Volltext: Die Ausnutzung der Windkräfte unter besonderer Berücksichtigung der ländlichen Gemeinde-Wasser- und Elektrizitäts-Versorgung

Zweites Kapitel. 
Hie älteren Windräder. 
Die erften Windräder., Wenngleich wir über die Erfindung der Windmühlen 
1ichts Genaues wiffen und die erfte Ausnugung der Windikräfte bald diefen bald 
jenen Rulturvölfern zugefchrieben wird, fo {teht nach den bisherigen Forfchungen un- 
itreitig fejt, daß die Anwendung von Windmühlen fajt bis in den Anfang unferer 
Zeitrechnung hineinreicht. Zwar wird von mehreren Seiten verfhiedenes aufgeftellt, 
wonach unter anderem die Anwendung der Windmühlen durch die Kreuzfahrer aus 
dem Orient nad) Europa gelangt fei. Demhingegen mag erwidert werden, daß in 
den von den Kreuzfahrern berührten Ländern keine Windmühlen vorgefunden wurden 
und Ddiefelben dort Heute noch fajt unbekannt find. Zudem Hätte fid) eine derartige 
Neuerung, die für die damalige Zeit von großem Intereffe gewefen wäre, gewiß auch 
auf dem ganzen Wege nach Europa verbreitet. Auch fteht fejt, daß den Griechen 
und Mömern die Windmühlen nicht bekannt waren. Durch die bisherigen Forfhungen 
\owie au) durch) die Reifen des MaturforfcherS Niebuhr und durch den Feldzug 
Napoleons I. (1798) nad Ägypten ift zur Genlige bewiefen, daß in Ägypten die 
Windmühlen ebenfall8 nicht befannt waren. 
Sigentümlih ift in der Erfindung der Windmühlen eben, daß die erften Wind- 
mühlen zwar zu ungefähr denfelben Verrichtungen, jedoch zu verfchiedenen Zeiten in 
verfchiedenen ändern und verfchiedenen Typen auftraten. 
So führt uns, nachdem, was bis jebt feftfteht, die erfte Anwendung von Wind- 
"raftmafdhinen nad) Perfien, und zwar {Heinen Windmühlen in primittivfter Konftruktion 
anfänglid) dort in fehr trodenen Gegenden nur als Mittel gegen das ftarfe Sand- 
treiben benußt worden zu fein. Der arabifhe Forfher Iftachri (geft. 934 n. Chr.) 
berichtet erfimals über die Anwendung von Windmühlen in Segiftan!). Eine fehr 
ausführliche Bejchreibung der Windmühlen von Segiftan mit Abbildung (Abb. 9) 
Andet jid) bei Dismaychgi (arabifher Forfcher, 1271 n. Chr.). 
Nach Abb. 9 beftand die Windmühle aus drei Teilen, dem oberen Teil mit dem 
ülltrichter, dem mittleren Teil mit den Miühliteinen und dem unteren Gebäude mit 
dem eigentliden Windmotor. In den Wänden des unteren NaumesS befinden fich 
jeitlidhe Öffnungen für den Wind. Das Windrad dreht fih um eine unten zugefpibte 
Achfe und trägt an beiden Seiten die mit ihren konveren Seiten nach rechtS ge- 
zeichneten Kreisbögen mit Sehnen, weldhe die den Wind auffangenden Stoffbäufche 
dariteflen. 
!) Provinz in Berfien. 
Hanımel, Ausmnuguna der Windkräfte. 3. Murfl 
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