wird. Es fehlt auch nicht 
mehr an zweckdienlichen Unterrichtsbüchern über den Beton- und 
Eisenbetonbau. Trotzdem sind wir mit Freuden der Anregung des 
Herrn Professors Lang von der Kgl. Technischen Hochschule in 
Hannover gefolgt und haben das vorliegende Merkbüchlein als 
Sonderabdruok aus unserm Betontaschenbuche 1906 erscheinen 
lassen. Es ist bestimmt, dem angehenden Baufaohmann als Vade 
mekum zu dienen, in dem er sich rasch über die Grundregeln des 
Beton- und Eisenbetonbaues unterrichten kann und das ihn be 
sonders schnell über die diese Bauweisen betreffenden behördlichen 
Bestimmungen unterrichtet, ohne daß er große Bände durchsuchen 
muß. Das anspruchslose und handliche Büchlein ist einfach aber 
dauerhaft gebunden und wird sich bei dem ungemein billigen 
Preise wohl bald in der Hand aller angehenden Botonbauleute 
befinden. 
Anleitung zum Entwerfen und zur Berechnung der Stand 
festigkeit für gemauerte Fahrikschornsteine, eiserne Schorn 
steine und Dachkonstruktionen. Bearbeitet von H.Jahr, Kgl. 
Gewerberat. Fünfte, verbesserte und vermehrte Auflage. Preis 2 M. 
Verlag von O. Hammerschmidt, Hagen i. W. Aus dem reichen 
Inhalt des praktischen Buches führen wir an; Ausführliche Angaben 
über Entwurf und Berechnung der Standfestigkeit gemauerter 
Schornsteine, Schornsteine aus Eisen und Eisenbeton, Anleitung 
zur Berechnung der Standfestigkeit von Dachkonstruktionen und 
Musterbeispiel. Die nach kurzer Zeit wieder notwendig werdende 
Neuauflage ist Zeugnis dafür, daß das Bestreben nach einer all 
gemein und leicht verständlichen Anleitung genannter Konstruktionen 
nicht vergeblich gewesen ist. 
Die Schweizerische Vereinigung für Heimatschutz in Zürich 
gibt vom Mai d. J. ab eine Monatszeitschrift „Heimatschutz“ heraus, 
deren 1. Heft vorliegt. Die Vereinigung will versuchen, durch 
typische Abbildungen (Gegenüberstellung von guten und schlechten 
Beispielen) die Allgemeinheit für das Verständnis des wirklich 
Schönen in Natur und Kunst heranzubilden. Es ist ein sehr be 
grüßenswertes Unternehmen, dem wir besten Erfolg wünschen. 
Auch deutsche Architekten und Freunde malerischer Städtebilder 
werden die Hefte gern studieren. Das 1. Heft bringt neben einer 
farbigen Kunstbeilage an Abbildungen interessante Beispiele, auf 
welche rohe Art und Weise die schönen Plätze und Straßen alter 
Städte durch unverstandene Ein- und Neubauten entstellt werden 
können. Auch einige dem Abbruch verfallene Baudenkmäler werden 
vorgeführt. 
Verantwort!. Schriftleiter: Adolf Fansei in Stuttgart. Adresse für alle Sendungen: 
Bauzeitung-Stuttgart, Hegelstr. 68. Druck: Deutsche Verlags-Anstalt in Stuttgart
	        

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