Volltext : Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

312

BAUZEITUNG

Nr.  39

Abb.  33.  Sulzbacher  Brücke  über  die  Murr

mußte.  Der  Mittelpfeiler  mußte  so  schmal  bemessen
werden,  daß  den  berechneten  Wassermengen  entsprechend
ein  Durchfluß  von  182  cbm/sec.  reichlich  stattfinden  könne.
Der  statischen  Berechnung  wurde  eine  gleichmäßig
verteilte  Last  von  400  kg/qm  Menschengedränge  und  eine
Dampfwalze  von  16  t  Dienstgewicht  zugrunde  gelegt.
Bedingung  war,  die  höchste  Spannung  im  Beton  müsse
40  Atmosphären,  diejenige  im  Eisen  900  kg/qm  nicht  überschreiten. ­
  Die  Belastungsprobe  mit  der  Dampfwalze
müßte  in  keiner  Stelle  der  Brücke  eine  größere  Durchbiegung ­
  als  3  mm  ergeben.
Die  Brücke  besteht  wie  gewöhnlich  aus  Platten  und
gerippten  Plattenbalken.
Die  Fahrbahn,  welche  ein  einheitlich  zusammenhängendes ­
  Ganzes  mit  den  Hauptträgern  bildet,  ist  als
eine  auf  zwei  Seiten  fest  eingespannte  Platte  anzusehen.
Die  Einspannung  wird  durch  eine  Umschlingung  der
Obergurteisen  der  Hauptbalken  durch  die  Platteneisen
bewirkt  (Abb.  3  Tafel  1).  Aus  diesem  Grunde  ist  das
p^2  JPI%
Biegungsmoment  mit  Mm  =  und  Ma  =  —in  der
Mitte  resp.  am  Auflager  bemessen.
Man  findet  häufig  in  der  Literatur  die  Ansicht  vertreten, ­
  daß  solche  Platten  als  freiliegende  oder  höchstens
als  über  die  Rippen  durchlaufende  anzusehen  wären.
Diese  Annahme  gibt  zu  große  Abmessungen  und  ist
durchaus  unrichtig.  Dieselbe  würde  nur  dann  wahrscheinlich ­
  zutreffen,  sobald  die  Obergurteinlage  und  Bügel
der  gerippten  Plattenbalken,  welche  eine  feste  Yerbindung
zwischen  den  verschiedenen  Teilen  der  Rippen  mit  der  Platte
ermöglichen,  keine  Verwendung  fänden.  In  diesem  Falle
würde  die  Platte  nur  durch  den  Beton  mit  der  Rippe
verbunden  sein.  Schon  die  verhältnismäßig  große  Höhe
und  Stärke  der  Balken  gegenüber  den  wenig  weit  gespannten ­
  Platten  (0,8  bis  1,75  m)  deutet  auf  die  Unmöglichkeit ­
  einer  seitlichen  Bewegung  der  ersteren  aus  der
Vertikalebene,  in  welcher  die  Rippen  durch  die  angrenzenden ­
  Platten  festgehalten  werden  und  wodurch  infolge ­
  der  entsprechenden  Einlage  eine  vollkommene  Einspannung ­
  hervorgerufen  wird.
Die  Hauptbalken  sind  als  über  drei  Stützen  durchlaufend ­
  und  frei  aufliegend  angesehen  und  dementsprechend
berechnet  und  bemessen.  Die  Einspannung  der  Balken  in  den
Pfeilern  ist  bei  der  Berechnung  unberücksichtigt  geblieben.
Zur  gegenseitigen  Versteifung  der  Balken  sind  in
jedem  Felde  zwei  Querbalken  angeordnet  worden.
Von  der  Berechnung  der  Fahrbahnplatte  wollen  wir
in  der  Folge  absehen.  Dieselbe  wurde  15  cm  im  Scheitel
und  gewölbeartig  mit  einem  Pfeil  von  5  cm  ausgeführt.
Die  krumme  üntersicht  hat  gewiß  die  Verschalung  beq

  Siehe  „Beton  und  Eisen“,  Heft  VI,  VII  und  VIII  1906.
Eisenbetonbrücken  mit  versenkter  Fahrbahn.  Vom  Verfasser.

