Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

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BAUZE1TÜNG 
Nr. 37 
Jubiläumsausstellung Nürnberg 
15. bis 30. Juni d. J. sind in jedem Jahr zu gestalten 
und das Ergebnis zur Kenntnis zu bringen. Der Vor 
stand, der dieses Material zur Widerlegung unwahrer 
Behauptungen braucht, soll den Zeitpunkt der betreffen 
den Baukontrollen wählen. 
lieber Punkt 5 der Tagesordnung: „Verhandlung über 
die Verstöße der Versicherten gegen die Unfallverhütungs- 
Vorschriften und darüber, ob es im Interesse der Arbeiter 
notwendig ist, auf eine Erhöhung der im § 112 Abs. 1 
Ziff. 2 vorgesehenen Geldstrafe hinzuwirken, “ hatte Zimmer 
meister Nieß-Braunschweig das Referat. Redner gab 
der Freude Ausdruck, daß die Behörden durch ihre Unter 
stützung den Verband in einer der vornehmsten Pflichten, 
dem Schutz der Arbeiter, kräftig fördern. Es sei zu ver 
wundern, daß die Zentralgenossenschaft nach 21jähriger 
Tätigkeit des Verbandes der deutschen Baugewerks- 
Berufsgenossenschaften noch nicht weiß, was gearbeitet 
ist. Einige typische Fälle werden berichtet, wie grobe 
Verstöße gerade durch die Arbeiter begangen werden und 
wie schroff letztere oft gegen Baukontrolleure, die doch 
in ihrem Interesse da sind, vergehen. 
Eine Stuttgarter sozialdemokratische Zeitung hat ge 
schrieben, die Unfallverhütungsvorschriften seien schon 
gut, wenn die Arbeiter sie nur befolgen wollten. Der 
Verband habe denselben Wunsch. Leider setze das 
Reichsversicherungsamt die Strafen für Verstöße der 
Arbeiter sehr herunter, daß letztere oft straffrei aus 
gingen. Der Verband kann sich hiermit nicht einver 
standen erklären, für eine Erhöhung der Geldstrafen soll 
jedoch noch nicht eingetreten werden. Es wurde folgende 
Resolution angenommen: „Der 21. ordentliche Verbands 
tag der deutschen Baugewerks - Berufsgenossenschaften 
beschließt im Interesse der versicherten Arbeiterwelt und 
auf Grund der gewonnenen Ergebnisse der Bauaufsicht 
die Revisionsbeamten anzuweisen, in Zukunft jeden Ver 
stoß der Versicherten direkt festzulegen und unter Be 
weis zu bringen, so daß in den einzelnen Fällen die 
Begründung von Strafanträgen erfolgen kann. Von den 
Strafanträgen und deren Ergebnissen ist dem Vorstand 
des Verbands direkt Kenntnis zu geben, daß er in den 
regelmäßigen Versammlungen Mitteilung darüber machen 
kann. “ 
Ueber Punkt 6: „Vereinfachung der Arbeiterversiche 
rung sprach Genossenschaftsdirektor Schaffrin-Berlin. 
Redner führte aus, daß die Unfallversicherung am wenigsten 
reformbedürftig sei, desto mehr die Krankenversicherung. 
Insbesondere sei es nötig, die Krankenkassen auf bessere 
Grundlagen zu stellen. Eine zu große Zersplitterung der 
Kräfte verhindere die Einheit für Krankenfürsorge, es 
erkläre sich hieraus das teilweise 
schlimme Verhältnis der Aerzte 
u. s. w. Auch die Invalidenversiche 
rung brauche etwas Aufbesserung, 
da zum Beispiel viele die Rente zu 
Unrecht beziehen, wie sich heraus 
gestellt habe. Der Betrieb kranke 
oft an ganz bureaukratischer Ein 
richtung, es solle der Selbstver 
waltung ein größerer Raum gegeben 
werden. Am Schluß seiner Aus 
führungen legte der Redner der 
Versammlung folgende Erklärung 
vor: „Der 21. Verbandstag erkennt 
an, daß die vom Verbandsvorstand 
ausgearbeiteten Vorschläge durch 
führbar und geeignet sind, eine 
Verbesserung in der Arbeiterver 
sicherung herbeizuführen. Er über 
läßt aber dem Vorstand die Be 
stimmung des geeigneten Zeitpunkts, 
um der Regierung die Vorschläge 
zu unterbreiten.“ 
In der sich anschließenden Erörterung trat aber die 
Auffassung zutage, daß man lieber vorher den Regierungs 
entwurf abwarten solle. Man einigte sich schließlich 
dahin, daß ein außerordentlicher Genossenschaftstag ein 
berufen werden soll, sobald der Regierungsentwurf be- 
kanntgegeben ist. Weiter beschloß man, das vom Ver 
band gesammelte Material gedruckt an die Mitglieder zu 
verteilen. Die Herausgabe eines Merkblatts über die 
Rechte und Pflichten der Versicherten auf dem ganzen 
Gebiet der sozialen Versicherung wurde mit großer Mehr 
heit als nicht erforderlich abgelehnt. Darauf hielt 
Prof. Dr. Ledderhose-Straßburg einen Vortrag über 
„Behandlung der Unfallverletzten zu Haus oder in Un 
fallkrankenhäusern“. Schließlich wurde noch das Arbeits 
und Schutzgerüst „Glück auf“ für Dachdecker und Spengler 
als praktisch empfohlen. Damit waren die geschäftlichen 
Verhandlungen erledigt. Abends versammelten sich die 
Teilnehmer beim Konzert im Cannstatter Kursaal. 
Moderne Scliulräume auf der Bayrischen 
Jnhilänins-LandesansstellnnginNnrnherg 
Die große Menge der Ausstellungsbesucher geht 
meistens an Objekten, die mit der Schule in inniger 
Beziehung stehen, achtlos vorüber. Haftet doch der 
Schule von alters her das Odium des Langweiligen, 
Pedantischen und Trockenen an. Unsre moderne Schule 
aber beginnt sich aus diesen Fesseln zu befreien. Sie 
sehnt sich nach Luft und Licht, nach schöner Form und 
froher Farbe. Dieser modernen Schule Räume zu schaffen, 
hat sich die Ausstellung der Vereinigten Schulmöbel 
fabriken zur Aufgabe gemacht. Mögen recht viele sich 
davon überzeugen, wie diese Aufgabe gelöst ist! 
Es sind drei Bilder aus einem modernen Schulhause 
geboten, die jedes für sich und gleichzeitig neben den 
beiden andern einheitlich und harmonisch wirken und 
dabei doch dem Fachmanne Gelegenheit geben, eine Reihe 
von technischen Neuheiten kennen zu lernen, die von den 
Bestrebungen der Vereinigten Schulmöbelfabriken auf 
schulhygienischem Gebiete beredtes Zeugnis ablegen. 
Der ganze 18 m lange und 6 m tiefe Raum ist in 
drei durch Türen miteinander verbundene Abteilungen 
geschieden. Die mittlere und größte der Abteilungen 
enthält ein vollkommen eingerichtetes Schulzimmer mit 
18 zweisitzigen Rettig-Bänken, die, wie allgemein üblich, 
in drei Reihen aufgestellt sind. Für die Zwecke der 
Ausstellung hat man hierbei gezeigt, daß die Rettig-Bank 
neben ihrem Originaltyp mit festem Sitz und Tisch auch 
Schulzimmer
	        

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