Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

13. Oktober 1906 
BAUZBITUNG 
325 
Wettbewerb Krankenhaus Tuttlingen, II. Preis 
Prof. Ludw. v. Hoffmann sowie ein Speise- und Anrichte 
zimmer, dann der etwas unruhig wirkende Hagener Raum 
von Maler E. R. Weiß. 
Direktor Emil Högg zeigt uns eine Bremer Diele, 
Karl Eeg einen kleinen Zierhof und Heinrich Vogeler- 
Worpswede das Zimmer einer jungen Frau. Ein Herren- 
arbeits- und Trauzimmer für das Standesamt und ein 
Wohn- und Empfangszimmer für das städtische Museum 
in Magdeburg wurden von Architekt Albin Müller aus 
gestellt. Die Saalecker Werkstätten bringen eine ge 
mütliche dreizimmerige Junggesellenwohnung von Prof. 
Schultze-Naumburg, und auch Elsaß-Lothringen ist mit 
zwei Bäumen von Karl Spindler-St. Leonhardt vertreten. 
Dann folgen die Berliner Künstler Bruno Möhring mit 
einem zierlichen Hof, Prof. Karl Stoeving mit einem 
ansprechenden Salon, Prof. Alfred Grenander mit einem 
vornehmen Empfangszimmer sowie einem Wohnzimmer; 
dann noch Sepp Kaiser, Bud. und Eia Wille, Albert 
Geßner u. s. w. 
Prof. Olbrich-Darmstadt hat einen eigenartigen Damen 
salon in Weiß (mit dem neuen Emailverfahren) und eine 
Hof- und Gartenanlage, Alfred Koch - Darmstadt das 
Empfangszimmer eines Arztes ausgestellt. 
Unsre Stuttgarter Künstler sind in erster Linie durch 
Prof. Pankok mit dem bekannten Festraum, Paul Hau 
stein mit einem Billard- und Gesellschaftszimmer, Prof. 
Hans v. Heider mit einem Bad und Vorraum und Prof. 
Rochga mit einem Kupferstichkabinet vertreten. In 
letzterem sind ausgestellt: Radierungen von Prof. Graf 
v. Kalckreuth, Prof. Bernh. Pankok, Ernst Gabler, 
Amandus Faure, Alexander Eckener, G. Lebrecht. 
Dann kommt eine Beihe Münchner Künstler, Prof. 
Krüger, Julius Diez, Bruno Paul; Riemerschmied bringt 
zwei famose Schiffsräume, eine Offiziersmesse und einen 
Kommandantensalon, sowie einen Eisenbahnwaggon und 
Architekt Paul Thiersch die Ausstattung dreier Bahn 
hofsräume. 
Sehr interessant ist auch die Abteilung „Volkskunst“; 
sie führt uns die naive kunstgewerbliche Betätigung des 
Architekt R. Dollinger, Stuttgart 
Volks vor; diese äußert sich nicht in der Eigenart eines 
bestimmten Individuums, sondern in der nationalen Eigen 
art eines bestimmten Volksstammes; sie ist eine gewisse 
örtliche Ueherlieferung, die sich selbst durch den Wechsel 
der einzelnen Stilperioden nicht veränderte. 
Wir finden überall ein mehr instinktives als geistig 
überlegendes Schaffen, und man kann beobachten, wie 
frei und eigenartig oft das Volk die Stile bearbeitete 
und wie selbstverständlich die einzelnen Stilformen hier 
wirken. Es kamen zur Aufstellung Gegenstände und 
ganze Räume aus Bayern, Baden, Hessen, Sachsen, West 
falen, Ostpreußen, Bremen; sehr reichhaltig sind auch die 
Gegenstände aus dem Elsaß sowie die ostfriesischen und 
holsteinschen Räume. Mit großer Sorgfalt wurden auch 
die Blumen- und Pflanzendekorationen gewählt, denn sie 
zeigen uns jedesmal die Lieblingsgewächse der betreffen 
den Bewohner. 
Gehen wir nun weiter zu der Abteilung „Techniken“; 
diese soll uns zeigen, wie die Form den Eigenschaften 
des Stoffes angepaßt sein muß, wenn ein gutes Kunst 
werk entstehen soll. Es sind die betreffenden Beispiele 
fast ausschließlich der Kunst der Vergangenheit ent 
nommen, und es ist bei der lebhaften Entwicklung unsrer 
heutigen Kunst wertvoll, an längst anerkannten Beispielen 
einen bestimmten Maßstab zu haben und zu beobachten, 
welche reiche Mittel schon in früherer Zeit dem Kunst 
handwerker zur Verfügung gestanden hatten; auch kann 
man an diesen alten Beispielen wieder den ganzen Reiz 
der handwerklichen Arbeit erkennen und schätzen lernen, 
ja es ist wohl das einzig richtige, wenn wir wieder die 
Mittel studieren, denen die Vergangenheit ihre Erfolge 
verdankt und davon uns das zu eigen machen, was für die 
Gegenwart noch zu brauchen ist. (Schluß folgt) 
Wettbewerb Krankenhaus Tuttlingen 
Dem Ausschreiben lag folgendes Programm zugrunde: 
Das Gebäude, das östlich der Stadt auf einen Nordwest 
abhang zu stehen kommt, ist für 70 Betten einzurichten,
	        

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