Volltext: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

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BAUZEITÜNG 
Nr. 32 
Architekt Professor K. Hocheder-München 
Gegend, nur die Architekturteile wie Pfeiler, Fenster, 
Nischen und Toreinfassungen bestehen aus graugelbem 
Eifeier Tuif. Das Mauerwerk ist als Bruchsteinmauer 
werk in unregelmäßigem Verband — ähnlich dem so 
genannten Patzenmauerwerk — gemauert und mit ge 
färbtem Mörtel ausgefugt. 
Um das Dach möglichst schwer erscheinen zu lassen, 
der Dachfläche abwechselnd Licht- und Schattenwirkungen 
zu verschaffen, wurde der Deckung starkes Belief gegeben. 
Sie besteht aus naturroten Ziegeln, deren Form eine 
Weiterbildung der alten römischen Deckung zeigt: lange 
schmale Deckziegel (Mönche) und breite Unterlagsplatten, 
die aber den modernen Anforderungen an Dichtigkeit 
einer Deckung entsprechend falzziegelartig behandelt sind. 
Die Deckung des runden Mittelbaues bot infolge des 
großen Formats der Ziegel naturgemäß große Schwierig 
keiten. 
Die Fundation des Baues wurde dadurch kompliziert, 
daß bis auf 20 m Tiefe guter Baugrund nicht zu finden 
war. Man entschloß sich deshalb, den Bau seiner ganzen 
Länge und Breite nach auf einen 40 cm starken Bost 
aus Eisenbeton (System Hennebique) zu stellen, auf dem 
er sozusagen schwimmt. 
Dadurch wird der Druck der Mauermassen auf eine 
große Fläche verteilt, so daß der Boden mit nur 0,7 kg 
pro Quadratzentimeter be 
lastet ist. 
Der Innenraum erhält sein 
Licht im wesentlichen von den 
großen Hoffenstern, die klei 
nen hochgelegenen Fenster 
der Außenfronten führen nur 
spärliches Oberlicht ein. Er 
wurde in Form und Farbe 
so einfach wie möglich ge 
halten, damit der Charakter 
einer Ausstellungshalle ge 
wahrt bleibt und die Wir 
kung der herrlichen großen 
Monumente nicht geschmälert 
wird. Deshalb wurde auch 
von vornherein auf jegliche 
Deckenausbildung verzichtet 
und der Dachstuhl vollstän 
dig sichtbar gelassen. Die 
einzige Dekoration des Dach 
raumesbilden großdetaillierte 
schmiedeeiserne Beschläge 
an den Knotenpunkten der 
Dachbinder. Der natürliche 
Eisenton dieser Beschläge 
hebt sich nur wenig von 
dem dunkelgrau gestrichenen 
Dachholz ab, so daß das 
interessante, dem First zu 
tiefer werdende Helldunkel 
des Dachraumes nicht ge 
stört wird. 
Zum Fußbodenbelag wur 
den rote großgemusterte 
Tonplatten verwendet, die 
eine rauhe klinkerartige Ober 
fläche besitzen (die glatten 
Mettlacher Platten haben, 
besonders bei großen Flächen, 
ein zu gelecktes Aussehen). 
Das Bot des Fußbodens und 
der Dachziegel, das Hell 
grau des Wandputzes und 
der dunkelsilbergraue Ton 
des Dachholzes stimmen sehr 
schön zusammen und geben 
dem ganzen Innenraum eine warme Note. 
Im südlichen Treppenhaus wurden zwischen durch 
brochenen Brüstungen aus Metzer Kalkstein römische 
Hermen eingestellt, die vor Jahresfrist bei Ausgrabungen 
in Welschbillig gefunden wurden. Das Stufenmaterial 
der Treppenhäuser ist graugelber Trachyt. Die großen 
Fenster und Tore der Flügelbauten und des Mittelbaues 
sind aus deutschem Eichenholz, während die kleinen Fenster 
und die großen der Eckpavillons in Pitch-Pine gefertigt 
sind. Sämtliche Schreinerarbeiten sind in Naturholz 
gelassen und haben nur einen zweimaligen Firnisanstrich 
erhalten. Die äußeren Tore der Flügelbauten sind reich 
mit großen Ziernägeln beschlagen, die ebenso wie das 
übrige Beschläg aus Messing bestehen. Der reizvolle 
Innenhof wird zur vollen Wirkung erst kommen, wenn 
seine gärtnerische Ausschmückung, mit der Anfang dieses 
Monats begonnen wurde, vollendet ist. Dazu gehört vor 
allem auch die Bepflanzung der gefängnisartigen Hinter 
front des Altbaues mit Efeu, wildem Wein u. dergl. 
Die Gartenanlagen werden einen strengen, gewisser 
maßen architektonischen Charakter erhalten, denn nicht 
zu einem selbstherrlichen, eigenmächtigen Nebenregiment 
sind sie hier berufen, sondern dienend sollen sie die 
architektonischen Gebilde und Formen ergänzen und 
beleben.
	        

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