Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

14. Juli 1906 
BAUZEITUNG 
223 
Grundriß 
Zweifamilienhaus Architekt A, Wienkoop 
Entwurf eines Luther-Denkmals für 
Stuttgart 
Unsre Abbildung zeigt den Entwurf zu einem Brunnen, 
dessen Ausführung bisher noch verschoben werden mußte. 
Die Aufstellung soll an der Langseite der Stuttgarter 
Hospitalkirche erfolgen, es wird das Denkmal dort ein 
würdiger Schmuck des mit Bäumen geschmückten Platzes 
sein. Professor Theod. Eischer, Stuttgart, lieferte den 
Entwurf des architektonischen Teiles, die Wahl und der 
Entwurf des plastischen Teiles rührt von Bildhauer 
Herrn. Lang, München, her. 
Der Kruzifixus ist stämmig und altertümlich gehalten 
und soll in seinem Maßverhältnis nicht den Eindruck 
eines Golgatha entstehen lassen, wie es an der Leouhards- 
kirche in Stuttgart schon in herrlicher Ausführung vor 
handen ist. Die Hauptfigur des Denkmals bildet Luther, 
dessen Bewegung und Haltung die unbeugsame Kraft 
seiner Persönlichkeit ausspricht; ihm ordnet sich die Figur 
des württembergischen Beformators Brenz unter, der in 
theologische Studien vertieft dargestellt ist. 
Die Flachreliefs zeigen zwei Darstellungen: Luther 
die Thesen in Wittenberg anschlagend und Luther auf 
dem Reichstag in Augsburg vor Karl Y, 
Die ganze Anlage ist eine prächtige 
architektonische und plastische Komposition 
zweier hervorragender Künstler, denen wir 
noch viele ähnliche Gelegenheiten zur Betäti 
gung ihrer eigenartigen und reizvollen Kunst 
wünschen. 
Y ereinsmitteilmigeii 
Württeinbergischer Baubeamten - 
Verein. Die Adresse des neugewählten 
Kassiers ist: Bezirksbaumeister Albert Grotz, 
Bismarckstraße 38, Cannstatt, und werden 
diejenigen Vereinsmitglieder, welche mit 
ihrem Jahresbeitrag pro 1906 noch im Rück 
stand sind, ersucht, denselben im Laufe 
des Monats Juli an den Kassier zu ent 
richten. Nach dem 1. August werden die 
noch ausstehenden Beiträge durch Post 
auftrag erhoben. Der Vorstand. 
Deutscher Arbeitgeberbund für 
das Baugewerbe, E. V. In Nürn 
berg-Fürth wurden am 4. Juli die 
Maurer, Steinhauer und Bauhilfsarbeiter wegen Lohn 
differenzen ausgesperrt. In Greiz (Fürstentum Reuß) 
sind die organisierten Bauhand- und Erdarbeiter in den 
partiellen Streik eingetreten. Die Arbeitgeber haben 
sämtliche organisierten Bauhand- und Erdarbeiter aus 
gesperrt. In Augsburg wurden vom Arbeitgeber 
verbande die Bau- und Maurermeister zu einer Ver 
sammlung einberufen, um den Lohntarif einer eingehenden 
Besprechung zu unterziehen. In dieser Versammlung 
wurde einstimmig beschlossen, die sämtlichen äußerst 
hohen und unberechtigten Forderungen der Maurer abzu 
lehnen, um so mehr, als der Lohnsatz bereits im März d. J. 
um 3 Pf. pro Stunde freiwillig von den Meistern erhöht 
wurde. Ein größerer Teil der Maurer ist aus Augsburg 
abgereist, um anderwärts in Arbeit zu treten. In Kosten 
(Bezirk des Arbeitgeberverbandes Lissa i. P.) ist der seit 
dem 14. Mai d. J. bestehende Streik der Maurer und 
Zimmerer am 2. Juli beendet worden. An Stelle des 
geforderten Stundenlohnes von 38 Pf. wurde ein solcher 
von 36 Pf. bei 10 ^ständiger Arbeitszeit vereinbart. In 
Fürstenwalde (Spree) ist der Maurerstreik durch eine 
Aufbesserung des Stundenlohnes um 3 Pf. beendet. Der 
Streik ist deshalb zuungunsten der Arbeitgeber verlaufen, 
weil einige Arbeitgeber die Lohnaufbesserung ohne Zu 
stimmung des Arbeitgeberverbandes bewilligt hatten. In 
Bernburg ist der seit dem 17. Mai d. J. bestehende 
Zimmer erstreik am 19. Juni beendet, indem die Streiken 
den die Arbeit bedingungslos wieder aufgenommen haben. 
In Stadtoldendorf (Braunschweig) ist der Streik der 
organisierten Maurer nach fünfwöchiger Dauer be 
endet. Mit der geforderten Lohnerhöhung von 3 Pf. pro 
Stunde und Einstellung eines früher entlassenen Maurers 
sind die Streikenden nicht durchgedrungen; hingegen ist 
den tüchtigen Maurern eine Lohnaufbesserung von D/ 2 Pf- 
pro Stunde zugebilligt worden. 
Wettbewerbe 
Entwurfskizzen für den Neubau eines Kranken 
hauses der jüdischen Gemeinde in Berlin. Der 
Gemeindevorstand hat unter den in Deutschland, Oester 
reich und der Schweiz ansässigen Architekten deutscher 
Zunge einen diesbezüglichen Wettbewerb ausgeschrieben. 
Drei Preise von 6000, 4000 und 2000 M. sind ausgesetzt; 
der Ankauf weiterer Entwürfe zu je 1000 M. wird be 
absichtigt. Dem Preisrichteramt gehören u. a. an die 
Herren Maurermeister J. Fraenkel in Berlin, Stadtbaurat 
Grässel in München, Baumeister J. Höniger und Stadt 
baurat L. Hoffmann in Berlin, Bauinspektor Fr. Ruppel 
Luther-Denkmal für Stuttgart von Bildhauer Herrn. Lang, München
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.