deutend  verteuert.  Heute  werden  die
Platten  gerade  und  am  Anschluß  mit
dem  Balken  durch  Zwickel  verstärkt,
was  die  Verschalung  vereinfacht.  An
Eiseneinlagen  erhielt  die  Platte  5X8  mm
pro  laufenden  Meter.  Für  die  gerippten
Plattenbalken  ist  die  Ermittlung  der  angreifenden ­
  Schnittkräfte  und  Biegungsmomente ­
  für  die  gleichmäßig  verteilten
und  konzentrierten  Lasten  auf  graphischem ­
  Wege  vorgenommen  worden
(Abb.  7  und  8  Tafel  1).  Für  die  konzentrierte ­
  Last  der  Dampfwalzrollen
sind  Einflußlinien  gezeichnet  (Abb.  9
Tafel  1).  Die  Kurven  der  Maximalmomente ­
  sind  besonders  aufgezeichnet
worden  (Abb.  7  Tafel  1).  Der  Vollständigkeit ­
  halber  sei  hier  noch  erwähnt,
daß  vollkommene  Tabellen,  die  Momente
und  Querkräfte  für  2,  3,  4  und  5  Oeffnungen,  verschiedene ­
  Verhältnisse  der  Spannweite  enthaltend,  von  Winkler
im  „Brückenbau“  und  von  W.  Fränkel  im  „Handbuch  der
Ingenieurwissenschaften“  angeführt  sind.  Solche  Tabellen
sind  aber  nur  für  Ueberschlagsrechnungen  verwendbar,  und
für  den  Einfluß  einzelner  Lasten  ist  man  gezwungen,  zur
direkten  Berechnung  zu  greifen.  Wir  geben  diese  Tabellen ­
  für  die  Transversalkräfte  und  Biegungsmomente
für  den  Fall  zweier  gleicher  Oeffnungen  wieder.  Es  bedeutet ­
  g  die  konstante  Eigenlast  und  P  die  am  ungünstigsten ­
  gleichmäßig  verteilte  zufällige  Belastung.
Transversalkräfte

Entfernung
X

Einfache
Balken
21
Q

Der  kontinuierliche  Balken  mit  zwei
Oeffnungen  L 0  —  L\
Entfernung  von  P

Q

max  (Q)

max  (—  Q)

0,0

1,0

0,375

0,4375

0,0625

0,1

0,9

0,275

0,3437

0,0687

0,2

0,8

0,175

0,2624

0,0874

0,3

0,7

0,075

0,1932

0,1182

0,375

0,000

0,1491

0,1491

0,4

0,6

—  0,025

0,1359

0,1609

0,5

0,5

—  0,125

0,0898

0,2148

0,6

0,4

—  0,225

0,0544

0,2744

0,7

0,3

—  0,325

0,0287

0,3537

0,8

0,2

—  0,425

:  0,0119

0,4369

0,9

0,1

—  0,525

0,0027

0,5277

1,0

0,0

—  0,625

0,0000

0,6250

l

gl

gl

pl

pl

Biegungsmomente

Entfernung
X

Einfache
Balken
21

Der  kontinuierliche  Balken  mit  zwei
Oeffnungen  Lo  —  L\
Entfernung  von  P

M

max  (M)

max  (—  M)

0,0

0,0000

0,0000

0,00000

0,00000

0,1

0,0237

0,0325

0,03875

0,00625

0,2

0,045

0,0550

0,06750

0,01250

0,3

0,0637

0,0675

0,08625

0,01875

0,4

0,080

0,0700

0,09500

0,02500

0.5

0,0937

0,0625

0,09375

0,03125

0,6

0,1050

0,0450

0,08250

0,03750

0,7

0,1137

0,0175

0,06126

0,04375

0,75

—

0,0000

0,04688

0,04688

0,8

0,120

—  0,0200

0,03000

0,05000

0,85

—

—  0,0425

0,01523

0,05773

0,9

0,1237

—  0,0675

0,00611

0,07361

0,95

—

—  0,0950

0,00611

0,09638

1,0

0,125

—  0,1250

0,00000

!  0,12600

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