Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

28. Juli 1906 
BAUZEITUNG 
237 
Seohsfamilienhaus. Einheitspreis UM., Gesamtpreis 16 900 M. 
gewinnen. Eine Reihe neuer 
kleiner Gelasse, wie Tele 
phonraum , Dunkelkammer, 
W äschekammer, Fahrrad 
kammer und eingemauerter 
Geldschrank, sind Neben 
forderungen für die Bequem 
lichkeit des Besitzers. Ganz 
besonders anspruchsvoll sind 
wir aber in unsern Zimmern 
geworden in bezug auf die 
Regulierungsfähigkeit dreier 
wichtiger Faktoren zum be 
haglichen und gesunden Da 
sein : Wärme, Licht und Luft. 
Die Zentralheizung und 
ihre Ergänzung, der Kamin, 
der für die Uebergangszeiten 
des Jahres, wo die Zentral 
heizung noch nicht funk 
tionieren soll, fast wieder 
unentbehrlich zu werden 
beginnt, die Ventilations- 
anlagen, das elektrische Licht 
mit den Einrichtungen zur 
richtigen Verteilung seiner 
Effekte, die mannigfaltigen 
Vorkehrungen, die am mo 
dernen Fenster das beliebige 
Einstellen der natürlichen 
Beleuchtung ermöglichen, 
alles das sind Komplizie 
rungen, die den Bau eines 
modernen Hauses schon zu 
einem höchst raffinierten 
Organismus machen, ehe von 
Gesichtspunkten ästhetischer 
Natur überhaupt die Bede 
ist. Eine ganze Reihe dieser 
Anforderungen steht außer mit Fragen des Komforts zu 
gleich mit Fragen der Hygiene in Verbindung. Aber außer 
diesen Detaileinrichtungen verlangt die Hygiene eine funda 
mentale Berücksichtigung bei Anlage jeden Wohnhauses, die 
manche Dispositionen von vornherein zwingend festlegt. 
Wir haben gelernt, das Sonnenlicht für unsre Wohnungen 
vernunftgemäß auszunutzen, und verteilen unsre Räume 
so, daß ihnen die Vorteile der Himmelsrichtungen eines 
Bauplatzes zugute kommen. Das Schlafzimmer — in 
größeren Anlagen auch das Frühstückszimmer — mit 
Morgensonne, das Eßzimmer, das kühl sein soll zur 
Mittagszeit, das sonnig gelegene Kinderzimmer, die nach 
Norden gelegene Küche, das sind neben allem tech 
nischen und wirtschaftlichen Apparat grundsätzliche An 
sprüche an das zeitgemäße Haus, und alle diese Ansprüche 
sind beim Projektieren eines Hauses wie Größen in einer 
komplizierten Rechnung, die, wenn sie einmal als ge 
gebene Zahlen angenommen sind, die Bestimmung jeder 
weiteren, noch ganz unbekannten Größe X beeinflussen 
und bis zum gewissen Grade festlegen. — Die Gestaltung 
eines modernen Hauses ist nur dann wirklich gelöst, 
wenn alle diese Momente so untrennbar logisch und 
praktisch ineinander greifen, daß man gar nichts mehr 
schieben und verrücken kann. 
Aesthetische Anforderungen 
Alle diese Anforderungen, die wir im Vorangehenden 
anzudeuten versuchten, haben das Gemeinsame an sich, 
daß sie am besten gelöst sind, wenn man möglichst wenig 
von ihnen sieht und merkt. Es sind also Faktoren, die 
auf die ästhetische Gestaltung des modernen Hauses 
keinen Plus-Einfluß, sondern höchstens einen Minus-Einfluß 
ausüben. Sie sind nur die eine Seite der neuen An 
forderungen, welche unsre Zeit aus dem Innern des 
Hauses heraus an dessen Lösung stellt. 
Ihnen gegenüber stehen neue ästhetische Anforderungen. 
Auch hier — und das ist wohl zu beachten — zunächst 
keine Forderungen, die sich auf Formgebungen beziehen, 
sondern Forderungen, die sich an ein spezifisches archi 
tektonisches Raumgefühl richten, das nicht in Forme ti 
bi hier n und Regeln festgelegt werden kann. 
Wir haben, nicht ohne Hilfe des historischen Kurses 
des 19. Jahrhunderts, immer mehr einsehen gelernt, daß 
der eigentliche Reiz einer Wohnung, ihr Charakter und 
künstlerischer Typus, in der Raumgestaltung ihrer 
Zimmer liegt. Zu dieser Raumgestaltung kommt hinzu die 
Art, wie die Räume beleuchtet sind, und vor allem die 
Art, wie sie ineinander greifen. Die schönsten Türen und 
Lambris, Stoffe, Möbel und Kamine künstlerischster Art
	        

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