Full text: Bauzeitung für Württemberg, Baden, Hessen, Elsaß-Lothringen (1906)

20. Oktober 1906 
BAUZEITUNG 
835 
Wohnhaus für das Salzwerk Heilbronn 
Architekten Maute & Moosbrugger - Heilbronn 
Museumsdirektor Prof. Dr. Meier Veranlassung nahm, 
auf die diesbezügliche Tätigkeit des Geschichtsvereins 
für das Herzogtum Braunschweig hinzuweisen. 
Provinzialkonservator Dr. Haupt-Eutin hatte Die 
Bemalung und Konservierung mittelalterlicher 
Holz- und Steinskulpturen zu seinem Vortragsthema 
gewählt. Redner betonte, daß zunächst die Frage der 
Erörterung bedürfe, ob konserviert werden solle, die sich 
insonderheit leider auch danach zu richten habe, ob der 
Verkehr oder der Mangel an Geld es gestatte. Sei man 
jedoch zu dem Entschluß gelangt, eine Konservierung 
vorzunehmen, so habe dies in der sorgfältigsten Weise 
zu geschehen, und jede Ergänzung eines Kunstwerkes 
sei schriftlich zu verzeichnen. Besonders sei vor der 
künstlerischen Behandlung auf eine vorsichtige Reinigung 
der Kunstgegenstände zu sehen. lieber die Erhaltung 
mittelalterlicher Steinskulpturen sprach als Korreferent 
Konservator Dr. Hag er-München. Danach erläuterte 
Provinzialkonservator Dr. Reimers -Hannover die In 
standsetzung alter Altarbilder, indem er an der Hand 
des Flügelaltars von Haverbeck, an den Antependien aus 
dem Dome in Goslar und der Klosterkirche in Wennigsen 
am Deister seine Darlegungen beleuchtete. 
Oberbaurat Schmidt-Dresden schlug die Annahme 
einer Resolution vor, in der die Versammlung ihr Be 
dauern aussprechen sollte über die in diesem Jahre ein 
getretene Zersplitterung aller Vereine, die ähnlichen 
Zielen entgegenstreben wie der Denkmalpflegetag (Ver 
eine für Heimatschutz, Volkskunst- und -schütz u. s. w.), 
und in der der Wunsch ausgesprochen wird, daß diese 
Vereine in Zukunft zusammen tagen möchten. 
Prof. Tzigara-Samurcas, Vertreter der rumäni 
schen Regierung, gab die Gründe seines Erscheinens be 
kannt, die darin zu suchen seien, daß man in Rumänien 
den Wunsch hege, über die von König Karol (dessen 
40jähriges Regierungsjuhiläum in diesem Jahre gefeiert 
wurde) mit großen Opfern ausgeführten Erneuerungen alt 
rumänischer Kirchen ein fachmännisches Urteil zu hören. 
Redner wies darauf hin, daß die Regierung König Karols 
das gutgemacht hätte, was frühere Jahrhunderte an 
Rumänien verschuldet haben. Rumänien sei noch ein 
Neuland in der Kunstgeschichte. In ihm finden sich 
zwei Kunstströmungen zusammen, die orientalische und 
die byzantinische. Beide haben sich zu einem neuen Stil 
vereinigt, den man als byzantinisch-moldauisch bezeichnet 
hat, der aber auch rumänischer Stil genannt werden kann. 
Der Vorsitzende dankte dem Redner und seiner Regie 
rung für dessen Entsendung und glaubte dankbar aner 
kennen zu sollen, daß König Karol sich im Laufe seiner 
gesegneten Regierung auch der Baudenkmäler seines 
Landes angenommen habe. 
Amtsrichter Dr. Bredt-Lennep sprach über die 
Aufgaben der Denkmalpflege im Bergischen 
Lande. Redner betonte, daß das Bergische Land nicht 
reich an Kunstdenkmälern sei. Gerade deshalb sei das 
Bergische Bürgerhaus so viel w r ert für die Beurteilung 
der Kunstentwicklung des Landes. So ist man jetzt 
dazu geschritten, die Häuser im Bilde oder in ihrer 
natürlichen Beschaffenheit zu erhalten. Im Februar hat 
sich zu diesem Zwecke ein Ausschuß gebildet, der dem 
nächst ein größeres Werk veröffentlichen wird. 
Oberbürgermeister Struckmann-Hildesheim schlug 
darauf die Annahme einer Resolution vor, in der der 
Wunsch ausgesprochen wird, daß es gelingen möge, recht 
zahlreiche alte Bürgerhäuser zu erhalten. 
Die Verhandlungen des zweiten Tags eröffnete Geh. 
Oberbaurat Her sfe Id-Berlin mit einem Vortrag über 
Denkmalpflege auf dem Lande. Redner warf da 
bei die Frage auf: Wie steht es mit dem sogenannten 
Heimatschutz und was muß dazu getan werden? Die 
Antwort auf die erste Frage kann leider nicht befriedigen. 
Der Blick der Landbewohner fällt auf die Stadt, und der 
Wunsch, etwas Städtisches zu erhalten, wird rege. Das 
Bauernhaus weicht einem städtischen Wohnhaus, das alte 
Hausgerät verschwindet und Fabrikware hält ihren Ein 
zug. Der schlichten Gotteshäuser wird man überdrüssig 
und spart bei Renovierungen. So entstehen dann die 
öden Kirchräume, denen man überall begegnet. Gefähr 
lich sind den Dorfkirchen vielfach die Verkehrs- und 
feuerpolizeilichen Verordnungen geworden, denen man
	        

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