Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

13. Oktober 1906 
BAUZEITUNG 
327 
Im Grundriß ist die klare Trennung der Hauptgruppen 
angestrebt. Diese Hauptgruppen sind die Verwaltungs 
abteilung, die Krankenräume, die Privatkrankenabteilung 
und die ärzliche Abteilung einschließlich Krankendienst. 
Yergrößerungsmöglichkeit liegt vor durch Anbau und da 
durch, daß die Krankenschwesternzimmer im Querflügel 
des I. Stocks zu den Krankenzimmern gezogen werden 
können. Alle Krankenzimmer liegen nach Südost. Zweck 
mäßigkeit im Krankenhausbetrieb und eine durchweg ge 
sunde, weil licht- und luftreiche Anlage des Hauses, 
worauf die leitenden Aerzte hohen Wert legen, waren 
für die Gestaltung der Grundrisse und damit des ganzen 
Entwurfs ausschlaggebend. 
Die Fassaden sind schlicht gehalten; trotzdem wird 
durch die energisch vorspringenden Querflügel und die 
Verteilung der Baumassen die Wirkung zur Stadt Tutt 
lingen hinab ausdrucksvoll und freundlich sein. Die 
Klarheit des Inneren soll sich in dem ruhigen Bilde des 
Aeußeren aussprechen. Eine Bereicherung der Fassaden 
in einzelnen Teilen ist, wenn sie gewünscht wird und 
Mittel zur Verfügung stehen, leicht zu erreichen. 
Die vorgeschriebene Bausumme kann nachgewiesener 
maßen eingehalten werden. 
Projekt mit dem Motto; „Witthoh“, Verfasser Archi 
tekten Bihl & Woltz, Stuttgart. Die Lage des Bauplatzes 
an dem ziemlich steilen Abhang eines Höhenrückens er 
forderte möglichste Anpassung des Gebäudes an das 
Gelände, indem hierdurch große Erdbewegungen und bei 
der felsigen Beschaffenheit des Baugrundes erhebliche 
Sprengungen vermieden wurden. 
Eine langgestreckte Grundrißanlage ohne größere 
Flügelausbauten gewährte somit einerseits den Vorteil, 
bedeutend an den Baukosten zu sparen, während zu 
gleich anderseits hierdurch die Möglichkeit geschaffen 
war, sämtliche Krankenzimmer gegen Südosten zu legen. 
Der Operationssaal und die Nebenräume konnten je ge 
sondert von den Krankenzimmern in zwei nach Nord 
westen gelegenen, mäßig tiefen Ausbauten untergebracht 
werden. 
Im übrigen waren die Verfasser bestrebt, bei klarer, 
übersichtlicher Grundrißanlage auch geräumige helle Korri 
dore zu schaffen. 
Das Gebäude ist so weit von der Straße abgerückt, 
daß genügend Platz für die Anfahrt und Anlage der 
Treppen übrigbleibt. 
Der hinter dem Gebäude verbleibende Platz ist als 
Garten für die Kranken vermöge seiner sonnigen ge 
schützten Lage wie geschaffen. 
Das Aeußere dürfte sich mit den vorgelagerten Ter 
rassen und Treppen der Landschaft gut anpassen und 
einen guten Abschluß derselben, von der Stadt aus ge 
sehen, bilden. 
Kontinuierliche Balkenbrücken ans 
Eisenbeton 
Von Dipl.-lug. S. Zipkes, Chefingenieur der Firma Luipold 
(Fortsetzung) & Schneider, Zürich 
Bei der gewöhnlichen Berechnung der Schubspan 
nungen in den Bügeln wird das Produkt aus Querkraft 
und Entfernung der Bügel als Gesamtschubkraft an 
genommen, was nicht ganz zutrifft. Die wirkliche Kraft 
fläche ist durch ein Trapez (kein Rechteck) dargestellt. 
Der durch diese Annäherung entstandene Fehler ist aber 
unbedeutend. Bei der graphischen Bestimmung der Lage 
der Bügel (Abb. 8 Tafel 1) wird dieser Fehler aus 
geschlossen. Die Bestimmung der Entfernungen zwischen 
den Bügeln infolge der gleichmäßig verteilten und kon 
zentrierten Lasten bei Annahme von Bügeln mit gleichen 
Querschnitten wird auf graphischem Wege sehr einfach 
gelöst. 
Krankenhaus Tuttlingen Architekten Bihl & Woltz-Stuttgart 
Die Einflußfläche der Querkräfte wird bei gleichmäßig 
verteilter Last durch ein Dreieck dargestellt, bei kon 
zentrierten Lasten nur annähernd durch ein solches. 
Nimmt man die Bügel gleich stark an, so müssen die Kraft 
flächen in Teile gleichen Flächeninhaltes geteilt werden. 
Dies geschieht, wenn man über eine Seite (Abb. 8 und 9 
Tafel 1) hier 0' 3 einen Halbkreis schlägt und die bekannte 
Konstruktion anwendet, indem man die Strecke 0' — 3 in 
gleiche Teile teilt und die Teilungspunkte auf dem Kreis 
umfange lotet. Aus 0' beschreibt man die Kreisbogen 
ab, a'b', a"b" u. s. w. Die Punkte a'b'. . . geben die 
gewünschte Einteilung, d. h. sie geben die Stellen, wo 
die Bügel zu liegen kommen. Diese Methode läßt sich 
allgemein anwenden, auch für den Fall, daß der Beton 
einen Teil der Schubspannung aufnehmen soll. Die Lage 
der schrägen Eisen kann ferner mit der gleichen Methode 
genau ermittelt werden. 1 ) 
Die Querträger (Querrippen) 
Die angenommene Berechnungsweise der Fahrbahn 
ist richtig, insofern das Eigengewicht der Konstruktion 
in Frage kommt, denn nur diese belastet stets die ge 
samte Konstruktion. Die Berechnungsweise trifft aber 
nicht zu, sobald die Einzellasten in Frage kommen. Die 
Einzellasten, wie Dampfwalze, Wagen u. s. w., wirken 
örtlich. 
Wird z. B. eine Trambahn über eine solche Brücke 
geführt, so werden dadurch nicht nur die unmittelbar 
darunter liegenden Tragteile beansprucht, vielmehr wird 
der ganze Bau in Mitleidenschaft gezogen. Diese Mit 
arbeit aller Balken, wenn nur einer oder mehrere unmittel 
bar belastet werden, wird schon durch die Platte, be 
sonders aber durch die Querrippe bewirkt. Es soll in 
der Folge daher festgesetzt werden, inwiefern sich die 
Mitarbeit bestimmen läßt und wie groß sich dieselbe stellt. 
Die Brücke in Backnang erhielt in jeder Oeffnung zwei 
solcher Querversteifungen. Für die Berechnung kommen 
zwei verschiedene Lagen der Dampfwalze in Betracht. 
1. Die Dampfwalze liegt so nahe als möglich am 
Straßenkandel. 
J ) Siehe „Beton und Eisen“, 1906. Eisenbetoubrücken mit ver 
senkter Fahrbahn. Vom Verfasser.
	        

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