Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

6. Oktober 1906 
BAUZEITUNG 
317 
Gymnasium in Worms 
Ansicht von der Eheinbrücke aus 
dem Turnunterricht für 30—40 Schüler dienen soll, lieber 
diesen der Halle seitlich vorgelagerten Räumlichkeiten 
sind Emporen angeordnet, die bei festlichen Veranstal 
tungen für etwa 250 Personen Platz bieten können. Die 
Doppelbestimmung der Halle, neben dem Turnunterricht 
gelegentlich auch als Aula und Eestsaal zu dienen, legte 
bei Anordnung der festen Geräte große Beschränkungen 
auf. Ganz besonders mußte darauf Rücksicht genommen 
werden, daß durch den Einhau des festen Schaukelgerüstes 
der freie Einblick in die Halle möglichst wenig beein 
trächtigt werde. Die innere Halle ist als Tonnengewölbe 
in Korbbogenform ausgebildet und in Rabitz hergestellt. 
Die weiße Abtönung der Decke wird nur durch drei 
schablonierte farbige Gurte unterbrochen und reicht bis 
auf die Emporen herab, die, wie auch die umlaufende 
Wandbekleidung, in Pitch-Pine-Holz hergestellt und braun 
lasiert sind. Der Fußboden ruht auf einer durchgehen 
den 15 cm starken Betonplatte und besteht aus impräg 
nierten gefederten Buchenriemen, die mit Rücksicht auf 
die erforderliche Elastizität anstatt in Asphalt auf Lager 
hölzern verlegt sind. Eine hinreichende Anzahl von 
Fensteröffnungen sorgt für gute Beleuchtung und Lüftung. 
Die Erwärmung des Saales wird durch zwei Schachtöfen 
bewirkt, die in den äußersten Ecken des Raumes Auf 
stellung gefunden haben. 
Mit der Turnhalle durch einen Vorraum verbunden, 
sind die Schüleraborte angelegt. Sie haben Wasser 
spülung erhalten, und zwar unter Anordnung einer 
1 Ositzigen Doppelreihe mit selbsttätig wirkenden Doppel 
siphonlatrinen (Doppelwasserverschluß mit Heberbogen) 
und zwei automatischen Spülreservoirs, die pro Sitz etwa 
45 Liter Inhalt fassen. 
Trennungs- und Umfassungswände der einzelnen Abort 
zellen sind mit den sogenannten Siegesdorfer Badeanstalt 
steinen .ausgeführt, die mit ihrer glasierten Oberfläche 
die Möglichkeit einer leichten und gründlichen Reinigung 
bieten und dadurch den an diesen Ort zu stellenden 
hygienischen Anforderungen recht wohl entsprechen 
dürften. Der gesamte Zellenkörper ruht auf einem 
eisernen Rahmwerk mit Fußansätzen 15 cm frei über 
dem asphaltierten Fußboden, so daß eine Spülung des 
letzteren durch den ganzen Raum hinweg mittels des 
Leitungsschlauches leicht bewerkstelligt werden kann. 
Die Pissoirstände, 1,55 m weit, 0,40 m tief, bestehen 
ans einer 1,60 ra hohen Rückwand und den einzelnen 
Abteilungswänden aus geschliffenem belgischen Granit 
und sind mit Oelsiphons ausgestattet. 
Um die Fäkalien in die Straßenkanäle und durch 
diese weiter in den Rhein abführen zu können, werden 
dieselben zunächst in eine Kläranlage, deren Ein 
richtung auf dem sogenannten biologischen Verfahren be 
ruht, geleitet und hier den hygienischen Anforderungen 
entsprechend gefiltert. 
Ein Blick auf das beigefügte Schaubild belehrt uns, in 
welcher Weise die Gesamtanlage durch die Wohngebäude 
für den Direktor und Diener vervollständigt wurde. 
Das erstere ist durch einen geschlossenen Verbindungs 
gang mit dem Hauptgebäude zu einer malerischen Gruppe 
vereinigt und schließt sich demgemäß in der Wahl der
	        

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