Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-3,1906
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1906/343/
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BAUZEITÜNG 
Nr. 40 
Gymnasium in Worms 
Seitengang mit Kleiderablage 
hilfe von Behörden aufgebracht. Wenn nun das erstrebens 
werte Ziel noch nicht annähernd erreicht ist, so ist zu 
bedenken, daß 53 °/ 0 der Unfälle auf die Kreise der Bau 
arbeiter durch Außerachtlassen oder direktes Zuwider 
handeln gegen die Vorschriften zurückzuführen sind. 
Weitere 20% hätten sich durch geeignete Mitwirkung 
der Arheiterwelt verhindern lassen. Nur 27 % der Un 
fälle kommen auf die unausweichlichen Gefahren des Be 
triebs oder auf Verschulden der Unternehmer. Die Hinzu 
ziehung sogenannter Arbeiterkontrolleure kann hieran 
nichts ändern. Ein Sachverständiger für Bauaufsicht 
muß vollständig für dieses Fach geschult sein, wenn er 
genügen soll. Er muß sich ein Urteil bilden können über 
alle Vorgänge im Bau, über alle Hilfsmaschinen, Gerüste, 
Wider lagerstärken, Verankerungen u. s. w. Ferner muß 
er alle Konstruktionsteile, als Holz-, Stein-, Eisen- und 
Eisenbetonkonstruktionen, kennen. 
Es ist auch zu erwarten, daß Arbeiterkontrolleure 
keine Anzeige über Verstöße der Arbeiter bringen, da 
sie sonst nicht wiedergewählt werden. Es wird mit 
geteilt, daß in Stuttgart seit drei Jahren Arbeiterbau 
kontrolleure beschäftigt werden, die unter Leitung der 
Bezirksbaumeister stehen und daher etwas gebunden sind. 
Ein Arbeiterbaukontrolleur hat sich sogar bei einem Werk 
meister beschwert, daß ihm die Arbeiter Ehre und alles 
abschneiden. Eine Abnahme der Unfälle, wie die Sozial 
demokraten meinen, ist seit der Tätigkeit der Arbeiter 
baukontrolleure nicht eingetreten. Das gleiche 
wird von der nunmehr sechsjährigen Tätigkeit 
der Arbeiterbaukontrolleure in München be 
richtet. Die Erörterung schloß mit der An 
nahme folgender Resolution: 
„Der 21. Delegiertentag u. s. w. protestiert 
gegen die aus parteipolitischen Rücksichten 
entstandenen Forderungen der 11. Reichstags 
kommission und ersucht den geschäftsführen 
den Ausschuß, diesen Protest nach entsprechen 
der Begründung allen Körperschaften und 
Behörden zur Kenntnis zu bringen.“ 
Baumeister Höffner-Dresden berichtet 
sodann über den Punkt: Baugewerkschulen. 
Es soll darauf gedrungen werden, daß die 
Lehrlinge die drei Sommer der Lehrzeit aus 
schließlich praktisch arbeiten und nur im 
Winter zur Bauschule gehen. Man plant auch 
für die preußischen Bauschulen einen fünften 
Kurs, welche Idee sehr unterstützt wird. Ob 
das Abgangszeugnis zumEinjährig-Freiwilligen- 
dienst berechtigen wird, ist noch sehr fraglich, 
da Minister Delbrück befürchtet, daß hierzu 
mehr humanistische Bildung nötig sei, als in 
den wenigen Bauschulsemestern gegeben wer 
den kann. Ein baldiger Versuch des fünften 
Kurses ist in Aussicht gestellt. Einige Bau 
schulen, welche um die Verbandsrechte ein 
gekommen waren, wurden von einer Schul 
kommission besichtigt. Der Schule Glauchau i. S. 
mußten die Verbandsrechte noch versagt wer 
den, bis sie die gleichen Ziele der königlichen 
Schulen erreicht. 
Die Kaiserlich technische Schule in Straß 
burg erhält die Verbandsrechte. Ueber die 
Schule in Roda in Sachsen-Altenburg sind 
mancherlei Klagen eingelaufen. Die Schule ist 
Privatanstalt mit sehr geringer Unterstützung 
des Staates und der Stadt. Doch hat der 
Staat kein Interesse an der Anstalt, wie der 
Vertreter der Altenburger Regierung bemerkt, 
da die Schüler die umliegenden preußischen 
und sächsischen Schulen besuchen könnten. 
„Immerhin sei es ja für Altenburg 
gut, daß eine Schule da sei, sonst 
machten sich dieLeute dort ohne Schulbesuch 
selbständig.“ Falls in Roda in bestimmter Zeit keine 
Abhilfe geschaffen wird, sollen ihr die Verbandsrechte 
entzogen werden. 
Ein Antrag, im nächsten Jahr gelegentlich des 
Delegiertentages eine Ausstellung von Arbeiten aller 
Bauschulen zu veranstalten, wird angenommen. 
Es folgt eine Besprechung über zu treffende Bestim 
mungen, welche dem Lehrling die Teilnahme an Streik 
versammlungen und ähnlichen Veranstaltungen verbieten. 
Maurer- und Zimmermeister Dorn- Lankwitz - Steglitz 
führte aus, daß eine Umfrage betreffend dieses Punktes be 
reits geschehen sei. Es ergab sieb, daß in einigen Städten 
schon ein diesbezügliches Gesetz erlassen ist, und es 
wurden nur wenig ablehnende Stimmen laut. Der Be 
such von Streikversammlungen ist für die Lehrlinge straf 
bar, der Vater bezw. Vormund des Lehrlings soll eine 
festgesetzte Strafe zahlen. Ein Vorschlag über Straf 
bestimmungen soll ausgearbeitet und den einzelnen Ver 
bänden zur Beschlußfassung überwiesen werden. 
Maurermeister Hirschberg-Neuruppin befürwortete 
nachfolgenden Antrag, der auch von der Versammlung 
angenommen wurde: „Die Delegiertenversammlung wolle 
den geschäftsführenden Ausschuß beauftragen, den Erlaß 
einer Verordnung herbeizuführen, welche es den Standes 
ämtern sowie denjenigen Behörden, welchen die Aus 
fertigung der Quittungskarten für die Invaliden- und
        

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