Title:
Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen
Shelfmark:
XIX/1085.4-3,1906
PURL:
https://digibus.ub.uni-stuttgart.de/viewer/object/1499766280559_1906/354/
FÜR WÜRTTEMBERG 
BADEN HESSEN ELr 
SASS-LOTHRINGEN 
Inhalt; III. Deutsche Kunstausstellung Dresden. — Die Neuordnung des bayrischen Verkehrswesens und 
die württembergischen Eisenbahnbauinspektionen. — VII. Tag für Denkmalpflege in Braunschweig. — 
Wohnhaus für das Salzwerk Heilbronn. — Reiseskizzen. — Wettbewerbe. — Kleine Mitteilungen. — 
Personalien. — Bücher. 
•haust-ehisi-. 
Alle Rechte Vorbehalten 
III. Deutsche Kunstausstellung Dresden 
Von Architekt Rieh. Weigle-Berlin 
(Schluß) 
Es darf dieses Studium natürlich nicht zu dem skla 
vischen Nachahmen führen, unter dem gerade die letzte 
Zeit des 19. Jahrhunderts so schwer gelitten hat, es soll 
vielmehr das Gesehene geistig verarbeitet werden und zu 
neuem künstlerischem Schaffen Anregung geben. Die 
ausgestellten Arbeiten der Morrisschen Werkstätten waren 
wohl am besten geeignet, diese Grundsätze zu veranschau 
lichen, und es war dies der Grund, warum sie die einzigen 
moderneren Arbeiten waren, die in der betreffenden Ab 
teilung Platz fanden. 
Auch die Abteilung „ Kunsthandwerkliche Einzelerzeug 
nisse“ bringt eine Auswahl der besten Arbeiten unsrer 
deutschen Kunsthandwerker; sie will wieder mehr die 
Freude am kunstgewerblich hergestellten Einzelgegenstand 
wecken, sie will den Käufer mehr zum Besteller machen 
und ihn aus dem Verkaufslager mit seiner Fabrikware 
wieder mehr in die Werkstatt selbst rufen. Die Aus 
stellung hat eine Eeihe famoser Kunstwerke und der 
Besucher wird sie ungern verlassen, ohne auch für sich 
etwas ausgesucht zu haben. 
Und nun die lange Reihe der deutschen Kunstgewerbe- 
und Handwerkerschulen; die Ausstellung beschränkte sich 
zwar nur auf Arbeiten direkt im Material, während Zeich 
nungen und Entwürfe nur ganz ausnahmsweise zugelassen 
wurden, sie zeigt uns aber, wie speziell auch in den 
sächsischen Volksschulen man bereits anfängt, denMaterial- 
unterricht bis hinauf zu den Kunstgewerbeschulen zu 
pflegen, und auch die Ergebnisse solcher Arbeit. 
Einen weiteren Hauptabschnitt bildet die Abteilung 
für Kunstindustrie. Wir finden zwar auch hier einzelne 
geschlossene Räume, aber der Unterschied liegt haupt 
sächlich darin, daß, während bei der ersten Hauptabtei 
lung die Künstler die Leitenden und Anmeldenden waren, 
hier die Industriellen die Aussteller sind. Hervorzuheben 
ist das von der Kunstmöbelfabrik A. S. Ball-Berlin nach 
Entwürfen von Prof. Alfred Grenander ausgeführte Speise 
zimmer, das wohl eine der besten Arbeiten dieses Künstlers 
ist. Eine sehr ansprechende und einfache bürgerliche 
Wohnung nach Entwürfen von E. H. Walther-Dresden 
hat auch die Möbelfabrik H. Fickler-Hainsberg ausgestellt; 
auch in Korbmöbeln finden wir sehr gute Arbeiten, so 
unter andern ein geschmackvolles Gartenzimmerchen in 
Gelb von der Hof korb Warenfabrik Julius Mosler-München. 
Eine durch praktische und sachliche Gestaltung sich aus 
zeichnende Kücheueinrichtung wurde von der Firma 
F. Bernhard Lange, Fabrik für Küchenmöbel und Küchen 
einrichtungen in Dresden, ausgestellt und ist das Ergeb 
nis eines Preisausschreibens. Des weiteren finden wir 
noch ein Speisezimmer in englischer Spätrenaissance von 
der Firma A. Bembe-Mainz, und einen Salon im Empire 
stil von Rob. Hoffmann-Dresden. Wenn auch diese im 
historischen Stil gehaltenen Arbeiten des machahmenden 
Kunstgewerbes in technischer Beziehung ganz gute Lei 
stungen sind, so nehmen sie sich doch recht sonderbar in 
der langen Reihe der modernen Schöpfungen aus. 
Bemerkenswert ist auch die Abteilung „Industrielle 
Vorbilder“; sie will uns sagen, daß man nicht erst Orna 
mente und Verzierungen braucht, um einen Gegenstand 
schön zu machen, sondern daß in der Verwendung soliden 
Materials, in gediegener Arbeit und in reinen Zweck 
formen auch eine Fülle geschmackvoller Schönheit liegt. 
Auch die Abteilung „Maschinen und Werkstätten“ soll 
nicht vergessen werden, es üben hier mehr die inter 
essanten Bewegungsvorgänge ihre Anziehungskraft auf 
den Besucher aus. Besonders die Töpferei und die hier 
vor den Augen des Beschauers entstehenden hübschen 
Arbeiten haben ihren großen Reiz. 
Nun kommen wir zu der „Keramischen Abteilung“. 
Die Kgl. Porzellanmanufaktur tritt durch eine neue farbige 
plastische Dekorationstechnik von Prof. Schmuz - Baudiß 
hervor. Die Meißner Manufaktur gibt sich nun auch mit 
moderneren Arbeiten ab; so verdienen die Tiere von Bild 
hauer Walter-Meißen und besonders das hübsche bürger 
liche Service nach Entwürfen von Richard Riemerschmid 
volle Anerkennung, und auch den vorzüglichen Figuren 
von A. Niemeyer aus der Nymphenburger Manufaktur 
darf diese nicht versagt werden. Ferner finden wir 
wundervolle Arbeiten, teils Porzellanfiguren, teils Fliesen 
und Glasmosaiken von Wilh. Kreis, Fritz Schumacher- 
Dresden, Hans v. Heider und Pankok-Stuttgart, Richard 
Riemerschmid, J. Diez, Bruno Paul-München u. a. m. 
Auch die Arbeiten der Vereinigten Westerwald er kera 
mischen Fabriken in Höhr-Grenzhausen in Steinzeug nach 
Entwürfen vonßehrens, Riemerschmid, vandeVelde u.s. w. 
mögen noch erwähnt werden. 
In der Ausstellung für Metallkunst fällt uns in 
erster Linie der prachtvolle Tafelaufsatz für den Rat zu 
Dresden von Prof. Karl Groß in die Augen, ferner sind
        

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